Der eine saß im Weißen Haus, der andere nach Angaben russischer Staatsmedien in einer Musikschule in Sotschi am Schwarzen Meer. Von diesen beiden Plätzen aus führten US-Präsident Donald Trump und sein russisches Gegenüber Wladimir Putin am Montag über zwei Stunden ein mit Hochspannung erwartetes Telefonat, um über ein etwaiges Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu reden. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Putin sprach von einem „sehr, sehr informativen und nützlichen Gespräch”. Moskau sei bereit, mit der Ukraine an einem „Memorandum” über künftige Friedensgespräche zu arbeiten. Wenn dieses Dokument, über dessen Inhalt zunächst nichts bekannt wurde, vorliegt, sei eine Waffenruhe möglich, berichteten russische Medien. 

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Trump bringt Vatikan als Gesprächsort ins Spiel

Trump zeigte sich auf seiner Plattform „Truth Social” ebenfalls zufrieden, das Gespräch mit Putin sei „sehr gut gelaufen”. Russland und die Ukraine würden sofort Verhandlungen beginnen, die zu einer Waffenruhe und später zu einem Friedensschluss führen sollen. Als Austragungsort brachte Trump den Vatikan ins Spiel, nachdem sich Papst Leo XIV. entsprechend angeboten hatte. Auffallend: Trump betonte, dass der Rahmen für die Verhandlungen allein von Russland und der Ukraine festgelegt würde; eine Vermittler-Rolle der USA erwähnte Trump nicht. „Die Bedingungen werden zwischen den beiden Parteien ausgehandelt, wie es nur sein kann, da sie Details einer Verhandlung kennen, die niemand sonst kennen würde”, sagte Trump etwas kryptisch.

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Er betonte, dass Russland nach einem Kriegsende umfassenden Handel mit den USA anstrebe. Hier täten sich unbegrenzte Möglichkeiten auf. Auch die Ukraine könne profitieren. Trump sagte, Deutschland, Frankreich, Italien und Finnland seien umgehend über die Kern-Punkte des Spitzengesprächs informiert worden. Mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Selenskyj hatte Trump unmittelbar vor dem Putin-Telefonat kommuniziert.

Papst Leo XIV. könnte zwischen Russland und der Ukraine vermitteln.
Papst Leo XIV. könnte zwischen Russland und der Ukraine vermitteln.© dpa | Michael Kappeler

Putin bedankte sich bei Trump für dessen Unterstützung der Wiederaufnahme direkter Gespräche zwischen Moskau und Kiew und erklärte, Trump habe „Russlands Engagement für den Frieden“ zur Kenntnis genommen. „Wir haben mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten vereinbart, dass Russland der ukrainischen Seite ein Memorandum über ein mögliches künftiges Friedensabkommen vorschlagen wird und bereit ist, daran mitzuarbeiten, in dem eine Reihe von Positionen festgelegt werden, wie beispielsweise die Grundsätze für eine Beilegung und der Zeitplan für ein mögliches Friedensabkommen“, erklärte Putin gegenüber Reportern. Er bekräftigte aber sein bekanntes Mantra, das in Kiew auf Ablehnung trifft: „Das Wichtigste für uns ist, die Ursachen dieser Krise zu beseitigen“.

Telefonat zwischen Trump und Putin: Grünen-Politiker spricht von „zynischem Theater“

Als wenig glaubwürdig beurteilte der Osteuropa-Beauftragte der Grünen-Bundestagsfraktion, Robin Wagener, das Gespräch zwischen Trump und Putin. „Telefonate und Verhandlungsrunden sind lediglich Mittel der russischen Kriegsführung im Informationsraum“, sagte Wagener dieser Redaktion. „Putins zynisches Verhandlungs-Theater dient allein der Fortsetzung des Krieges.“ Man sehe jetzt „in aller Deutlichkeit“, dass der Kreml-Chef kein Interesse an Frieden habe. Wagener warnte die Bundesregierung davor, Sanktionen anzudrohen, sie aber nicht mit Konsequenz durchzuführen. Dies würde „Deutschlands außenpolitische Glaubwürdigkeit gefährden“.

