Am Ende war die Frist von maximal zwei Wochen, die Donald Trump am Freitag für seine Entscheidung über einen US-Militärschlag gegen den Iran geltend gemacht hatte, doch nur ein Bluff. Gegen 2.30 Uhr Iran-Ortszeit am Sonntag haben die Vereinigten Staaten mit mehreren B-2-Bombern drei Atomanlagen des Mullah-Regimes angegriffen. Neben Natanz und Isfahan wurde auch das wichtigste Ziel, die unterirdische Uran-Anreicherungsanlage in Fordow, angegriffen – erfolgreich, wie Trump auf seinem Kommunikationsportal Truth Social mitteilte. Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick:

Was sagt Trump?

Trump machte den Angriff gegen 20 Uhr US-Ostküstenzeit (2 Uhr MEZ am Sonntag) über sein Kommunikationsportal Truth Social öffentlich. Er erklärte, der Angriff sei „sehr erfolgreich” verlaufen, die Kampfjets hätten „die volle Bombenladung” abgeworfen und seien unmittelbar danach ohne Gegenangriff aus der Gefahrenzone geflogen.

Als Trump sich um 22 Uhr Ortszeit aus dem Weißen Haus an das amerikanische Volk wandte, standen Vize-Präsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth hinter ihm Spalier. Trump sagte, das Ziel der Angriffe – die Vernichtung der nuklearen Kapazitäten des Iran – sei durch einen „spektakulären militärischen Erfolg” erreicht worden. Die drei ins Visier genommenen Anlagen seien „komplett und total ausgelöscht worden”.

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#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Trump beglückwünscht Bomberpiloten

Er beglückwünschte die Piloten der Bomber, den Generalstabschef und erklärte: „Keine Armee der Welt hätte das tun können, was wir heute Nacht getan haben.” Trump argumentierte auch damit, dass der Iran nicht nur eine Bedrohung für Israel, sondern auch für die Vereinigten Staaten darstelle.

Nahostkonflikt - Bunkerbrecher USA
Sechs Bunkerbrecher-Bomben vom Typ GBU-57 (Massive Ordnance Penetrator), jeweils 30.000 Pfund schwer, wurden laut Pentagon auf die Anlage in Fordo abgeworfen. © Uncredited/US Air Force/dpa | Uncredited

„Seit 40 Jahren sagt der Iran: ‚Tod für Amerika, Tod für Israel’“. Für den US-Präsidenten ist der Militärschlag nur der Anfang. Weitere Ziele würden mit „Präzision, Schnelligkeit und Geschick” bombardiert, wenn Teheran nicht einlenke. „Der Iran, der Tyrann des Nahen Ostens, der weltweit größte staatlichen Sponsor des Terrorismus, muss jetzt Frieden schließen.“ Am Sonntag will das Pentagon Details zum Einsatz nennen.

Was sagt Israel? 

Yoav Gallant, Israels ehemaliger Verteidigungsminister, erklärte in sozialen Medien, dass Trump eine „mutige Entscheidung für die Vereinigten Staaten, für Israel und für die gesamte Menschheit“ getroffen habe. Ähnlich äußerte sich Premierminister Benjamin Netanjahu.

Aktuelle News aus dem Nahen Osten

„Die Vereinigten Staaten“, so Netanjahu, „haben das getan, was kein anderes Land der Welt tun konnte. Die Geschichte wird zeigen, dass Präsident Trump gehandelt hat, um dem gefährlichsten Regime der Welt die gefährlichsten Waffen der Welt vorzuenthalten.“

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Gibt es Gegenangriffe des Iran?

Ein Nachrichtensprecher im iranischen Staatsfernsehen: „Herr Trump, Sie haben damit angefangen, und wir werden es beenden.“ In der Sendung wurde eine Grafik von amerikanischen Stützpunkten im Nahen Osten gezeigt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Überschrift: „In Reichweite des iranischen Feuerwerks“. Am Rande: In der Nacht des amerikanischen Angriffs befand sich der iranische Außenminister Abbas Araghchi, Hauptverhandler in den vergangenen Wochen mit den USA und Europa, in der Türkei, wo er am Sonntag auf einer Pressekonferenz auftreten will.

