Der Erfolg der streng geheimen Operation im Iran hat selbst in Israel einige überrascht: In der Nacht auf vergangenen Freitag, als Israels Militäroperation „Rising Lion“ gegen den Iran begann, schaffte es Israel, schon binnen weniger Stunden die Top-Chefs des iranischen Militärs und der Revolutionsgarden auszuschalten. Außerdem gelang es, mehrere Masterminds des iranischen Atomprogramms zu lokalisieren und zu töten und laut Militär „Dutzende Ziele“ der nuklearen Aufrüstung zu treffen.

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Es war ein großer Erfolg der Luftwaffe, die mit mehr als hundert Flugzeugen gleichzeitig an mehreren Orten angriff. Mindestens ebenso wichtig für den größten israelischen Schlag gegen den Iran war der Beitrag des Auslandsgeheimdienstes Mossad: Er hatte in jahrelanger Vorbereitung dafür gesorgt, dass die Operation glückt. Und in den Stunden des Angriffs selbst war es der Mossad, der den Piloten die Geodaten für ihre Angriffe lieferte und sie vom Boden aus unterstützte. So soll ein Teil der zentralen iranischen Figuren mit Autobomben getötet worden sein.

Israels Geheimdienst Mossad bereitete Iran-Angriff vor und schwächte die Luftabwehr

Zugleich gelang es dem Mossad, die iranische Luftabwehr mit Drohnen zu schwächen – und auf diese Weise den israelischen Piloten Handlungsfreiheit in der Luft zu geben. Der Mossad soll im Inneren des Iran eine Drohnenbasis errichtet haben – mit dem Ziel, den Iran in seiner Defensive zu schwächen. Die Kampfdrohnen wurden aber auch gegen Raketenabschuss-Stellen gerichtet, die bereit zum Abschuss von Langstreckenraketen auf israelische Städte waren.

Der Aufbau der Drohnenbasis im Iran war höchst riskant. Je länger man auf das „Go“ aus Tel Aviv wartete, desto größer war die Gefahr, dass die geheimen israelischen Pläne enthüllt würden. Die Entscheidung, dass es einen groß angelegten Präventivschlag geben wird, habe Israel bereits vor einem halben Jahr getroffen, sagt Militärexperte Yaakov Amidror. „Man wusste, dass das die letzte Gelegenheit ist“ – bevor der Iran dazu übergeht, Atomwaffen zu produzieren.

Mossad-Chef David Barnea spielte entscheidende Rolle beim Angriff auf den Iran

Dass der Angriff ausgerechnet in diesen Tagen stattfand, führen manche israelische Militärexperten auf die starke Beteiligung des Mossad zurück. Um zu verhindern, dass die Strukturen auf iranischem Territorium aufgedeckt werden, habe der Auslandsgeheimdienst Druck auf die Regierung ausgeübt, heißt es.

Mossad-Chef David Barnea (l.) im Gespräch mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu im Jahr 2023
Mossad-Chef David Barnea im Gespräch mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Archivbild).© picture alliance / ZUMAPRESS.com | Kobi Gideon/Israeli Gpo

Die zentrale Figur für den entscheidenden Schlag gegen den Iran ist David Barnea. Der Mossad-Chef hat das Los gezogen, die Geschicke des legendären israelischen Auslandsgeheimdienstes ausgerechnet in der schwersten Sicherheitskrise Israels seit Staatsgründung zu leiten. Wie er diese Aufgabe erfüllt, verlangt vielen in Israel Bewunderung ab. Keinem seiner Vorgänger ist es gelungen, so viele Erfolge gegen Israels größte Feinde zu erzielen.

Barnea verhandelte Freilassung von Geiseln aus der Hamas-Gefangenschaft

Die Ermordungen von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und Hamas-Führer Ismail Haniyeh in Teheran, die Pager-Attacken im Libanon, aber auch die indirekten Verhandlungen mit der Hamas für einen Geisel-Austausch – alles fand unter der Führung von David Barnea statt.

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#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Der 58-Jährige, der seit Juni 2021 den israelischen Auslandsgeheimdienst leitet, sieht auf den Fotos meist grimmig drein, und man kann es ihm nicht verübeln. Nach erfolgreichen Verhandlungen für die Freilassung israelischer Geiseln aus Hamas-Gewalt wurde er von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu plötzlich von der Leitung des Verhandlungsteams abgezogen. Unter seinem Nachfolger an der Spitze des Teams, dem Netanjahu-Verbündeten Ron Dermer, gab es keinen Durchbruch mehr.

Nach einem Studium in den USA ging Barnea Mitte der 1990er-Jahre zum Mossad

Dennoch weiß Netanjahu, dass er auf den hartnäckigen Mossad-Chef nicht verzichten kann. Barnea, von seinem Umfeld Dedi genannt, gilt als zielstrebig und gewissenhaft, aber nicht betriebsblind: Vor seinem Eintritt in den Mossad hatte er Karriere in der Privatwirtschaft gemacht.

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Viel zugetraut hat man ihm aber schon in jungen Jahren, zu Beginn seines Militärdienstes: Barnea wurde in die angesehene Eliteeinheit Sajeret Matkal aufgenommen. Danach ging er in die USA, um dort Management zu studieren. Erst Mitte der 1990er-Jahre, im Alter von rund 30 Jahren, begann er seinen Dienst beim Mossad. Dort stieg er in erstaunlichem Tempo auf: Bereits wenige Jahre später durfte Barnea eine Mission im Ausland leiten, die als strategisch höchst bedeutsam eingestuft wird – Details unterliegen der strengen Militärzensur.

Krieg in Nahost: Israels Mossad-Chef ist Sohn von Holocaustüberlebenden

Barnea, der neben Hebräisch und Englisch auch fließend Arabisch spricht, wurde 1965 in Südisrael in der Nähe von Aschkelon geboren, nur dreißig Autominuten von Gaza-Stadt entfernt. Als Israel im Sechs-Tage-Krieg den Gazastreifen eroberte, war er zwei Jahre alt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Barnea ist der Sohn von Holocaustüberlebenden. Sein Vater kam als Kleinkind nach Israel, seiner Familie gelang die Flucht aus Nazideutschland. In Palästina angekommen, gab sich die Familie einen hebräischen Namen: Aus Joseph Brunner wurde Yossef Barnea. Schon Yossef Barnea stellte sich in den Dienst der Armee: zuerst als Untergrundkämpfer gegen die britische Besatzung, dann als Mitglied der israelischen Luftwaffe, wo er bis zum Rang des Generalleutnants aufstieg.

Trotz allen Ruhms bleibt David Barnea stets im Hintergrund. Ganz anders als sein Mentor und Amtsvorgänger im Mossad, Jossi Cohen, dem politische Karrieregelüste nachgesagt werden, gilt Barnea als zurückhaltend und eher medienscheu. Eine Eigenschaft, die er angesichts seiner strahlenden Erfolge nun des Öfteren überwinden muss.