Zehn Stunden bis zur ersten Stellungnahme nach den massiven Bombenangriffen Israels auf den Erzfeind Iran: Die auffällige Sprachlosigkeit Donald Trumps kurz nach den Militärschlägen geht nicht nur darauf zurück, dass sich der US-Präsident von seinem israelischen Gegenüber Benjamin Netanjahu düpiert fühlen musste.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wochenlang hatte der Amerikaner auf den Israeli eingeredet, die Waffen bitte schweigen zu lassen, bis das Ergebnis zuletzt ins Stocken geratener US-Verhandlungen mit Teheran über eine friedliche Einhegung des Atomprogramms der Mullahs vorliegt. Netanjahu wollte nicht darauf warten, der Rest ist bekannt.

Trump mogelte sich an die Spitze der Bewegung
Trump blieb am Freitag nichts anderes übrig, als das zu tun, was er immer tut in solchen Situationen: Er mogelte sich an die Spitze der Bewegung, manchen wurde bei so viel Spin schwindelig. Denn plötzlich sah Trump für einen Last-Minute-Deal mit dem Iran („bevor es noch brutaler wird”) optimale Voraussetzungen. Sie seien sozusagen von Israel herbeigebombt worden. Wie bitte?

Ganz abgesehen davon, dass er damit bisher so gut wie niemanden überzeugt hat: Donald Trump sitzt ab sofort höchst unkomfortabel zwischen zwei Stühlen in seiner eigenen Partei. Links stehen die weitgehend mit der Maga-Prominenz identischen Isolationisten, die mit „America First” ins Bett gehen und morgens aufstehen.
Befürchtungen, Israel könnte die USA in den Krieg hineinziehen
Sie befürchten, dass Israel, wenn es weiter mit US-Waffen und Logistik unterstützt wird, die Vereinigten Staaten früher oder später in einen großen Krieg im Nahen Osten hineinziehen wird. Nach Afghanistan und Irak für viele Konservative ein absoluter Alptraum. Darum verlangen sie von ihrem Commander-in-Chief strikte militärische Enthaltsamkeit. Vulgo: Er soll sich raushalten.
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Protagonisten dieser Denkschule sind allesamt einflussreiche Rechtsaußen-Influencer. Angefangen von Steve Bannon und seiner Bunker-Mentalität über Charlie Kirk bis zu Jack Posobiec. Ihr Credo am Freitag: Ein Krieg gegen den Iran an der Seite Israels könne niemals im Interesse Amerikas sein und laufe der „America First”-Doktrin Trumps zuwider, die ihn schließlich ins Amt gespült habe.
Darunter verstehen diese Hardcore-Trumpianer, dass die USA in ausländischen Konflikten nur noch dann in Erscheinung treten sollen, wenn unmittelbar amerikanische Interessen betroffen sind.
400.000 Stimmen gegen Israel
Charlie Kirk, Mitbegründer der Organisation „Turning Point USA”, stellte seinen fünf Millionen Anhängern auf dem Portal X die Frage, ob Amerika „sich in den Krieg Israels gegen den Iran einmischen“ sollte. Bis Freitagabend lagen über 400.000 Stimmen vor – überwältigende Mehrheit: Nein. Jack Posobiec, ein rechter Aktivist, warnte öffentlich gar, dass „ein direkter Angriff auf den Iran (durch die USA) die Trump-Koalition katastrophal spalten würde“.

Darum fordert der mächtige publizistische Alleinunterhalter Tucker Carlson, der Trump lange die Steigbügel gehalten hat, rigoros: „Lasst Israel fallen. Lasst sie ihre eigenen Kriege führen.“
„Lasst Israel fallen. Lasst sie ihre eigenen Kriege führen“
Rechts stehen dagegen die einschlägigen, meist älteren Hardliner und Israel-Freunde, die seit Jahren genau das fordern, was Netanjahu jetzt begonnen hat: Bomben werfen. Stellvertretend für viele sagte der Trump-Getreue Lindsey Graham, Senator aus South Carolina: „Die Zahl der Republikaner, die einen atomar bewaffneten Iran nicht als Bedrohung für Israel und die Welt sehen, ist äußerst gering. Die überwältigende Mehrheit der Republikaner unterstützt Israels Einsatz militärischer Gewalt, um die iranische Atomgefahr zu neutralisieren.“
Welche Seite wird Trump einnehmen?
Auf welcher Seite sich Trump einfinden wird, noch laviert er, wird nach Ansicht vieler Republikaner nennenswert über sein politisches Schicksal mitentscheiden.
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Nur ein Indiz: Nach den Terror-Anschlägen der Hamas am 7. Oktober versprach Trumps Vorgänger, Joe Biden, Israel „felsenfeste und unerschütterliche Unterstützung“. Ein Satz, der Donald Trump heute so nicht über die Lippen kommen würde.
Trump steht vor einer schwierigen Perspektive
Er steht vor einer schwierigen Perspektive: Können die USA vermeiden, in den nächsten Wochen tiefer in den Konflikt hineingezogen zu werden (auch dann, wenn die Vergeltungsschläge des Iran massiv werden sollten), werden die Bannon und Kirks dieser Welt frohlocken.
Mischt sich Trump stärker ein, indem er etwa wochenlange israelische Attacken gutheißt oder falls der Iran doch US-Militäreinrichtungen im Nahen Osten angreifen sollte und damit zur Zielscheibe würde, kommen die „Falken” zu ihrem Recht. Klar ist: Es kann nur einer gewinnen. Der Verlierer wird Donald Trump dafür verantwortlich machen.





