Die israelische Armee hat im Süden des Gazastreifen 15 Mitarbeiter des Roten Halbmondes, der UN und des palästinensischen Zivilschutzes erschossen. Die Toten wurden danach von der Armee unter dem Einsatz von Bulldozern mitsamt ihrer Fahrzeuge in einem Massengrab verscharrt, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ahmed al-Farra, ein Arzt im Nasser-Krankenhaus in Khan Younis, berichtete dem britischen „Guardian“, er sei Zeuge gewesen, wie die Leichen einiger Sanitäter zur Untersuchung in seine Klinik gebracht worden seien. „ich konnte drei der Leichname sehen“, sagte al-Farra. „Sie hatten Kugeln in der Brust und im Kopf, sie wurden exekutiert. Sie waren auf eine Art gefesselt, dass sie sich nicht bewegen konnten. Dann wurden sie getötet“, so al-Farra weiter. Ein weiterer Zeuge, der anonym bleiben will, bestätigte die Aussagen des Arztes. Auch er berichtete laut „Guardian“ von Fesseln und Schusswunden in der Brust und im Kopf.

Die Retter waren am 23. März im Einsatz gewesen, um Kollegen zu helfen, die unter Beschuss geraten waren. Dabei wurden sie selbst beschossen. Nur wenige Tage zuvor hatte Israel mit seiner neuerlichen Offensive in den südlichen Gazastreifen begonnen. An die 1000 Menschen sind dabei bislang ums Leben gekommen, heißt es von palästinensischer Seite.

Roter Halbmond entsetzt über Vorfall

Der palästinensische Rote Halbmond (PRCS) gab an, die Retter seien in eindeutig markierten Fahrzeugen unterwegs gewesen, und unterstellte der israelischen Armee, die Rettungskräfte „kaltblütig“ getötet zu haben. Unter den Toten befinden sich den Angaben zufolge acht Mitarbeiter des Roten Halbmonds, sechs Angehörige des Zivilschutzes und ein Mitarbeiter des UN-Palästinenserhilfswerks UNWRA. Ein PRCS-Angehörender wurde zuletzt vermisst.

Der Generalsekretär des Internationalen Roten Halbmonds (IFRC), Jagan Chapagain, sagte in einem Statement: „Das bricht mir das Herz.“ Die Retter hätten Verwundeten helfen wollen. „Sie trugen Embleme, die sie hätten schützen sollen; ihre Krankenwagen waren klar gekennzeichnet. Sie hätten zu ihren Familien zurückkehren sollen. Sie sind es nicht.“ Chapgain rief alle Konfliktparteien auf, „das Töten zu beenden und alle Retter zu schützen“.

Insgesamt 30 Mitarbeiter des Roten Halbmondes seien in dem Konflikt zwischen den Hamas-Terroristen und Israel bislang ums Leben gekommen. Die Organisation spricht vom „weltweit tödlichsten Angriff auf Mitarbeiter des Roten Halbmonds seit 2017“.

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Israel will auf Hamas-Terroristen geschossen haben

Die israelische Armee sagte ihrerseits, ihre Soldaten hätten das Feuer auf Fahrzeuge eröffnet, die sich „verdächtig bewegt“ hätten. In einem Statement teilte die Armee der Nachrichtenagentur AFP mit, man habe zunächst auf Fahrzeuge der Hamas geschossen und mehrere Terroristen getötet.

„Ein paar Minuten später rückten weiter Fahrzeuge verdächtig auf die Soldaten vor“, die „das Feuer auf die verdächtigen Fahrzeuge eröffneten“. Bei näherer Betrachtung habe sich dann herausgestellt, dass einige der „verdächtigen Fahrzeuge“ Krankenwagen gewesen seien „und ein Feuerwehrfahrzeug“.

Angehörige der getöteten palästinensischen Rettungskräfte trauern in Khan Yunis.
Angehörige der getöteten palästinensischen Rettungskräfte trauern in Khan Yunis. © AFP | EYAD BABA

Bei dem Vorfall sind laut Angaben der israelischen Armee mehrere Hamas-Terroristen und Mitglieder des palästinensischen Islamischen Jihad getötet worden. Wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet, stimmen die Namen der angeblich getöteten Terroristen nicht mit denen der toten Rettungssanitäter und Zivilschützer überein.

Israels Armee hat in der Vergangenheit mehrfach Krankenwagen und Sanitäter beschossen, immer wieder auch unter der Rechtfertigung, bei den Angegriffenen habe es sich um Terroristen gehandelt. Gleichzeitig nutzt auch die Hamas immer wieder Rettungswagen, um ihre Kämpfer zu transportieren.

Die Getöteten wurden am Montag unter großer Anteilnahme in der Stadt Chan Yunis bestattet.