Es war viel Glück im Spiel – aber auch der Mut und die Geistesgegenwart einer Handvoll Menschen, die den 174 Personen an Bord des Flydubai-Flugs FZ1073 das Leben retteten. Rund eine Stunde vor der Landung in Tel Aviv soll der Co-Pilot des Flugs FZ1073 den Kapitän mit einer Stichwaffe angegriffen haben. In der Folge sank die Maschine in weniger als 30 Sekunden um mindestens 4000 Meter ab.

Wie spielte sich die Attacke aus Sicht der Passagiere in der Kabine ab?

„Der Flug von Dubai war sehr ruhig in den ersten zwei Stunden“, sagt Almog Italie, einer der Passagiere auf dem Flug. „Als wir die Grenze von Jordanien erreichten, fiel das Flugzeug plötzlich ab, es gab massive Turbulenzen, 20 oder 30 Sekunden lang, dann fing es sich wieder ab, dann gab es einen neuen Abfall von ungefähr zehn Sekunden, und dann fing es sich noch einmal ab. Plötzlich sahen wir ein Handgemenge vorne, Leute sind hingerannt“, erzählt Italie gegenüber Reuters.

Ein anderer israelischer Passagier sagt, er habe „sehr schnell verstanden“, dass etwas nicht in Ordnung sei. Es habe extreme Turbulenzen gegeben, ohne dass die Crew eine Durchsage durch die Lautsprecher veranlasste. „Es gab Schreie, manche waren ganz still, manche haben gebetet“, sagt der Passagier. Mehrere Fluggäste seien in den vorderen Bereich des Flugzeugs gelaufen.

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Wie konnten die Passagiere die Tür zum Cockpit öffnen?

Darüber gibt es bis jetzt nur Annahmen. In der Regel kann die Tür zum Cockpit von außen nicht geöffnet werden. Yaniv Hayun, der bei der Rettung des Flugzeugs eine zentrale Rolle spielte, geht davon aus, dass der schwer verletzte Pilot selbst die Tür per Knopfdruck entriegelt habe. Das sagte er auch dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in einem persönlichen Gespräch.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu traf am Flughafen Ben-Gurion mit Janiv zusammen
Premierminister Benjamin Netanjahu empfängt den mutigen Installateur Yaniv Hayun am Flughafen von Tel Aviv.© x | @IsraeliPM

Blutüberströmt und „mit den letzten Kräften“ habe der indische Pilot, der mit seiner Familie in Dubai lebt, es geschafft, die Entsperrung auszulösen, wie es aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hieß.

Wie waren die Fluggäste auf den Streit im Cockpit aufmerksam geworden?

Eine Passagierin, die vor der Toilette auf ihre Tochter wartete, habe Schreie aus dem Cockpit gehört und selbst zu schreien begonnen, heißt es. Erst daraufhin seien Yaniv Hayun und die anderen Helfer aufgestanden und nach vorn gelaufen. Es sei schwer gewesen, die Tür zum Cockpit aufzudrücken, erzählte Hayun: Der schwer verletzte Pilot habe auf dem Boden gesessen, mit dem Rücken an die Tür gelehnt.

Smit Machchhar Pilot Flydubai
Flugkapitän Smit Machchhar: Als Held gefeiert.© AFP | Israel's Foreign Ministry

Wie konnte der Angreifer überwältigt werden?

Als Hayun ins Cockpit eindrang, war der Co-Pilot gerade dabei, auf das Bedienfeld des Flugzeugs einzuschlagen, heißt es aus Netanjahus Büro. Er soll versucht haben, die Maschine zum Absturz zu bringen, heißt es in israelischen Medienberichten. Yaniv Hayun sagt, er habe den Angreifer in den Würgegriff genommen und weggezerrt. Andere Passagiere hätten ihn fixiert. „Ich habe ihn mit dem Kabel von meinen Kopfhörern gefesselt“, erzählt Shuta Musaev, ein israelischer Arzt, im Interview mit „Kan Bet“. Danach habe Musaev begonnen, den indischen Piloten zu versorgen, der schwere Schnittverletzungen an der Hand, aber auch an Kopf und Nacken hatte. „Er hat sehr viel Blut verloren“, sagt Musaev. „Das Wichtigste war, die Blutung zu stoppen.“ Der Pilot habe ihn angefleht, sein Leben zu retten. „Er hat mir von seiner Frau und seinen Kindern erzählt.“ Derzeit befindet sich der Pilot in einem Krankenhaus in Saudi-Arabien. Sein Zustand wird als stabil beschrieben.

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Wie konnte das Flugzeug zur Landung gebracht werden?

