Die gegenseitigen Drohungen werden schärfer, die USA bringen Diplomaten in Sicherheit, die internationale Schifffahrt ist alarmiert: Im Nahen Osten wächst die Furcht vor einem großen Krieg mit dem Iran – ausgelöst durch einen möglichen Angriff Israels. Warum die Lage eskalieren kann und wie sich Israel, der Iran und die USA vorbereiten.

News aus den USA

Nahost-Konflikt: Welche Warnzeichen für den Krieg gibt es jetzt?

„Ein militärisches Szenario rückt immer näher“, sagte ein Experte im US-Außenministerium dieser Redaktion. Die US-Regierung zieht kurzfristig nicht unbedingt erforderliches Personal aus der Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad ab, ebenso wie etliche Familienangehörige von Militärs aus mehreren US-Stützpunkten am Golf. US-Präsident Donald Trump sagte in Washington: „Sie werden rausgebracht. Es könnte ein sehr gefährlicher Ort werden.“ Und weiter: „Wir werden sehen, was passiert. Der Iran darf keine Atomwaffe haben. Wir werden das nicht erlauben.“

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Friedrich Trump
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Irans Verteidigungsminister Asis Nasirsadeh drohte den USA im Falle einer militärischen Eskalation mit Konsequenzen. Die britische Regierung warnt vor „erhöhten Spannungen“ im Nahen Osten, „die zu einer Eskalation der militärischen Aktivitäten führen könnten“. Reedern wurde empfohlen, den Arabischen Golf, den Golf von Oman und die Straße von Hormus „mit Vorsicht zu passieren“.

Plant Israel wirklich einen Angriff auf den Iran?

In Washingtoner Geheimdienstkreisen wächst die Sorge, dass Israel kurzfristig auf eigene Faust Raketen-Angriffe auf die teils unterirdischen Anlagen durchführen könnte, in denen der Iran das Uran anreichert, das zur Herstellung von nuklearen Sprengköpfen benötigt wird. Bislang hat Trump Israels Regierung von einem solchen Angriff abhalten können. Die Vorbereitungen sind aber weit gediehen. Israel hat mögliche Militärschläge mit Kampfjets und Raketen immer wieder durchgespielt und trainiert. Premier Benjamin Netanjahu soll mehrmals kurz davor gewesen sein, den Angriff zu starten, auch gegen den Willen Washingtons. Die israelische Luftwaffe trainierte sogar schon bei einem Manöver auf der Insel Kreta die Zerstörung des Atomforschungszentrums Natanz im Iran.

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Dieses Satelliten-Foto von Planet Labs PBC zeigt den Bau neuer Untergrundlabore für das iranische Atomprogramm in der Nähe von Natanz. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Planet Labs Pbc

Der israelische Geheimdienst ist tief eingedrungen in das Nuklearprogramm Teherans, Spezialeinheiten waren immer wieder im Iran unterwegs, zuletzt hat die israelische Luftwaffe getestet, wie sich die Luftabwehrsysteme in der Nähe der Atomanlagen ausschalten lassen. Allerdings: Der Iran hat sensible Teile des Atomprogramms sicherheitshalber in unterirdische Bunker wie in Fordo oder in Natanz verlegt. Für deren Zerstörung könnte Israel auf bunkerbrechende Spezialbomben der US-Streitkräfte angewiesen sein, die sich bis zu 60 Meter in den Fels bohren.

Nahost-Konflikt: Sind die Atomverhandlungen gescheitert?

Noch nicht. Die USA und Iran wollen ihre Gespräche am Sonntag in der omanischen Hauptstadt Muskat fortsetzen. Aber es sieht nicht gut aus. Eine am Donnerstag beschlossene Resolution der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien stell formell fest, dass Teheran gegen seine Verpflichtung verstoßen hat, sein gesamtes Atomprogramm offenzulegen. IAEA-Inspektoren haben in Einrichtungen abseits der bekannten Atomanlagen Spuren von Uran und andere Hinweise gefunden, für die der Iran keine glaubwürdigen Erklärungen geliefert habe.

