Deutschland will die Ukraine bei der Beschaffung weitreichender Waffensysteme unterstützen. Die Entscheidung, die Bundeskanzler Friedrich Merz beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verkündete, ist eine gute und zielführende für das von Russland überfallene Land. Die Friedensverhandlungen stocken. Kremlherrscher Putin will sich trotz US-amerikanischen Drucks nicht auf eine Waffenruhe einlassen und rückt nicht von seinen militärischen Minimalzielen ab.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die russische Sommeroffensive hat bereits begonnen, die Streitkräfte Moskaus rücken auf die letzten größeren Städte unter ukrainischer Kontrolle in der Region Donezk vor. Im Norden sammeln sich russische Truppen an der Grenze zur ukrainischen Region Sumy. Der personellen und materiellen Überlegenheit der russischen Streitkräfte können die Ukrainer nur taktische Finesse und militärtechnische Innovationen entgegensetzen.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Deutschland will jetzt die ukrainische Rüstungsproduktion unterstützen. Das ist längst überfällig. Bereits im vergangenen Jahr sagte der damalige ukrainische Rüstungsminister Oleksandr Kamyshin im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir brauchen nur Treibstoff, die Maschine bringen wir selbst zum Laufen.“

Die Ukraine braucht Geld

Im vierten Kriegsjahr hat die Ukraine ihre eigene Rüstungsindustrie hochgefahren und ist in der Lage, weitreichende, präzise und effektive Waffensysteme herzustellen. Ukrainische Drohnen des Typs UAC FP-1 oder „Ljutyj“ haben Reichweiten von über 1500 Kilometern, mit dem Marschflugkörper R-360 Neptun wurden bereits Angriffe auf die russische Ölindustrie geflogen.

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Mit einer Erhöhung der Produktionskapazitäten wachsen die ukrainischen Fähigkeiten, russische Nachschublinien zu unterbinden, Waffenproduktionsstätten zu zerstören, Flugfelder zu attackieren, von denen aus russische Kampfbomber aufsteigen, um ukrainische Städte anzugreifen, oder die Öl- und Gasproduktion nachhaltig zu beschädigen, die die Haupteinnahmequelle Moskaus ist.

Die Ukraine braucht jedoch Geld für den Kauf von Komponenten oder die Bezahlung von Ingenieuren und Arbeitern. Wenn Deutschland entsprechende finanzielle Hilfe leistet oder einen Know-How-Transfer ermöglicht, wird die Ukraine in den Stand versetzt, aus eigener Kraft wehrhafter zu werden. Zähe und langwierige Debatten wie die unselige über die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern könnten sich damit erledigen.

Taurus hat nicht mehr die Bedeutung von früher

Der Taurus ist zwar noch immer ein System, das in der Ukraine gute Dienste leisten könnte, um die russische Logistik nachhaltig zu stören – er könnte beispielsweise mit seinen Fähigkeiten die Kertsch-Brücke zwischen der besetzten Krim und Russland zum Einsturz bringen – jedoch ist er im vierten Kriegsjahr nicht mehr von der Bedeutung, die seine Lieferung im zweiten oder dritten Jahr des Konfliktes gehabt hätte.

Empfang für NRZ Reporter Jan Jessen
Jan Jessen ist Krisen- und Konfliktjournalist für die FUNKE Mediengruppe.© Funke Foto Services | Kerstin Kokoska

Sollte der Taurus nicht geliefert werden und Deutschland stattdessen die ukrainische Rüstungsindustrie unterstützen, wäre auch den Kritikern der argumentative Wind aus den Segeln genommen, die davor warnen, Deutschland werde Kriegspartei, falls es die Marschflugkörper liefere.

Die angekündigte deutsche Unterstützung wird jedoch nicht nur militärisch für die Ukraine wertvoll sein. Sie ist auch bedeutsam für die Moral der Bevölkerung des angegriffenen Landes. Seit dem Amtsantritt Donald Trumps ist klar, dass die Ukrainer nicht mehr auf die USA, also ihren bislang wichtigsten Partner zählen können. Dass Deutschland und die meisten anderen europäischen Länder umso enger an die Seite Kiews rücken, zeigt den Ukrainerinnen und Ukrainer, dass sie nicht gezwungen sein werden, sich einem russischen Diktatfrieden zu beugen.