Das Geraune der letzten Tage über eine bevorstehende Eskalation im Nahen Osten ist Realität geworden: Israel hat am frühen Freitagmorgen Atomanlagen im Iran, wie Natanz und Parchin mit Raketen angegriffen. Premierminister Benjamin Netanjahu sprach von der „Operation aufsteigender Löwe“ und einem notwendigen Präventivschlag, um zu verhindern, dass Teheran Atomwaffen in die Hände bekommt. „Wir haben das Herz von Irans Urananreicherung getroffen“, sagte er, die Angriffe würden über mehrere Tage fortgesetzt.

Israel: Chef der Revolutionsgarden und Atomwissenschaftler offenbar bei Angriff getötet

Die Ängste vor einem umfassenden Krieg zwischen zwei der größten Militärmächte im Nahen Osten sind damit rasant gestiegen. Zumal das Ausmaß der Attacken schemenhaft erkennbar wird. Ein Detail macht laut US-Experten besondere Sorgen: Der iranische Generalstab, einschließlich des Generalstabschefs, sowie wichtige Atomwissenschaftler sind nach israelischen Angaben getötet worden. Laut iranischem Staatsfernsehen kam auch der Chef der Revolutionsgarden, Hossein Salami, ums Leben. Zudem seien auch Wohngebiete getroffen und Zivilisten getötet worden. „Das wird eine massive Antwort Teherans auslösen“, sagte ein europäischer Diplomat in Washington.

Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete den Angriff als „Präventivschlag”. Er rief in ganz Israel den Ausnahmezustand aus und warnte vor einem schnellen Vergeltungsschlag Teherans. In Jerusalem und anderen Städten heulten Sirenen. In Teheran berichteten Anwohner von mindestens fünf gewaltigen Explosionen. Laut US-Medien wurden in mehreren Teilen des Iran Dutzende Anlagen bombardiert, die mit dem Atom- und Raketenprogramm des Mullah-Regimes zu tun haben. Explosionen wurden auch aus Städten wie Isfahan und Arak gemeldet.

Auch interessant

USA befinden sich noch immer in Gesprächen mit dem Iran

Der Angriff erfolgte, während die Vereinigten Staaten weiter in Verhandlungen mit Teheran über ein Abkommen stecken, um Irans Fähigkeit zur Herstellung von Atomwaffen zu reduzieren. Ob eine für Sonntag verabredete sechste Verhandlungsrunde im Oman vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse noch stattfindet, war zunächst unklar. US-Außenminister Marco Rubio stellte wenige Minuten nach den ersten Medienberichten klar, dass es sich um einen israelischen Alleingang gehandelt haben und die USA militärisch nicht involviert gewesen seien. Darum seine Warnung an Teheran: „Lassen Sie es mich klar sagen: Der Iran sollte keine US-Ziele oder Personal angreifen.“

Auch interessant

US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Tagen mehrfach von einer größer werdenden Wahrscheinlichkeit eines israelischen Angriffs gesprochen. Hintergrund sind die stockenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über das Atomprogramm.

206807_1325_206807_cover.jpg
#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Trump hatte am Donnerstagnachmittag dafür gesorgt, dass via Medien klar wurde: Israel handelt auf eigene Rechnung, die USA würden sich nicht direkt an einem Angriff beteiligen, so berichtete es das Magazin Axios unter Berufung auf Regierungskreise.

Trump stellte klar, er wollte keinen Angriff Israels

Trump hatte parallel dazu erklärt, dass er keinen Angriff Israels wünsche, da dies die Chance auf eine diplomatische Lösung zunichtemachen würde. Vor zwei Wochen sagte Trump, er habe Netanjahu davor gewarnt, einen Angriff zu starten, während die Vereinigten Staaten mit dem Iran verhandeln. Ob der US-Präsident, der laut US-Medien vorab von Israel informiert wurde, auf Netanjahu in letzter Minute eingewirkt hat, ist unbekannt. Der Premierminister sprach in der Nacht von einem „entscheidenden Moment in der israelischen Geschichte“.

Auch interessant

Der Angriff kam für US-Sicherheitsexperten nicht überraschend. Die israelische Regierung hatte bei ihren Angriffen auf den Iran in 2024 das iranische Luftabwehrsystem beschädigt und seit Monaten geplant, die Schwäche Teherans für weitere Angriffe auszunutzen.

USA zogen Diplomaten aus dem Irak ab

In Erwartung einer Eskalation in der Region zogen die USA bereits am Mittwoch ihre Diplomaten aus dem Irak ab und genehmigte die freiwillige Ausreise von Familienangehörigen von US-Soldaten, die an anderen Orten im Nahen Osten stationiert sind.

Auch interessant

Der jetzt erfolgte Angriff gehörte zu massivsten Schritten in einem jahrzehntelangen Konflikt zwischen Israel und dem Iran, der bis 2024 meist durch verdeckte und nicht erklärte Operationen ausgetragen wurde.

Iran finanziert Milizen im Kampf gegen Israel

Der Iran finanziert seit lange Zeit regionale Milizen, die sich gegen die Existenz Israels stellen, und führt heimliche Angriffe auf israelische Infrastruktur und Interessen durch. Israel, das als einzige Nation im Nahen Osten über Atomwaffen verfügt, sieht im iranischen Atomprogramm eine existenzielle Bedrohung und führt seit langem eigene verdeckte Angriffe auf das iranische Atomprogramm, Wissenschaftler und andere Infrastrukturen durch.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der Schattenkrieg trat offen zutage, nachdem die von Iran unterstützte Terror-Gruppe Hamas, die seit langem den Gazastreifen kontrolliert, Israel angegriffen hatte. Dies führte sowohl zum Krieg in Gaza als auch zu einer umfassenderen regionalen Konfrontation zwischen Israel und dem Iran und seinen Stellvertretern, darunter die Hisbollah im Libanon, bewaffnete Gruppen im Irak und die Houthi-Rebellen im Jemen.

Der israelische Angriff auf eine vom Iran kontrollierte Anlage in Syrien im April 2024 veranlasste Teheran, eine riesige Salve Raketen auf Israel abzufeuern. Der Iran startete einen ähnlichen Angriff im vergangenen Herbst, nachdem Israel den Hamas-Führer Ismail Haniyeh während seines Besuchs im Iran im vergangenen Sommer ermordet und anschließend Hassan Nasrallah, den Führer der Hisbollah, getötet hatte.