Im Westjordanland ist eine Delegation internationaler Diplomaten vom israelischen Militär beschossen worden. Das Militär bestätigte am Mittwoch, dass es während eines Besuchs internationaler Vertreter in der Stadt Dschenin Schüsse abgegeben habe. Auch ein deutscher Diplomat war Teil der Gruppe, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Nach Darstellung der israelischen Armee hatte sich der Konvoi nicht an die zuvor abgestimmte Route gehalten und ein Gebiet betreten, das für sie nicht autorisiert gewesen sei. Soldaten hätten dem israelischen Militär zufolge „Warnschüsse“ abgegeben, „um sie auf Abstand zu halten“. Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet.

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Israel: Auswärtiges Amt nennt Beschuss „inakzeptablen Angriff“

Die betroffene Delegation bestand aus rund 20 Diplomaten, darunter Vertreter der EU, Deutschlands, Spaniens, Italiens und Belgiens. Ziel des Besuchs war Medienberichten zufolge eine humanitäre Erkundungsmission, organisiert von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Nach Angaben des belgischen Außenministers Maxime Prévot bewegte sich der Konvoi in rund 20 klar gekennzeichneten Fahrzeugen.

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Das deutsche Auswärtige Amt reagierte mit deutlichen Worten. Der Vorfall sei „unprovoziert“ gewesen und stelle einen „inakzeptablen Angriff“ auf Diplomaten dar. „Wir können von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, hieß es. Auch eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes betonte die Bedeutung unabhängiger Beobachter vor Ort. Sie stellten „in keinster Weise eine Bedrohung für israelische Sicherheitsinteressen dar“. Die israelische Regierung müsse die Unverletzlichkeit von Diplomatinnen und Diplomaten respektieren. Als Reaktion habe Außenminister Johann Wadephul (CDU) nach Angaben des Ministeriums direkt mit seinem israelischen Amtskollegen telefoniert.

Frankreich: Außenminister nennt Vorfall „nicht hinnehmbar“

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte Israel nachdrücklich auf, den Vorfall zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. „Jegliche Bedrohung des Lebens von Diplomaten ist inakzeptabel“, sagte sie. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot nannte den Vorfall „nicht hinnehmbar“ und kündigte die Einbestellung des israelischen Botschafters an – ähnlich Italien und Spanien.

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Uruguay und Kanada beriefen am Mittwoch die jeweiligen israelischen Botschafter in ihren Ländern ein, das Außenministerium in Mexiko erklärte, es werde die israelische Botschaft in Mexiko um „Klärung“ ersuchen. Kanadas Außenministerin Anita Anand forderte zudem eine „vollständige Untersuchung“ des Vorfalls.

Dschenin gilt als eine der angespanntesten Regionen im Westjordanland. Seit Beginn einer großangelegten israelischen Militäroffensive im Januar wurden dort laut palästinensischem Gesundheitsministerium hunderte Menschen getötet. UN-Angaben zufolge mussten Zehntausende Palästinenser ihre Häuser verlassen.

Israelisches Militär kündigte Untersuchung des Vorfalls an

Die Delegation der Diplomaten war laut palästinensischem Außenministerium unterwegs, um die humanitäre Lage zu begutachten und mögliche Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Die Gruppe sei in Koordinierung mit der PA und der israelischen Armee unterwegs gewesen. 

Mehr von Israel-Korrespondentin Maria Sterkl

Das israelische Militär kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an und erklärte, man werde mit den betroffenen Ländern im Gespräch bleiben. „Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten“, hieß es in einer Mitteilung. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen den Regierungen der betroffenen Länder zur Verfügung gestellt werden.

dpa/kath