Nach eineinhalb Jahren Krieg hat Israels Regierung beschlossen, noch mehr Truppen nach Gaza zu schicken und die Offensive auszuweiten. Die Armee will ihre Taktik ändern: Gebiete, in denen die Hamas besiegt wurde, sollen weiter von israelischen Truppen besetzt bleiben.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wie geht es in Gaza weiter? Gelingt es der Armee, nach 19 Monaten Krieg den Sieg über die Hamas auszurufen? Was wird aus den Geiseln? Vier mögliche Szenarien.
Deal mit der Hamas
Israels Regierung hat zwar die Ausweitung des Kriegs beschlossen, will aber noch damit abwarten. Das hat zwei Gründe: Erstens will Israels Regierung die Nahostreise von US-Präsident Donald Trump abwarten. Trump wird Mitte Mai Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar besuchen. Der US-Präsident hat die Hoffnung, ein Abkommen mit Saudi-Arabien zu schließen. In diesen Gesprächen wird aber auch die Zukunft des Gazastreifens eine Rolle spielen. Um die Verhandlungen nicht zu gefährden, wartet Israels Armee ab.
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Außerdem gibt es noch Verhandlungen mit der Hamas, um einen möglichen Deal zu erreichen. Der US-Nahostbeauftragte Steve Witkoff hat einen Plan vorgelegt, der die Freilassung von einer begrenzten Zahl an Geiseln und eine befristete Waffenruhe vorsieht. Sollte es gelingen, diesen Deal abzuschließen, dann wird die Ausweitung der Gaza-Offensive vorerst auf Eis gelegt.
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Aus heutiger Sicht gibt es noch viele Hindernisse, um einen Deal mit der Hamas zu ermöglichen. Die Hamas verlangt einen Abzug der israelischen Truppen von weiten Teilen des Gazastreifens. Israels Finanzminister Bezalel Smotritsch hat aber bereits angekündigt, dass es „keinen Rückzug von den Gebieten, die wir erobert haben, geben wird – nicht einmal im Austausch gegen Geiseln“.
Dieses Szenario erscheint also eher unwahrscheinlich, ausgeschlossen ist es aber nicht. Jedenfalls ist laut allen Umfragen eine klare Mehrheit der Israelis für diese Option. Ob der Druck der Öffentlichkeit groß genug ist, um die rechtsnationale Regierung zum Einlenken zu bewegen, wird sich zeigen.
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Hamas-Führung verlässt Gaza
Sollte der militärische Druck der israelischen Armee groß genug sein, könnte die Hamas-Führung sich ergeben und gezwungen werden, Gaza zu verlassen – diese Hoffnung äußern zumindest manche Minister in der Regierung von Benjamin Netanjahu. In diesem Szenario würden Israels Truppen wohl längerfristig in Gaza bleiben.

Das passt gut mit dem Wunsch von US-Präsident Trump zusammen, in Gaza eine neue „Riviera des Nahen Ostens“ aufzubauen – Luxushotels inklusive. Israelische Sicherheitsexperten warnen jedoch: Wenn Israels Militär Gaza besetzt und die dort lebenden zwei Millionen Palästinenser versorgen muss, wäre das teuer und für Israels Truppen gefährlich. Aus palästinensischer Sicht wäre dieses Szenario ohnedies inakzeptabel. Da sich die Hamas-Führung aber bis auf Weiteres nicht daran denkt, sich aus Gaza zurückzuziehen, ist diese Option eher unwahrscheinlich.
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Ein langer Zermürbungskrieg, Hamas bleibt in Gaza
Das ist aus heutiger Sicht die wahrscheinlichste Option. Die Regierung hat Zehntausende Reservesoldaten mobilisiert, um die Operation in Gaza auszudehnen. Netanjahus Koalition erklärte, die Armee werde die Hamas in Gaza besiegen, indem sie mehrere Armeebataillone für längere Zeit dort stationiert. Militärexperten in Israel halten das jedoch für Fehlannahme.
Die „Kommandeure für Israels Sicherheit“, eine Vereinigung von 250 Ex-Generälen, warnen vor einem langen Krieg, der viele Soldaten, aber auch die Geiseln das Leben kosten wird – aber nicht zu einem Machtwechsel in Gaza führen wird. „Um zu zerstören, was von der Hamas noch übrig ist, und um jeden letzten Terroristen in Rafah oder Bet Lahia zu erreichen, wird man sehr viel Zeit brauchen“, sagt Ephraim Sneh, langjähriges Mitglied des israelischen Sicherheitskabinetts. Es gebe nur einen Weg, um die Hamas in Gaza zu stürzen: den Aufbau einer alternativen palästinensischen Führung. Das lehnt die aktuelle israelische Regierung aber ab.

Neue Führung in Gaza
Der sogenannte „Ägyptische Plan für Gaza“ sieht eine Entmachtung der Hamas vor. In Gaza soll demnach eine palästinensische Verwaltung eingesetzt werden, die von arabischen und westlichen Staaten kontrolliert wird. Diese Staaten sollen auch den Wiederaufbau in Gaza finanzieren. Der „Ägyptische Plan“ wurde von der Arabischen Liga angenommen, auch in Europa befürworten viele Staaten dieses Modell. Israels aktuelle rechtsnationale Regierung lehnt den Plan jedoch ab.
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Egal, welches Szenario kommt: Da ein baldiges Ende des Gazakriegs nicht absehbar ist, werden die nächsten Monate noch mehr Tote und mehr Verwüstung im Gazastreifen bringen – und der Wiederaufbau wird noch länger dauern und teurer werden.
Die Ausweitung des Kriegs belastet aber auch Israels Wirtschaft schwer. Schon jetzt mussten alle Ministerien sparen, um die in 19 Monaten Krieg angehäuften Schulden auszugleichen. Das geht auf Kosten des Gesundheits- und Bildungssystems. Wenn nun erneut Zehntausende Reservesoldaten eingezogen werden und versorgt werden müssen, kostet das den Staat erneut mehrere Milliarden Euro, die anderswo eingespart werden müssen. Dazu kommt, dass die Reservisten in ihren Jobs fehlen – auch das belastet die Wirtschaft auf Dauer schwer.