B-2-Stealth-Bomber spielten bei dem Einsatz die Hauptrolle.
B-2-Stealth-Bomber spielten bei dem Einsatz die Hauptrolle.© AFP | -

Am Morgen wurden Raketenangriffe des Irans auf Israel bestätigt. Es soll mehrere Verletzte geben.

Warum hat Trump genau jetzt zugeschlagen?

US-Geheimdienste kamen zu der Bewertung, dass Israels Angriffe das iranische Atomprogramm nur um ein halbes Jahr zurückgeworfen haben. Von weiteren Angriffen Israels versprach sich die amerikanische Seite dem Vernehmen nach nicht viel – darum der Einsatz von sechs Bunker brechenden Bomben allein auf Fordo, über die nur die USA verfügen.

Letzter Warnschuss: Donald Trump sieht nach den US-Angriffen immer noch Spielraum, um mit dem Iran zu verhandeln. Ob Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei das auch so sieht, ist zweifelhaft.
Letzter Warnschuss: Donald Trump sieht nach den US-Angriffen immer noch Spielraum, um mit dem Iran zu verhandeln. Ob Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei das auch so sieht, ist zweifelhaft.© AFP | ALEX WONG

Ist die wichtige Atom-Anlage Fordo komplett zerstört worden?

Laut Trump ja: „Sie ist komplett und total ausgelöscht“. Insider aus Pentagon-Kreisen berichten, dass sechs 30.000-Pfund-Bunkerbomben auf Fordo abgeworfen wurden. Erste Schadensbewertungen ließen den Schluss zu, dass die Anlage „ausgeschaltet“ worden sei. Dazu seien von U-Booten aus 30 TLAM-Marschflugkörper auf Natanz und Isfahan abgefeuert worden. Iranische Stellen widersprachen. So sei Fordo in Erwartung eines Angriffs vor langer Zeit evakuiert worden. Die Schäden sind nicht irreparabel. Tenor: „Wissen kann man nicht bombardieren.“

Hatte sich der Angriff angedeutet?

Eine Zuspitzung der Lage hatte sich seit Samstagmorgen angekündigt, als fortlaufende Berichte über den Start und den Flug von B-2-Bombern von einer US-Basis in Missouri in Richtung Guam und Diego Garcia im Indische Ozean öffentlich wurden, zwei US-Standorte, von denen aus ein Einsatz im Iran schnell bewerkstelligt werden könnte. Die B-2-Bomber waren 37 Stunden nonstop im Einsatz, sie wurden mehrfach in der Luft aufgetankt.

Was ist das Besondere der Trump-Aktion?

Der Angriff stellt eine Zäsur dar. Gegen massive innen- und außenpolitische Warnungen sind die USA zum ersten Mal unter der Verantwortung von Donald Trump aktiv in einen Krieg eingetreten. Trump hatte seit Beginn seiner ersten Präsidentschaft 2017 regelmäßig versprochen, Amerika aus „ewigen Kriegen“ im Ausland herauszuhalten. In den vergangenen Tagen hatte Trump die Welt im Unklaren gelassen, ob er intervenieren würde, wie Israels Premierminister Benjamin Netanyahu das gefordert hatte, oder nicht.

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Noch am Freitag, als in Genf europäische Vertreter mit dem Iran verhandelten, sprach Trump ausdrücklich davon, dass er eine „substanzielle” Chance für eine diplomatische Verhandlungslösung sieht. Aber: Parallel dazu hatte er seit Tagen massive Vorbereitungen für einen Militärschlag einleiten lassen. So wurden etwa mehrere Flugzeugträger-Verbände in die Region entsandt, in der rund 40.000 US-Soldaten stationiert sind. Trump hatte sich bereits einen Einsatz-Plan des Pentagon-Generals Michael Kurilla im Prinzip abgesegnet. 

Warum bedeutet der Militärschlag eine 180-Grad-Wende Trumps?

Erste Aussagen der US-Regierung deuteten darauf hin, dass Trump sich aus dem Konflikt herauszuhalten wollte. „Wir sind nicht an Angriffen gegen den Iran beteiligt, und unsere oberste Priorität ist der Schutz der amerikanischen Streitkräfte in der Region“, kommentierte Außenminister Marco Rubio die israelischen Angriffe am Freitag vor einer Woche.

