Ein ohrenbetäubender Knall, gefolgt von einer riesigen Rauchwolke am Himmel: So beschrieben Augenzeugen den Einschlag einer Rakete am Flughafen Tel Aviv. Israels Militär ist alarmiert: Es ist das erste Mal, dass eine ballistische Rakete im Bereich des Haupt-Terminals am Flughafen Tel Aviv einschlägt. Abgefeuert wurde sie von den Huthi-Milizen im Jemen. Die Rakete legte also eine Entfernung von mehr als 2000 Kilometern zurück. Dass es den hochmodernen Luftabwehrsystemen der israelischen Luftwaffe dennoch nicht gelang, die Rakete abzufangen, gilt als ein schweres Versagen. Die Armee hat eine interne Untersuchung eingeleitet, um festzustellen, wie es zu dem schweren Einschlag auf so sensiblem Terrain kommen konnte, obwohl die Luftwaffe doch relativ lange Zeit hatte, um die Laufbahn der Rakete zu verfolgen und zu analysieren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Augenzeugen berichten von einer massiven Druckwelle. „Es gab Raketenalarm und dann sofort diesen verrückt lauten Knall“, so beschreibt ein Taxifahrer dem Portal „Ynet“ den Einschlag. „Es gab überhaupt keine Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. Alles hat gezittert, kleine Steine flogen durch die Luft – alle waren in Panik.“
Aktuelle News aus dem Nahen Osten
Gezielter Angriff auf Israels Luftverkehr – Lufthansa streicht Tel Aviv-Flüge
Mindestens sechs Menschen wurden leicht bis mittelschwer verletzt, weitere Passagiere mussten wegen akuten Angstzuständen behandelt werden. Der Flugverkehr wurde gestoppt: Eine Stunde lang durfte kein Flugzeug abheben oder landen. Dass es ausgerechnet an einem Sonntagmorgen zu dem Angriff auf den Flughafen kam, dürfte kein Zufall sein. Der Sonntag ist ein besonders betriebsstarker Tag, am Tag nach der Schabbatruhe treten viele Israelis ihre Rückreise aus dem Ausland an.
Laut einem Sprecher der Flughafenbehörde war es ein Glücksfall, dass zum Zeitpunkt des Angriffs nur ein Flugzeug in der Luft war. Auch an den geparkten Flugzeugen sei kein Schaden entstanden. Der Krater, den das Geschütz beim Einschlag aufgerissen hat, ist enorm: Sein Radius an der Öffnung liegt bei zehn Metern. Der Vorfall sorgt in der Airline-Branche aber für erhebliche Verunsicherung. Einige Fluglinien, darunter auch die Lufthansa-Gruppe, haben ihre Tel-Aviv-Flüge vorübergehend abgesagt.
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Schließlich handelt es sich bei der Attacke nicht um einen Einzelfall: Schon seit Wochen fordern die Huthi-Milizen Israels Luftabwehr heraus. Seit dem Ende der Waffenruhe in Gaza haben die bewaffneten Milizen im Jemen mehr als 25 Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert, und das Tempo der Angriffe nimmt zu: Allein in den vergangenen zwei Tagen lösten vier Raketen die Alarmsirenen in großen Teilen des Landes aus. Allein am Sonntag waren rund drei Millionen Israelis gezwungen, die Luftschutzräume aufzusuchen.
„Wir schlagen sieben Mal so oft zurück“: Israel plant Vergeltung
„Die Eskalation wird weitergehen, solange Israel die Angriffe in Gaza nicht einstellt“, verkündete ein Sprecher der Miliz gegenüber dem Sender Al-Arabiya. Der Angriff auf den Flughafen Ben Gurion sei „ein Beweis für unsere Stärke, selbst gut bewachte Orte in Israel anzugreifen“. Es gebe bei den Angriffen auf Israel „keine roten Linien“.
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Israels Regierung will nun die militärische Strategie im Jemen neu diskutieren. Am Sonntag am späten Nachmittag trat das Sicherheitskabinett zusammen, um mögliche Vergeltungsschläge zu planen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz machte schon vorab kein Geheimnis daraus, dass Israel sich in Zukunft nicht allein auf die USA verlassen wird, um die Huthis abzuschrecken – die Armee will wieder selbst Angriffe fliegen. Die Milizen im Jemen sollten sich auf das Schlimmste gefasst machen, erklärt Katz: „Wer auch immer uns angreift – wir schlagen sieben Mal so oft zurück“.
In den vergangenen Monaten hatte sich Israel weitgehend in die Hände der US-Streitkräfte übergeben, wenn es darum ging, die Huthi-Milizen anzugreifen. Die Trump-Regierung weitete die Schläge im Jemen aus, um das Raketenarsenal der vom Iran gesteuerten Milizen zu minimieren. Wie erfolgreich diese Schläge waren, darüber gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Analysten in den USA warnen, dass man den Druck auf Dauer nicht aufrecht erhalten könne. Neue Gegenschläge der Huthis seien zu befürchten – auch auf US-Ziele in der Region.
Israel bereitet neue Offensiven vor – im Jemen und in Gaza
Militärexperten in Israel sehen die aktuelle Eskalation hingegen mit einiger Zuversicht: Sie werten die gesteigerten Angriffe als Zeichen, dass die Milizen geschwächt sind. So meint ein früherer Militärstratege der Armee, dass die aktuelle Angriffswelle auf Israel den Milizen dazu dient, möglichst viele Raketen einzusetzen, bevor sie in den kommenden US-Angriffen zerstört werden. Wenn Israel nun zusätzlich zu den USA eigene Angriffe fliegt, könnte das den Druck verstärken. Kurzfristig müssten die Israelis dann mit noch mehr Huthi-Attacken rechnen – auf längere Sicht wäre dann aber eine Beruhigung der Jemen-Front möglich, sagt der Experte.
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Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte Sonntagnachmittag in einer Videobotschaft, dass Israels Armee es nicht bei einem einzigen Angriff auf Huthi-Ziele belassen werde. Es werde mehrere Schläge geben, sagte Netanjahu.
Auch an einer anderen Front will die Armee die Kämpfe intensivieren: In Gaza, wo der Krieg nun schon seit fast zwanzig Monaten andauert, sollen die Streitkräfte in neuen Gebieten Präsenz zeigen. Zehntausende Reservisten erhielten den Befehl, sich zu ihren Einheiten zu begeben. Für manche von ihnen ist es bereits der fünfte Einsatz in diesem Krieg.













