Am Bahnhof in Berlin-Spandau ist Schluss. Die Polizei fasst den 13 Jahre alten Jungen. Mit Fotos und eindringlichen Worten hatten die Strafverfolgungsbehörden nach dem Kind gefahndet, das an einer Berliner Grundschule mit einem Messer auf einen Mitschüler eingestochen haben soll. Auch Spürhunde und Hubschrauber waren im Einsatz, eine erste Spur in einer Grünanlage hinter der Schule hatte sich jedoch verloren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der Tatvorwurf wirkt schwer: An seiner Grundschule hatte der Junge einen Mitschüler lebensgefährlich verletzt. Die Mordkommission ermittelt. Das Opfer wurde ins Krankenhaus gebracht und dort sofort operiert. Sein Zustand ist nach Polizeiangaben stabil. Das Motiv des jungen Täters ist noch unklar.

Messerangriffe in Berlin und Remscheid: Gewaltkriminalität unter Kindern nimmt zu
Es ist nicht der einzige Fall von Messerangriffen, der in diesen Tagen für Schlagzeilen sorgt. In Remscheid (NRW) wehrt sich ein 11-jähriger Schüler gegen den wiederholten Angriff eines 13-jährigen Mitschülers mit einem Messer und verletzt ihn am Oberschenkel. Alle Beteiligten gelten noch als Kinder und sind nicht strafmündig – aber haben offenbar Erfahrungen mit Gewalt und manche setzen sogar Messer ein.
Seit mehreren Jahren beobachten Polizisten, aber auch viele Lehrkräfte und Straßensozialarbeiter eine Zunahme der Gewalttaten mit Messern. Es ist vor allem ein Gefühl, dass aus den Alltagserlebnissen mit Jugendlichen erwächst. Studien dazu sind bisher wenig vorhanden. Doch auch laut Bundeskriminalamt (BKA) nahm die registrierte Gewaltkriminalität vor allem bei Kindern, also den unter 14-Jährigen, zuletzt zu. Insgesamt registrierte die Polizei 2024 fast 30.000 Taten wie Angriffe und Bedrohungen, bei denen Messer eine Rolle spielten – allein bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen mit Messereinsatz meldete das BKA einen Anstieg um knapp 11 Prozent.
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Messergewalt: „Verrohung im Umgang untereinander, unterstützt durch soziale Medien“
„Es ist nicht mehr wegzudiskutieren, dass Gewalttaten mit Messern zunehmen“, sagt auch Dirk Peglow im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist Vorsitzender der Gewerkschaft Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Erste gezielte Auswertungen der Innenbehörden würden den Trend untermauern, dass besonders junge Menschen Konflikte mit einem Messer ausfechten. „Davor kann ich nur warnen, weil der Einsatz von Messern unkalkulierbar ist und immer ein hohes Verletzungsrisiko, bis hin zu einem tödlichen Ausgang mit sich bringt“, sagt Peglow.
Die Erklärungen für den Anstieg der Messerkriminalität sind vielschichtig. Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Professor Thomas Bliesener, weist auf eine „gewisse Verrohung im Umgang miteinander, unterstützt durch soziale Medien“. Zugleich verweist der Kriminologe auf jahrelange repräsentative Umfragen seines Instituts mit Neuntklässlern. Die Zahl der Schüler, die ein Messer dabeihaben, habe sich nicht erhöht. Aber die Begründung habe sich verändert. „Früher sagten viele, sie hätten es als Werkzeug dabei. Inzwischen sagen sie: zur Verteidigung. Dieser Anteil ist wirklich gestiegen“, sagt Bliesener. „Ein Messer wird mehr und mehr tatsächlich auch als Waffe eingesteckt.“
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Kriminalbeamten-Bund fordert stärkere Kontrollen
Der Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Marc Allroggen, Experte für aggressives Verhalten, verweist auf Gewalterfahrungen von Kindern, etwa wenn sie geschlagen werden. Die Fragen seien, wie wird in der Familie mit Emotionen wie Wut umgegangen, erlebt das Kind Gewalt, welche Formen von Gewalt werden in der jeweiligen Kultur wie geächtet? „Es geht auch darum, welche Vorbilder das Kind hat. Dazu gehören im weiteren Sinne auch mediale Netzwerke“, so Allroggen. Smartphones wegen der problematischen Vorbilder zu verbieten, könne man diskutieren. Es werde das Problem allein aber nicht lösen.
Ein Problem ist auch: Messer sind überall verfügbar, in jeder Küche. „Waffenverbotszonen sind richtig. Wir müssen diese Gebiete, in denen die Polizei nach Messern kontrollieren kann, noch stärker ausweiten“, sagt Kriminalbeamter Peglow. „Jedes beschlagnahmte Messer ist eine potenzielle Tatwaffe weniger.“
Der Kampf gegen Messergewalt sei aber nicht nur Aufgabe der Polizei. Der Staat müsse stärker in Gewaltprävention investieren. Etwa in Schulen, Sportvereinen und Jugendzentren. „Auch in Flüchtlingsunterkünften müssen wir stärker darüber aufklären, dass in Deutschland niemand ein Messer in der Tasche braucht, um sich auf der Straße zu verteidigen“, sagt Peglow. (mit dpa)