IAEA-Chef Rafael Grossi erklärt, seine Behörde könne nicht garantieren, dass das iranische Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Die Resolution, die von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA initiiert wurde, erhöht den Druck auf Teheran. Doch der Iran nennt die Resolution einen strategischen Fehler und hat mit einer Eskalation seines Atomprogramms gedroht.

Warum droht Trump jetzt dem Iran?

Trump hatte eine Frist von zwei Monaten für einen Deal mit dem Iran gesetzt, die in dieser Woche abläuft. Aber von einer Einigung keine Spur. Die US-Seite beklagt, dass Teheran bisher nicht verbindlich auf ein Angebot reagiert habe, das – anders als zunächst angedacht – die vollständige Einstellung des iranischen Atomprogramms vorsieht. Trump nennt die Verhandlungsposition des Iran „inakzeptabel“. „Ich bin viel weniger zuversichtlich, dass ein Abkommen zustande kommt“, sagt der Präsident. Der Oberkommandierende der US-Armee für den Nahen Osten, General Michael Kurilla, erklärte, er habe den Präsidenten mit einer „ganzen Reihe von Optionen versorgt”.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereitet seit langem einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm vor.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereitet seit langem einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm vor.© AFP | MENAHEM KAHANA

Die USA seien in der Lage, mit „überwältigender Kraft“ gegen den Iran vorzugehen, sollten die Atomverhandlungen scheitern. Trump hat die rote Linie klar definiert: Der Iran dürfe „niemals“ eine Atombombe haben. Er droht dem Mullah-Regime mit „einer Bombardierung, die die Welt so noch nie gesehen hat“, sollte es sein Nuklearprogramm nicht drastisch beschränken. Vorkehrungen für einen Militärschlag sind bereits getroffen: Ein zweiter US-Flugzeugträger wurde in die Region entsandt. Auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean sind B-2-Tarnkappenbomber, B-52-Langstreckenbomber und C-17-Transportmaschinen stationiert. Der US-Flugzeugträger Carl Vinson befindet sich seit mehreren Wochen in der Nähe. An Bord des Schiffs befinden sich mehr als 60 Flugzeuge, darunter moderne Tarnkappenjäger vom Typ F-35.

Wie könnte der Iran im Nahen Osten zurückschlagen?

Das iranische Atomprogramm hat seit Trumps Ausstieg aus dem Abkommen von 2015 dramatische Fortschritte gemacht. Analysten gehen davon aus, dass der Iran nun kurz davor steht, genügend Nuklearmaterial zumindest für vier bis sechs Atombomben produzieren zu können – in wenigen Monaten, wenn Teheran sich dazu entschließen sollte. Die Bomben wären nach Schätzungen westlicher Militärexperten in spätestens einem Jahr einsatzbereit. Teheran gibt sich verhandlungsbereit, weil es endlich die Sanktionen loswerden will, die Trump vor sieben Jahren verhängte. Doch einen kompletten Stopp des offiziell rein zivilen Atomprogramms lehnt das Regime ab. Verteidigungsminister Asis Nasirsadeh droht den USA im Falle einer militärischen Eskalation mit Konsequenzen. Der Iran werde ohne Rücksichtnahme all ihre Stützpunkte in der Region – etwa am Persischen Golf, in Bahrain und Katar – ins Visier nehmen, warnte er.

In Teheran hieß es, Militär- und Regierungsvertreter hätten sich bereits getroffen, um die Reaktion auf einen möglichen israelischen Angriff zu besprechen. Ein hoher Regierungsbeamter sagte, Teheran habe einen Plan ausgearbeitet, der einen sofortigen Gegenschlag mit Hunderten ballistischen Raketen auf Israel vorsehe.