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Nicht mal ein Hinweis, dass man Israel verteidigen werde, falls es Racheakte Teherans gibt, war dabei enthalten. Als Trump erfuhr, wie erfolgreich die israelischen Angriffe waren, dreht er bei. Am Dienstag ging er sogar so weit, den obersten Religions-Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, direkt zu bedrohen. Er sagte, man wisse genau, wo er sich befinde, und bezeichnete ihn als „leichtes Ziel“. „Wir werden ihn nicht ausschalten (töten!), zumindest vorerst nicht“, sagte er. Er warnte jedoch: „Unsere Geduld schwindet.“ Trump forderte mehrfach die „vollständige Kapitulation“ des Iran – sprich die Aufgabe des Atomprogramms.

Warum hatte Trump über Tage gezögert?

Seit Tagen hatte Trump seine Experten mit der Frage gelöchert, ob die Bombenangriffe die unterirdische Atomanlage in Fordo komplett neutralisieren würde. Die ersten Antworten stellten ihn offenbar nicht zufrieden.

Was passiert jetzt?

Das hängt vom Ausmaß der US-Angriffe auf den Iran ab, das noch nicht klar ist. Wenn die iranische Führung die Angriffe als auf ihre Nuklearstandorte beschränkt auffassen sollte, könnte die Reaktion zurückhaltender sein. Würden die Angriffe jedoch als umfassend angesehen, könnte die iranische Führung unter Druck geraten, mit einer umfassenden Vergeltungsmaßnahme zu antworten.

Was sagen Experten?

Die Entscheidung des Präsidenten, den Iran anzugreifen, markiert den Beginn eines unvorhersehbaren Kapitels im Nahen Osten, war der Tenor von Analysten im US-Fernsehen. Allgemein wurde erwartet, dass die politischen Führer des Iran innenpolitisch so unter Druck geraten, dass sie Gegenangriffe auf amerikanische Militärstandorte oder US-Verbündete am Golf anordnen könnten – zu groß sei die „Demütigung” durch Washington. Vergeltungsschläge wiederum können eine Eskalationsspirale in Gang setzen.

Wie reagiert die US-Innenpolitik?

House Minority Leader Hakeem Jeffries and Senate Minority Leader Chuck Schumer
Demokraten-Führer Hakeem Jeffries (re.) machte Donald Trump schwere Vorwürfe.© ddp/CQ-Roll Call | Bill Clark

Senator Lindsey Graham, Republikaner aus South Carolina und einer der lautstärksten Befürworter einer harten Linie gegenüber dem Iran im Kongress, begrüßte den Angriff und sprach in sozialen Medien von einer „richtige Entscheidung“. Das Regime in Teheran habe „es verdient.“ Auch der republikanische Mehrheitsführer im Senat stellte sich an die Seite Trumps. Ganz anders bei den Demokraten.

Hakeem Jeffries, Vorsitzender der Demokraten im Repräsentantenhaus, kritisierte das Vorgehen Trumps scharf: „Der Präsident hat das Land über seine Absichten getäuscht, keine Genehmigung des Kongresses für den Einsatz militärischer Gewalt eingeholt und riskiert, die USA in einen potenziell katastrophalen Krieg im Nahen Osten zu verwickeln.“ Jeffries forderte eine sofortige Unterrichtung des Kongresses und erklärte, der Präsident trage „die volle und uneingeschränkte Verantwortung für alle negativen Folgen, die sich aus seiner einseitigen Militäraktion ergeben“.

Senator Jack Reed, der führende Demokrat im Streitkräfteausschuss, sagte: „Das war ein großes Risiko von Präsident Trump, und noch weiß niemand, ob es sich auszahlen wird. Kriege anzufangen ist einfacher als sie zu beenden.“

Andere Stimmen von Relevanz?

Die Atomenergieorganisation Irans gab eine Erklärung heraus, in der sie bestätigte, dass die drei iranischen Atomanlagen „von den Feinden des islamischen Iran in einem gewaltsamen Akt gegen internationales Recht, einschließlich des Nichtverbreitungsvertrags, angegriffen wurden“. Die Behörde kündigte an, vor internationalen Gerichten rechtliche Schritte gegen die USA einzuleiten und das iranische Atomprogramm fortzusetzen.