Gruppenreisen mit einem austherapierten Rüpel können furchtbar anstrengend sein. So gesehen, hat Mark Carney schon vor dem ersten Foto der G7-Familie in Kananaskis stillschweigend das Mitleid der übrigen fünf Führer großer Industrie-Nationen sicher, die ab Sonntag vor imposanter Bergkulisse am Fuße der Rocky Mountains zu ihrem traditionellen Ballyhoo zusammenkommen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der sechste Teilnehmer, Donald Trump, ist die „wild card” der Veranstaltung, die von Ukraine/Russland und Gaza über Weltwirtschaft und Digitalisierung bis hin zu Klimaschutz (und aktuell Israel/Iran) die großen Themen wälzen soll. Amerikas Präsident hat binnen 150 Tagen seiner Regentschaft schon so gut wie jeden seiner Kollegen, vom Franzosen Macron bis zum Japaner Ishiba, vor den Kopf gestoßen.
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Aber niemand hat es so dick abbekommen wie Carney. Der frühere Notenbanker, der seine Wahl zum Nachfolger von Justin Trudeau de facto Trump verdankt, musste über Wochen eine Selbstverständlichkeit klarstellen: dass Kanada niemals zum Verkauf steht. Dass es niemals seine Souveränität aufgibt. Und dass es sich darum niemals, wie Trump lange Zeit schwadronierte, als 51. Mitglied in die Vereinigten Staaten von Amerika eingemeinden lässt.

Selbst als der Liberale dies bei seiner Antrittsvisite im Weißen Haus bestimmt, aber höflich zum Ausdruck brachte, gab der republikanische Autokrat nicht klein bei und murmelte etwas von: „Sag niemals nie.” Später wiederholte er die Mär, dass die USA Kanada mit 200 Milliarden Dollar im Jahr subventionierten und via Nato zusätzlich noch kostenlosen militärischen Schutz böten. Sein Credo: Die USA brauchen nichts von Kanada. Die Kanadier aber bräuchten alles von den USA.
G7-Gipfel: Macht Donald Trump ein vergiftetes Angebot?
Was, wenn Donald Trump, der innen- wie außenpolitisch immer unberechenbarer auftritt, dem Gastgeber der erlauchten Runde erneut ein vergiftetes Angebot macht oder sogar mit feindlicher Übernahme droht?

In Kanadas Hauptstadt Ottawa gibt man sich betont gelassen. Dahinter aber lauert Nervosität. Als das formal zum britischen Commonwealth gehörende Land vor sieben Jahren zuletzt den Gipfel ausrichtete, damals in Quebec, kam es zwischen dem damaligen Premierminister Justin Trudeau und Trump aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Stahl- und Aluminiumzölle zum Eklat. Trump weigerte sich, das übliche Gipfel-Communique zu unterzeichnen.
Dazu wird es diesmal nicht kommen. Weil es nicht zu unterzeichnen gibt. Carney hat verfügt, dass es kein Abschlussdokument geben wird. Eine Baustelle weniger. Aber es lauern noch mehr. Carney hat mit Claudia Sheinbaum (Mexiko), Anthony Albanese (Australien), Cyril Ramaphosa (Südafrika) und Wolodymyr Selenskyj (Ukraine) außer der Reihe Staatschefs eingeladen, mit denen Trump gerade extrem angespannte Beziehungen pflegt.
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Wie Trump darauf reagieren wird, sollte er im kleinen Kreise auf seine Pro-Putin-Passivität angesprochen werden oder auf die massive Disruption des Welthandels durch Strafzölle, ist die Eine-Million-Dollar-Frage. „Nicht provozieren, aber auch nicht zu Kreuze kriechen”, so beschreibt ein kanadischer Diplomat die Devise der Gipfel-Regie und erinnert an einen Schlüsselsatz des neuen Premiers: „Wir sehen die Gefahr einer übermäßigen Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten“, hatte Carney in einem Interview gesagt und damit die jahrzehntelange enge Integration zwischen den beiden Ländern de facto beerdigt.
„Nicht provozieren, aber auch nicht zu Kreuze kriechen”
Aus Trump-Zirkeln ist zu hören, dass der Präsident am kommenden Mittwoch gerne mit einem bilateralen Wirtschafts- und Sicherheitsabkommen mit Kanada nach in Washington zurückkehren möchte. Carney steht innenpolitisch unter Druck, von den hohen US-Strafzöllen auf Stahl, Aluminium und Autos herunterzukommen. Ob eine Lösung gelingt, ist offen.
Vieles werde vom Zufall und von der Atmosphäre abhängen. Störfeuer von außen, auf die Trump immer sehr sensibel reagiert, wird es nicht geben. Der Schauplatz, die abgelegene „Pomeroy Moutain Lodge”, ist in einem Radius von über 20 Kilometern komplett abgeriegelt. Hunderte Soldaten und Polizisten bewachen das Areal, zu dem Demonstranten nicht vordringen können. Für sie, wie für rund 1400 Berichterstatter aus aller Welt, sind in Calgary (100 Kilometer entfernt) und Banff (80 Kilometer) Protestzonen wie Pressezentren mit TV-Geräten ausgewiesen, auf denen abgezirkelte Bilder aus Kananaskis erscheinen werden.

All das ändert nichts daran, dass mit Trump eine in Kanada derzeit herzlich unerwünschte, manche sagen aufrichtig gehasste, Person aufkreuzt, die mit ihren Attacken den Nationalstolz der Nation unterm Ahornblatt noch weiter gefestigt hat. Wer könnte die Stimmung lockern, die Verhärtungen aufweichen?
Man kommt da an Darren Robinson nicht vorbei. Der Manager des Golf-Klubs von Kananaskis, der in der Sicherheitszone des Gipfel-Hotels liegt, kennt sich aus mit der entspannenden Wirkung seines Sports. 2002, als an Ort und Stelle der G8-Gipfel stattfand (damals war Russland noch Teil des Klubs), sorgte Robinson mit salopp-burschikoser Art dafür, dass damalige Golf-affine Protagonisten – neben dem Kanadier Chretien der Spanier Aznar und der Amerikaner Bush – zwischendurch auf ihre Kosten kamen. Vielleicht gelingt es diesmal, den leidenschaftlichen Golfer Trump auf den Rasen zu bekommen. Dann könnte der US-Präsident etwaigen Frust aus den Gesprächen mit latent feindseligen Kollegen einfach einlochen.











