Als Donald Trump nach seiner überraschenden Hals-über-Kopf-Abreise vom G7-Gipfel in Kanada in der Nacht wieder in Washington gelandet war, stand im „Situation Room“ des Weißen Hauses auf seine Anweisung hin der Nationale Sicherheitsrat mit den Spitzen von Militär und Geheimdiensten bereits Spalier. Die genauen Hintergründe blieben über Stunden diffus. Nur dass es mit einer Zuspitzung in dem schleichend eskalierenden Krieg zwischen Israel und Iran zusammenhing, das war offensichtlich. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Trump selber hatte die Dramatik bereits am Nachmittag schrittweise eingeläutet, als er wie aus heiterem Himmel über sein Kommunikationsportal „Truth Social“ die Bewohner der iranischen Hauptstadt Teheran ohne nähere Begründung zur sofortigen Evakuierung aufrief. 

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#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

„Jeder sollte Teheran sofort verlassen“, schrieb Trump an die Adresse einer Metropole, in deren Großraum gut 16 Millionen Menschen leben. Und aus der seit zwei Tagen Tausende im Auto zu fliehen versuchten. Wozu der Alarmismus?

„Jeder sollte Teheran sofort verlassen”

Wenig später kündigte seine Sprecherin an, dass der Präsident direkt nach dem Abendessen den Kreis der Staats- und Regierungschefs verlassen und zurück nach Washington fliegen wird. Begründung, so Karoline Leavitt: „Die Ereignisse im Nahen Osten.“ Keine Details. Spekulationen am laufenden Meter. 

Iranian Supreme Leader Ali Khamenei
Steht mit dem Rücken zur Wand: Ajatollah Ali Khamenei, oberster Religionsführer im Iran.© Polaris/laif | Polaris/laif

Zusätzliches Gewicht erhielt die Lage durch den Umstand, dass auch Außenminister Marco Rubio, der in Personalunion Nationaler Sicherheitsberater ist, seinen Minikoffer in Kananaskis packen musste.

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US-Medien spielen verschiedene Szenarien durch

Droht ein massiver israelischer Militärschlag gegen den Iran oder gegen die wichtige unterirdische Atomanlage Fordo, die bislang von den seit Freitag laufenden Angriffen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde? Und geben die Amerikaner gegen alle bisherigen Beteuerungen Trumps doch Flankenschutz? Etwa durch eine Bunker brechende Bombe, die mit einem B-2-Bomber abgeworfen werden muss? Beides können nur die Amerikaner. Tenor: eher nicht.

Ein Grund: Für einen Kriegseinsatz benötigt der Präsident die Zustimmung des Kongresses, wo die Mehrheit für ein neues militärisches Abenteuer nach jetzigem Stand nicht vorhanden ist. Das Pentagon bestätigte zudem, dass die US-Streitkräfte nicht von ihrer „defensiven Haltung“ abweichen würden.

Aktuelle News aus dem Nahen Osten

Oder ist alles ganz anders? Deutet sich eine Last-Minute-Verhandlungsrunde mit dem Mullah-Regime an, auf die Trump seit Tagen massiv drängt – „bevor es zu spät ist“ – und zu der die Iraner nach Angaben von Emissären im Nahen Osten bereit seien; unter der Voraussetzung, dass sich Washington nicht militärisch aktiv an der Seite Israels ins Geschehen einmischt?

Die Mullahs über Alarmschlagen an den Verhandlungstisch bringen

Wie zu hören war, sollen Oman und Saudi-Arabien gebeten worden sein, Trump dazu zu überreden, Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zu einem unverzüglichen Waffenstillstand zu bewegen. Im Gegenzug sei Teheran bereit, beim Atomprogramm US-Forderungen nachzukommen.

Tenor der Analysten: schon eher wahrscheinlich. Es könne sein, dass Israel den Präsidenten über zusätzliche Angriffsziele im Iran informiert hat und dieser nun versuche, über lautes Alarmschlagen die Mullahs doch noch an den Verhandlungstisch zu bekommen.

Netanjahu drohte mit der Ermordung des obersten Führers des Iran

Trump hatte mehrfach betont, er sei verhandlungsbereit – am besten im persönlichen Gespräch. Ist eine iranische Delegation auf dem Weg nach Washington? Oder schickt Trump seine Verhandler um Steve Witkoff in den Nahen Osten?

Wie dem auch sei: Die Zeit drängt. Israel, militärisch überlegen, beschoss am Montag das Hauptquartier der Eliteeinheit Quds Force und einen Fernsehsender. Zudem spielte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu weiter mit dem Extrem-Akt, den obersten Führer des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, zu töten.

Beide Seiten melden wachsende Opferzahlen

Der Iran antwortete bis in die Nacht mit ballistischen Raketen. Beide Seiten melden wachsende Opferzahlen. Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden bei israelischen Angriffen bisher mindestens 224 Menschen getötet und mehr als 1400 verletzt. In Israel gab die Regierung mindestens 24 Tote und etwa 600 Verletzte bekannt.

Mit seinem Allein- und Abgang stieß Trump die anderen Gipfelteilnehmer vor den Kopf. Japaner, Franzosen, Engländer, Italiener und Deutsche hatten bis dahin verlautbart, dass der notorisch launische US-Amerikaner „kooperativ“ aufgetreten sei und versprochen habe, das gesamte Gipfelpensum zu absolvieren. 

G7 summit
Beim Familienfoto des G7-Gipfels in Kanada suchte Trump nach Verständnis für seine vorzeitige Abreise.© AFP | Michael Kappeler

Beim traditionellen „Familienfoto“ vor imposanter Berg-Kulisse stellte sich Trump mit den anderen Staats- und Regierungschefs vor die TV-Kameras und sagte zwischen den Zeilen, er habe keinen Affront gewollt. Als Signal an die anderen stimmte Trump anders als vorher angedeutet doch noch einer Gipfel-Erklärung zu, in der Israels Recht auf Selbstverteidigung und die Forderung festgeschrieben wurde, dass der Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen kommen dürfe.

Trump: Sehr viel erreicht

Trump lobte den kollegialen Umgang. Man habe sehr viel erreicht. Gemeint war damit etwa eine Verständigung mit Gastgeber Kanada über die Aufnahme von Verhandlungen für ein neues Wirtschafts- und Sicherheitsabkommen, das den Zollstreit der beiden Länder ersetzen soll. Er wünsche sich, er könne länger bleiben, sagte Trump, aber die Kollegen hätten Verständnis dafür, dass er zügig abreisen müsse.

„Das ist eine große Sache“, sagte Trump, ohne zu sagen, was genau die große Sache ist.