Donald Trump hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie seine Generäle auszusehen haben. Groß, breitschultrig, schnittig – wenn nötig schroff und irgendwie furchteinflößend. Leute mit „Krieger-Ethos“ eben, wie sein vom Fernsehen kommender Verteidigungsminister Pete Hegseth sagen würde.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Michael Erik Kurilla erfüllt dieses Anforderungsprofil voll und ganz. Mit seinen 1,90 Meter und unter dem Tarnfleck gut erkennbaren Muskel-Korsett verströmt der Chef des US-Zentralkommandos (CENTCOM) physische Autorität. Dass der als schroff und medienfeindlich bekannte Soldat vor zehn Jahren im Irak-Krieg mit Einschüssen an Arm und Beinen schwer blutend noch Befehle gab und seine Truppe vor Aufständischen rettete, sorgt bei Trump für Anerkennung. Kurilla wurde für seine Führungsstärke mit dem „Bronze Star“ ausgezeichnet, einer wichtigen Militärmedaille.

News aus den USA

Trump: Darum hegt er Sympathien für Kurilla

Der US-Präsident würde den General, Spitzname „Gorilla“, gern behalten. Aber nach fast 40 Jahren im Militär ist für Kurilla in wenigen Wochen Schluss. Vorher, so hat es den Anschein, möchte der in Israel über alle Maßen geschätzte Kommandeur im Nahen Osten offenbar einen Markstein setzen: Er gilt als treibende militärische Kraft hinter dem Plan, mit US-Bombenhilfe die wichtige iranische Atomanlage „Fordo“ außer Betrieb zu setzen. Und, was am wichtigsten ist: Er hat das Ohr des Präsidenten.

Kurilla hat das Kommando über einen gewaltigen Verantwortungsbereich, der sich über 21 Länder im Nahen Osten, Zentralasien und Teilen Südasiens erstreckt. Er leitet fünf „Service Component Commands“ der Armee, der Marine, einschließlich der Fünften Flotte, der Luftwaffe, der Marineinfanterie, des Space Command sowie ein gemeinsames Spezialeinsatzkommando (SOCCENT).

Armed Services Hearing - Washington
General Michael Kurilla ist die militärische Schlüsselfigur bei der Frage, ob die USA an der Seite Israels den Iran angreifen oder nicht.© picture alliance / abaca | Lamkey Rod/CNP/ABACA

Wie Insider aus dem Pentagon berichten, hat Kurilla es vermocht, seine Forderungen hinsichtlich einer breiten militärischen Kulisse im Nahen Osten für den Fall eines US-Angriffs auf den Iran durchzusetzen. Dabei geht es um eine sehr teure Entsendung von Flugzeugträgern (mittlerweile sind drei vor Ort auf dem Weg dorthin) samt Kriegsschiffen, die Stationierung von Kampfjets und die Beschaffung von Luftabwehrsystemen.

206807_1325_206807_cover.jpg
#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Kurilla setzt sich selbstbewusst über andere Militärchefs hinweg

Dass Kurilla dies gegen die latente Skepsis von General Dan Caine, Chef der Vereinigten Stabschefs aller Waffengattungen, und Elbridge Colby, dem politischen Direktor im Pentagon, durchgesetzt habe, spreche für den Einfluss Kurillas. Caine und Colby gehören eher zu denen, die vor einem neuerlichen US-Engagement im Nahen Osten warnen und US-Militärkomponenten wegen China lieber im pazifischen Raum beließen.

Kurilla tritt ungemein selbstsicher auf. Vor wenigen Tagen sagte er bei einer Anhörung im Kongress, er habe für Donald Trump, Oberbefehlshaber aller US-Truppen, eine „breite Palette von Optionen“ vorbereitet, um den Iran daran zu hindern, Atomwaffen zu erwerben. Zweifel über die Machbarkeit, Hinweise auf die Risiken – Fehlanzeige. Israelische Medien berichten über die Befürchtung von Premierminister Netanjahu und Verteidigungsminister Katz, dass sich das Zeitfenster für einen US-Angriff schließt, wenn Kurilla in den Ruhestand gewechselt ist.