Ein 13-Jähriger rennt durch die Schule und kündigt an, er wolle heute jemanden „abstechen“. Kurz darauf wird ein 12-jähriger Klassenkamerad blutüberströmt im Umkleideraum gefunden. Nur eine Notoperation kann sein Leben retten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Was für eine krasse Verrohung zeigt dieser aktuelle Fall aus Berlin-Spandau. Wie kaputt, wie verzweifelt muss ein Kind sein, wenn der innere Kompass nur noch in Richtung Gewalt zeigt. Und wie sehr haben Frühwarnsysteme in Schule, Elternhaus und Familienhilfe versagt.

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Messerangriff auf Schüler an Grundschule in Berlin-Spandau
Auf dem Gelände dieser Grundschule in Berlin-Spandau stach ein 13-Jjähriger einen 12-Jährigen nieder. © Jörg Carstensen/dpa | Jörg Carstensen

Was der Fall aber auch zeigt: Er ist die Spitze eines Trends, der sich innerhalb der Gesellschaft immer breiter macht. Denn das Messer ist immer öfter dabei, ob im Schulrucksack, der Handtasche oder im Innenfutter des Jacketts. Und es sitzt locker.

Messerattacke selbst erlebt: Und dann rannte der Angreifer schnell weg

Ein Trend, der auch zu solchen Situationen führt, neulich selbst erlebt: Vor einer Bäckerei bettelt ein sichtbar heruntergekommener Obdachloser ein gut gekleidetes Pärchen an. Der Mann zieht sofort das Messer, die Verkäuferin der Bäckerei rennt raus, schreit, der Obdachlose zieht weiter, der Mann rennt weg, seine Begleitung wirft sich die Designertasche über die Schulter und erklärt, sie kenne ihren Partner nicht. Ein kurzer Moment der Eskalation, dem auch die herbeigerufene Polizei nichts entgegenzusetzen hat, da er glücklicherweise so schnell in sich zusammenfällt, wie er sich aufschaukelte.

Birgitta Stauber
Birgitta Stauber, Textchefin der Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Hinter jedem der von der Polizeistatistik gezählten Fälle stecken unzählige derartiger Vorgänge, die unter dem Radar laufen. Zwar gibt es Schwerpunkte, aber die Grenzen bestimmter Milieus und Bezirke verschwimmen. Das Messer ist in allen Schichten dabei, ob mit Migrationshintergrund oder ohne.

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Denn eines müssen wir uns wohl klar machen: Der öffentliche Raum ist bewaffnet. Ein weitreichendes Messerverbot könnte zwar kaum überwacht werden. Doch angefangen bei Schulen und Elternhäusern könnte es das Bewusstsein schärfen. Waffen haben im Alltag einer friedlichen Gesellschaft einfach nichts zu suchen.