Der Grünen-Politiker forderte im Nachgang des Telefonats neue militärische Unterstützung für die Ukraine, darunter auch die Taurus-Marschflugkörper. Außerdem müsse es weitere Sanktionen gegen die russische Schattenflotte und die Gas-Pipeline Nord Stream 2 geben. Das eingefrorene russische Vermögen müsse genutzt werden.

Europa und die USA wollen nach Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Ukraine hin zu einem Waffenstillstand im Abwehrkampf gegen Russland „eng begleiten“. Auch wolle Europa den Druck auf Moskau durch Sanktionen erhöhen, schrieb Merz am Abend auf der Plattform X, nachdem der US-Präsident die europäischen Partner über sein Telefonat mit unterrichtet hatte.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dankte Trump „für seine unermüdlichen Bemühungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine“. In einem Beitrag auf X schrieb sie zudem, es sei wichtig, dass sich die USA weiterhin engagierten. 

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Vance klagt: Verlieren Geduld mit Putin

Eine Stunde vor dem weltweit beachteten Telefonat hatte Trumps Vize-Präsident JD Vance angedeutet, wie prekär die Situation ist. Er sprach auf dem Rückblick von seinem Papst-Besuch in Rom davon, dass sich die USA in der Vermittler-Rolle zwischen Moskau und Kiew in einer „Sackgasse“ befänden, die durch Putin verursacht sei. Trump werde sein Gegenüber mit der klaren Frage konfrontieren, ob „er es wirklich ernst meint“ (mit seiner Erklärung, den Konflikt beilegen zu wollen). Wenn Russland hier nicht zu einer klaren Haltung komme  - sprich: Waffenstillstand, Verhandlungen etc. - werde Amerika „irgendwann einfach sagen: Das ist nicht unser Krieg. Wir werden versuchen, ihn zu beenden, aber wenn wir ihn nicht beenden können, werden wir irgendwann sagen: Wissen Sie was? Es war einen Versuch wert, aber wir machen nicht weiter.“ 

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Vance deutete an, dass Trump Putin im Falle eines Friedensschlusses wirtschaftliche Vergünstigungen in Aussicht stellen könnte. „Die Entspannung der Beziehungen zwischen Russland und dem Rest der Welt bringt viele wirtschaftliche Vorteile mit sich”, sagte der 40-Jährige, „aber diese Vorteile werden sich nicht einstellen, wenn weiterhin so viele unschuldige Menschen getötet werden.” Vance ging am weitesten mit diesem Satz: „Ich bin nicht sicher, ob Wladimir Putin für sich eine Strategie hat, um den Krieg zu beenden.”

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Wladimir Putin (rechts) in Sotschi: „Nützlich und gehaltvoll.“© IMAGO/SNA | IMAGO/Vyacheslav Prokofyev

Putin-Unterhändler: Russland könne jahrzehntelang Krieg führen

Vor dem Trump-Putin-Telefonat war durch einen Bericht des Nachrichten-Dienstes Bloomberg durchgesickert, dass Putin in dem Glauben sei, „die Oberhand” zu besitzen und keine substanziellen Zugeständnisse machen zu müssen. Begründung laut einer anonymen Quelle, die mit der Denke des Kremls-Herrschers vertraut sei: Putin sei „zuversichtlich, dass seine Streitkräfte bis Ende des Jahres die Verteidigungslinien der Ukraine durchbrechen können“. 

Zuvor war bekannt geworden, dass bei den russisch-ukrainischen Gesprächen am vergangenen Freitag in Istanbul die Moskauer Seite große Töne gespuckt haben soll. Danach sagte der von Putin entsandte Vertreter Wladimir Medinski, dass Russland für unbegrenzte Zeit bereits und fähig zum Kampf sei. Im schwedisch-russischen Krieg Ende des 17. Jahrhunderts, so der Russe, habe sein Land über 20 Jahre Krieg geführt. An die Verhandler aus Kiew gerichtet ergänzte der Funktionär zynisch klingend, er wisse, dass einige der Gesprächspartner im Krieg Angehörige verloren hätten. Zusatz: Wenn man sich den russischen Forderungen, etwa nach Abtretung diverser Regionen, weiter verweigere, „würden noch mehr Angehörige sterben”.