Ein Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin der israelischen Botschaft in der US-Hauptstadt Washington sind am Mittwochabend (Ortszeit) bei einem womöglich antisemitisch motivierten Attentat nahe dem Jüdischen Museum getötet worden. Weltweit herrscht Bestürzung über die Tat. Wer waren die beiden Opfer?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es handelt sich um den 28-jährigen Yaron Lischinsky und Sarah Milgrim, die nicht nur Arbeitskollegen waren, sondern auch privat ein Paar. Dies sagte der israelische Botschafter, Yechiel Leiter, vor Journalisten. Lischinsky habe erst in dieser Woche einen Ring gekauft und vorgehabt, seiner Freundin in der kommenden Woche in Jerusalem einen Heiratsantrag zu machen. „Sie waren ein schönes Paar, das gekommen war, um einen Abend in Washingtons kulturellem Zentrum zu genießen“, sagte der Botschafter. Die israelische Botschaft in Washington postete auf der Plattform „X“: „Sie waren in der Blüte ihres Lebens.“

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Lischinsky engagierte sich für den Austausch zwischen Israelis und Deutschen

Yaron Lischinsky stammte aus Deutschland. Er hatte einen deutschen Pass und war in Berlin gut vernetzt. Auf der Karriereplattform LinkedIn schrieb er auf Englisch: „Seit ich mit 16 Jahren meine Alijah gemacht habe, darf ich sowohl Jerusalem als auch Nürnberg mein Zuhause nennen.“ Lischinsky engagierte sich für den Austausch zwischen jungen Israelis und Deutschen. Dabei war Lischinsky selbst bekennender Christ. Wie die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) am Donnerstag in Berlin mitteilte, war Yaron Lischinsky Gründungsmitglied des Jugendforums der Israelisch-Deutschen Gesellschaft (IDG), der Schwesternorganisation der DIG. Er sei „tief erschüttert über diesen antisemitischen Doppelmord“, erklärte DIG-Präsident Volker Beck.

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Aus diplomatischen Kreisen in Berlin heißt es, man sei tief betroffen über den Mord an den beiden jungen Menschen. Viele hier hätten Yaron Lischinsky persönlich gekannt. Dies bestätigte auch Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. „Der erschütternde Mord (...) lässt mich fassungslos zurück“, sagte Prosor der „Jüdischen Allgemeinen“. „Yaron war einer meiner Studenten am Abba-Eban-Institut für Internationale Diplomatie.“ Lischinsky habe daran geglaubt, dass Frieden zwischen Israelis und seinen Nachbarn möglich sei.

Zwischenmenschliche Verständigung: Milgrim arbeitete mit israelisch-palästinensischen Initiativen

So beschrieb es Lischinsky auch selbst bei LinkedIn. „Ich glaube fest an die im Abraham-Abkommen skizzierte Vision“, schrieb er mit Blick auf das multilaterale Abkommen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain. „Ich bin überzeugt, dass die Ausweitung des Friedenskreises mit unseren arabischen Nachbarn und die Fortsetzung der regionalen Zusammenarbeit im besten Interesse des Staates Israel und des gesamten Nahen Ostens sind.“

Yaron Lischinsky (R) und Sarah Milgrim sind am Mittwochabend (Ortszeit) Opfer eines womöglich antisemitisch motivierten Attentat in Washington geworden.
Yaron Lischinsky (R) und Sarah Milgrim sind am Mittwochabend (Ortszeit) Opfer eines womöglich antisemitisch motivierten Attentat in Washington geworden.© AFP | -

Lischinskys Partnerin Sarah Milgrim war Amerikanerin jüdischen Glaubens. Sie hatte einen Master in Internationalen Beziehungen sowie einen weiteren Master-Abschluss in Natürlichen Ressourcen und Nachhaltiger Entwicklung. „Meine Leidenschaft“, schrieb sie über sich selbst bei LinkedIn, „liegt an der Schnittstelle von Friedensförderung, religiösem Engagement und Umweltarbeit.“ Sie habe mit israelisch-palästinensischen Graswurzel-Initiativen zusammengearbeitet und wolle Organisationen unterstützen, die sich für die „Überbrückung von Gräben und die Förderung religiöser Harmonie“ einsetzen.

Aktuelle News aus dem Nahen Osten

Attentat: Offenbar radikalisierter pro-palästinensischer Täter

Dass ausgerechnet zwei junge Menschen, die sich so sehr für die zwischenmenschliche Verständigung eingesetzt haben, offenbar einem radikalisierten pro-palästinensischen Angreifer zum Opfer gefallen sind, erscheint vielen, die die beiden gekannt haben, unbegreiflich. Eine Sprecherin der israelischen Botschaft in Washington schrieb bei „X“: „Yaron and Sarah, Worte können nicht ansatzweise den Kummer und die Trauer beschreiben. Erst heute Morgen haben wir noch zusammen in der Kaffeeküche gelacht – nun ist ein Bild alles, was bleibt.“ Und: „Anstatt euch zum Traualtar zu begleiten, geleiten wir euch zu euren Gräbern. Was für ein unerträglicher Verlust.“

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Meine schwerste Entscheidung
 

Botschafter Ron Prosor machte scharfe Kritiker am Vorgehen Israels im Gazastreifen mit für das Attentat verantwortlich. „Diejenigen, die Israel seit Monaten dämonisieren und delegitimieren, haben ein Klima geschaffen, in dem diese Tat gedeihen konnte“, sagte der Botschafter.