Den ersten Schritt, um den Sturzflug zu beenden, setzte Yaniv Hayun, der von Beruf Installateur ist. Er habe die Steuerhörner nach hinten gezogen – so, wie er es in einer Fernsehserie über Flugzeugunglücke gesehen habe, erzählte Hayun im Gespräch mit Netanjahu. Danach schritten zwei Flydubai-Piloten ein, die sich zufällig an Bord befanden. Sie übernahmen das Steuer und brachten das Flugzeug auf Kurs in Richtung Saudi-Arabien, wo sie die Maschine in Tabuk zur sicheren Landung brachten.

Warum wurde das Flugzeug in Saudi-Arabien zur Landung gebracht?

Die Notlandung war wichtig, um das Leben des Kapitäns zu retten. Zudem ist auf Fotos zu sehen, dass das Flugzeug beim Sturzflug beschädigt worden war. Am Ruder der Maschine fehlt ein Stück. Der Empfang der israelischen Passagiere in dem verfeindeten Staat sei „sehr warm“ gewesen, sagt Almog Italie. „Als gäbe es keine Geschichte.“ Mehr als zehn Stunden später trafen die Passagiere an Bord einer Ersatzmaschine von Flydubai am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv ein. Israel hatte darum gebeten, eine israelische Maschine nach Tabuk schicken zu dürfen – doch die Saudis lehnten dies ab. Mehrere Passagiere weigerten sich vorerst, erneut in ein Flugzeug von Flydubai einzusteigen, taten es aber schließlich doch.

Flugvorfall im Nahen Osten
Rückkehr nach Tel Aviv: Israelische Passagiere der Flydubai-Maschine am Flughafen Ben Gurion. © Ariel Schalit/AP/dpa | Ariel Schalit

Wer befand sich an Bord?

Die allermeisten Fluggäste sind israelische Staatsbürger. Viele bezeichneten den glücklichen Ausgang als „Wunder“. „Es war schrecklich, es war wahnsinnig, und wir danken Gott, dass wir überlebt haben. Wir dachten nicht, dass wir es schaffen würden, aber Gott sei Dank sind wir in Israel“, sagte Lital Shachaf, eine der Passagierinnen, gegenüber Reuters. Assaf Rajuan, der mit seiner Familie von einem Thailand-Urlaub zurückkehrte, ist einer jener Passagiere, die mithalfen, den Angreifer zu überwältigen. „Wir haben den Terroristen 55 Minuten lang ausgeschaltet“, erzählte er dem Fernsehsender N12. .

Flydubai flight from Dubai to Tel Aviv lands at Ben Gurion Airport after Saudi Arabia diversion
Ersatzmaschine von Flydubai: Der Fast-Katastrophe entkommene Passagiere kehren nach Israel zurück.© Anadolu via Getty Images | Anadolu

Wie geht es jetzt weiter?

Die saudischen Behörden nahmen den Co-Piloten nach der Landung fest. Laut israelischen Angaben handelte es sich um einen omanischen Staatsbürger. Das wirft Fragen auf: Laut israelischen Regelungen dürfen in Flugzeugen, die in Israel landen, nur Piloten mit bestimmten Staatsbürgerschaften eingesetzt werden. Bürger von Staaten, mit denen Israel keine diplomatischen Beziehungen führt, sind demnach ausgeschlossen – und dazu gehören auch Staatsangehörige des Oman.

Laut israelischen Medienberichten soll diese Vorschrift aber nicht immer beachtet worden sein. Es sei besonders auf der Strecke Dubai – Tel Aviv immer wieder zu Ausnahmen gekommen, heißt es. Das ist unmittelbar nicht verifizierbar.

Wie reagiert Israels Führung?

Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete das Ereignis als „schwerwiegenden Sicherheitsvorfall“. Die israelischen Fluggäste hätten ein „neues 9/11“ verhindert, sagte er. Er sprach damit jenen Anschlag im Jahr 2001 an, bei dem islamistische Terroristen vier Flugzeuge in das World Trade Center in New York und weitere Orte in den USA lenkten.

Was will man tun, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern?

Israel will nun die Kontrollen für Piloten, die das Land anfliegen, verschärfen. Indes darf Flydubai vorerst nicht mehr in Tel Aviv landen. Die Nachfrage nach Flügen nach Dubai muss nun von israelischen Fluglinien gedeckt werden. Die Angst vor weiteren Terroranschlägen betrifft aber nicht nur die Strecke Dubai–Tel Aviv. Daher werden neue Verschärfungen angedacht: Möglich ist, dass in den nächsten Wochen auf bestimmten Strecken israelische Sicherheitsleute mit an Bord gehen.