Kann der Atomstreit doch noch deeskaliert werden – oder droht eine große Konfrontation im Nahen Osten? An diesem Samstag treffen sich Amerikaner und Iraner erneut zu Gesprächen, dieses Mal in Rom. Ein Überblick über fünf mögliche Szenarien.
Die brisante Ausgangslage:
US-Präsident Donald Trump hat die rote Linie definiert: Der Iran dürfe „niemals“ eine Atombombe haben. Er drohte dem Mullah-Regime mit „einer Bombardierung, die die Welt so noch nie gesehen hat“, sollte es sein Nuklearprogramm nicht drastisch beschränken. Die iranische Führung hatte immer wieder angekündigt, Israel vernichten und die amerikanischen Truppen aus ihren Militärbasen im Nahen Osten vertreiben zu wollen.
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Nachdem Trump 2018 das Atomabkommen von 2015 gekündigt hatte, stieg auch der Iran aus und reicherte den Kernwaffenbaustoff Uran sukzessive an. Laut Internationaler Atomenergiebehörde (IAEA) besitzt das Land heute rund 275 Kilogramm Uran, das auf 60 Prozent angereichert ist. Für eine Nuklearwaffe muss das Metall auf 90 Prozent angereichert werden, was nach Einschätzung von Experten in wenigen Wochen technisch möglich wäre. „Die Iraner haben genug spaltbares Material, um sechs Atombomben zu bauen“, sagte Ali Fathollah-Nejad, Direktor der Berliner Denkfabrik Center for Middle East and Global Order, unserer Redaktion.
Szenario 1: Neues Atomabkommen – aber härter als das von 2015
Ein neuer Nuklearvertrag wäre die Minimallösung im Atomstreit. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff hatte sich zunächst für eine Übereinkunft ausgesprochen, die dem alten Nuklearabkommen von 2015 ähnelte. Damals hatte sich das Mullah-Regime verpflichtet, sein Atomprogramm gegen die Lockerung von Sanktionen zu begrenzen. Dem Iran wurde erlaubt, Uran um maximal 3,67 Prozent anzureichern. Damit ist Stromerzeugung durch Kernkraft möglich, jedoch kein Nuklearwaffenbau.
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Auch Witkoff hatte zuerst eine Urananreicherung bis 3,67 Prozent ins Spiel gebracht. Kurz darauf machte er einen Schwenk. Nun pocht er darauf, dass Teheran die Urananreicherung komplett einstellt. Damit folgt Witkoff den Iran-Hardlinern im inneren Zirkel um Trump. Einen vollständigen Abbau seiner Anlagen hat Teheran ausgeschlossen. Die Iraner bieten vermutlich eine Reduzierung ihrer Uranmengen und eine Ausweitung der Kontrollen an. Für Israel ginge ein derartiger Vorschlag nicht weit genug.
Szenario 2: Zerstörung der iranischen Nuklearanlagen unter US-Aufsicht
Israels Premier Benjamin Netanjahu verlangt eine Radikallösung. Er will ein Atomabkommen nur akzeptieren, wenn die Vertragsunterzeichner in die Nuklearanlagen „hineingehen, sie sprengen und die gesamte Ausrüstung unter amerikanischer Aufsicht und Ausführung demontieren“. Falls sich die Verhandlungen in die Länge zögen, sei ein militärisches Vorgehen „unvermeidlich“, so Netanjahu. Trump flankiert Netanjahus Drohkulisse: „Wenn es das Militär erfordert, werden wir das Militär einsetzen.“ Der US-Präsident will jedoch mit seiner scharfen Rhetorik derzeit nur Druck aufbauen, um den Iranern einen wasserdichten Vertrag abzuringen, der ihnen die Kapazität zum Bau einer Atombombe nimmt.

Szenario 3: XXL-Abkommen über Atom, Raketen und Terrorgruppen
Das iranische Nuklearprogramm dürfte nur ein Einstieg in die Verhandlungen sein. Darüber hinaus wollen die Amerikaner, dass der Iran die Reichweite seiner Raketen begrenzt und seine Unterstützung für regionale Verbündete wie die Hisbollah im Libanon oder die Huthis im Jemen kappt. Für Irans Führung wäre diese XXL-Lösung ein schwer zu ertragender Gesichtsverlust. Sie würde eine derart bittere Pille vermutlich nur schlucken, wenn sie das Gefühl hätte, dass andernfalls das Überleben des Regimes in Gefahr wäre.
Szenario 4: Israelischer Militärangriff auf iranische Nuklearstätten
Netanjahu betrachtet einen Militärschlag auf iranische Atomanlagen als historische Chance, sollte das Mullah-Regime nicht klein beigeben. Dessen Allianzpartner sind stark dezimiert, die Wirtschaft ist in einem desolaten Zustand. Netanjahu will die Gelegenheit nutzen, um den Iran als Bedrohung für sein Land auszuschalten. Er hofft, dass durch eine Schwächung der Machthaber der Widerstand der Bevölkerung befeuert und ein Regime-Wechsel herbeigeführt wird.

Allerdings kann sich Netanjahu derzeit nicht auf militärische Rückendeckung durch Trump verlassen. Der Chef des Weißen Hauses habe kürzlich israelische Pläne für gemeinsame Attacken auf iranische Nuklearstätten im Mai abgelehnt, schreibt die „New York Times“. Die Skeptiker in Trumps Team hätten vor einer Ausweitung des Konflikts mit dem Iran gewarnt. Ohne US-Hilfe wären israelische Angriffe jedoch weniger effektiv. Ob Netanjahu allein vorprescht, ist eine offene Frage.
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Szenario 5: Krieg zwischen dem Iran, Israel und Amerika:
Für Trump hat ein hartes Atomabkommen mit dem Iran derzeit absolute Priorität. Doch in zwei Fällen ist eine amerikanische Beteiligung an Militärschlägen denkbar: falls das Mullah-Regime die Kernwaffen-Option nicht nachweislich ausschließt. Oder falls Teheran Israel attackiert. Washington hat bereits Vorkehrungen getroffen: Ein zweiter US-Flugzeugträger wurde in die Region entsandt. Auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean sind B-2-Tarnkappenbomber, B-52-Langstreckenbomber und C-17-Transportmaschinen stationiert.
Das iranische Militär hat bereits angedroht, dass eine Vielzahl seiner Raketen in unterirdischen Lagern gefechtsbereit sei. Eine Gegenattacke Irans auf Israel oder US-Basen in der Region ist nicht auszuschließen. Aber sie wäre äußerst riskant und würde zu vernichtenden Gegenschlägen Israels und Amerikas führen.






