Sie ist der Dreh- und Angelpunkt bei allen Gedankenspielen der US-Regierung, eventuell an der Seite Israels militärisch gegen das Atomprogramm des Iran vorzugehen – die Frage, wie weit das Mullah-Regime technisch gekommen ist, um eine Nuklearwaffe herzustellen. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Während Israels Premierminister Benjamin Netanjahu die seit vergangenem Freitag laufenden Bomben-Angriffe auf den Iran im Kern damit begründet, dass Teheran quasi unmittelbar vor dem Griff zur Atombombe stehe, fällt bei der wichtigsten Schutzmacht Israels ein fundamentaler Disput auf. Hauptdarsteller: Präsident Donald Trump – und die von ihm selbst nominierte oberste Geheimdienst-Koordinatorin Tulsi Gabbard. 

Im Wahlkampf, hier im August 2024, waren sie ein Herz und eine Seele. Inzwischen demütigt Donald Trump seine oberste Geheimdienst-Koordinatorin Tulsi Gabbard auf offener Bühne.
Im Wahlkampf, hier im August 2024, waren sie ein Herz und eine Seele. Inzwischen demütigt Donald Trump seine oberste Geheimdienst-Koordinatorin Tulsi Gabbard auf offener Bühne.© AFP | Kamil Krzaczynski

Auf dem vorzeitigen Rückflug vom G 7-Gipfel in Kanada wurde Trump von einer Journalistin damit konfrontiert, dass die von ihm selbst gegen viele parteiübergreifende Widerstände und Zweifel durchgesetzte Ex-Demokratin vor nicht einmal drei Monaten bei einer offiziellen Kongress-Anhörung folgende Aussage machte: 

„Die Geheimdienste gehen weiterhin davon aus, dass der Iran keine Atomwaffen baut und dass der Oberste Führer Khamenei das 2003 ausgesetzte Atomwaffenprogramm nicht wieder genehmigt hat. Die Geheimdienste beobachten weiterhin aufmerksam, ob Teheran beschließt, sein Atomwaffenprogramm wieder aufzunehmen.“

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Seither hat die ehemalige Kongress-Abgeordnete aus Hawaii, die sämtlichen 18 US-Geheimdiensten von CIA bis NSA vorsteht, ihre Bewertung nicht verändert. Angenommen ihre Aussage vom März ist unverändert belastbar, besteht nach Ansicht von Kritikern in der republikanischen Partei, die Trump dringend von einer militärischen Intervention mittels Bunker brechenden Bomben gegen die unterirdische Atom-Anlage Fordo abraten, „keine akute Notwendigkeit, gegen Teheran militärisch vorzugehen“.

Sondersitzung IAEA Gouverneursrat in Wien
Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalem Atomenergiebehörde (IAEA), sieht beim Iran „keine Beweise für systematische Bemühungen, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.”© Georg Hochmuth/APA/dpa | Georg Hochmuth

Sie befürchten, dass der Iran massive Vergeltung gegen US-Stützpunkte in der Golf-Region (40.000 US-Soldaten) üben wird und Amerika so in eine größere kriegerische Auseinandersetzung im Nahen Osten gezogen werden könnte.

Keine Beweise für Besitz von Atomwaffen

Sie stützen sich indirekt auch auf Aussagen der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergie-Behörde, die seit Jahren das iranische Atom-Programm versucht zu kontrollieren. IAEA-Direktor Rafael Grossi sagte kürzlich in einem CNN-Interview bezogen auf den Iran: „Wir hatten keine Beweise für systematische Bemühungen, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.“

In der iranischen Hauptstadt Teheran treffen immer wieder Raketen auf Häuser und Zivilisten.
In der iranischen Hauptstadt Teheran treffen immer wieder Raketen auf Häuser und Zivilisten.© AP/dpa | -

Donald Trump sieht das ganz anders. Ohne Beleg oder Begründung bürstete er vor laufender Kamera Geheimdienst-Chefin Gabbard brüsk ab, als er auf den Dissens angesprochen wurde: „Es ist mir egal, was sie gesagt hat. Ich glaube, sie (die Iraner – Anm. d. Red.) waren sehr nah dran, eine (Bombe – Anm. d. Red.) zu haben.“

„Es ist mir egal, was sie gesagt hat“

Woher Trump seine Expertise nimmt, ist nicht bekannt. In Regierungskreisen wird davon ausgegangen, dass der Präsident israelischen Informationen mehr Glauben schenkt als den Erkenntnissen der eigenen Behörden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Wochenende erklärt, der Iran verfolge einen „geheimen Plan“ zur Beschaffung einer Atomwaffe und sei „auf einem sehr schnellen Marsch“. US-Dienste haben das bislang nicht bestätigt.

Im Gegenteil. Wie der Sender CNN unter Berufung auf vier Quellen in US-Geheimdiensten berichtet, sei der Iran noch drei Jahre davon entfernt, eigene Atomwaffen zu besitzen.