Die ukrainische Journalistin Wiktorija Roschtschyna ist unter ungeklärten Umständen mutmaßlich im September 2024 in russischer Gefangenschaft ums Leben gekommen. Mehr als sechs Monate später wurde ihre Leiche an die Ukraine übergeben – mit deutlichen Folterspuren. Das berichten mehrere Medien, darunter der „Spiegel“, die „Washington Post“ und die „Ukrainska Prawda“, am Dienstag unter Berufung auf ukrainische Ermittler. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Wiktorija Roschtschyna verschwand im August 2023, als sie aus der von Russland besetzten Stadt Enerhodar berichtete. In einem Stipendienantrag schrieb sie wenige Wochen zuvor: „Ich habe keine Angst vor Herausforderungen. Ich werde einen Ausweg finden.“

Erst im April 2024, fast acht Monate nach ihrer Festnahme, bestätigten russische Behörden ihre Inhaftierung. Wenige Monate später erhielt ihr Vater ein offizielles Schreiben des russischen Verteidigungsministeriums: Roschtschyna sei am 19. September 2024 gestorben. Eine Todesursache wurde nicht genannt, wie „Reporter ohne Grenzen“ berichtet. Auch die Leiche wurde der Familie nicht übergeben. Erst Ende Februar 2025 kam der Leichnam gemeinsam mit 756 anderen Opfern zurück in die Ukraine – mit gravierenden Spuren schwerster Misshandlungen.

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Folterverdacht nach Tod ukrainischer Reporterin – Körper zeigt gravierende Verletzungen

Laut einer gemeinsamen Recherche von „Suspilne“, „Slidstvo.info“, „Graty“ und „Reporter ohne Grenzen“ fehlt dem Körper der Journalistin ein Teil des Kehlkopfes, das Zungenbein ist gebrochen, Augen und Teile des Gehirns wurden entfernt. Ein vom kremlkritischen Investigativportal „Meduza“ zitierter Forensiker erklärte: „Die Entfernung des Kehlkopfes bei einer Autopsie ist nicht üblich. Der Kehlkopf kann ein starkes Indiz für eine Strangulierung sein. Wenn eine Person stranguliert wird, ist das Zungenbein oft gebrochen. Auch finden sich Blutungen im Augengewebe und Anzeichen von Sauerstoffmangel im Gehirn“.

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Zusätzlich wies der Leichnam Hämatome, Prellungen, Rippenbrüche und mutmaßliche Brandwunden an den Füßen auf – Hinweise auf Elektroschocks. Der ukrainische Chefankläger für Kriegsverbrechen, Jurij Beloussow, bestätigte gegenüber „Reporter ohne Grenzen“, dass Folterspuren in mehreren Körperregionen festgestellt wurden. Die Todesursache sei wegen des Zustands der Leiche nicht eindeutig feststellbar.

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„Folterlager für Ukrainer“: Neue Details zu Roschtschynas Tod in russischer Haft

Nach ihrer Festnahme wurde Roschtschyna laut Zeugenaussagen eines Mitinsassen zunächst in einem geheimen Haftort in Melitopol festgehalten. Ende 2023 verlegten die Behörden sie in das Gefängnis von Taganrog – ein berüchtigter Haftkomplex in Südwestrussland, der laut „Reporter ohne Grenzen“ zu einem „Folterlager für Ukrainer“ umfunktioniert wurde. Elektroschocks, Nahrungsentzug, medizinische Vernachlässigung, psychischer Druck – Ehemalige Häftlinge bezeichnen das Gefängnis als „Hölle auf Erden“.

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Ein Mitinsasse von Roschtschyna berichtete gegenüber „Slidstvo.info“, Wärter hätten die Journalistin bedroht, ihre Mithäftlinge eingeschüchtert und versucht, sie zwangszuernähren nachdem Roschtschyna in einen Hungerstreik getreten war. Ihr Zustand verschlechterte sich ab Frühjahr 2024 rapide. Im Juni – neun Monate nach ihrer Verhaftung – wog sie laut den Zeugenaussagen nur noch 30 Kilo und konnte ihren Kopf kaum heben.

Erst Ende Juni 2024 wurde sie in ein Krankenhaus gebracht. Danach kehrte sie in Einzelhaft zurück, schien sich laut Medienberichten kurzfristig etwas zu erholen, führte sogar ein kurzes Telefonat mit ihrer Familie. Am 8. September wurde sie zuletzt lebend gesehen. Elf Tage später erklärten die russischen Behörden sie für tot. Was in dieser Zeit geschah, bleibt ungeklärt.

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Mindestens 19 ukrainische Journalisten in russischer Haft

Die Recherchen zeigen, die Informationslage ist dünn – nicht nur im Fall Roschtschyna. Russische Behörden veröffentlichen häufig nur unvollständige Angaben, liefern keine Belege und verweigern systematisch unabhängige Einblicke. „Reporter ohne Grenzen“ bezeichnet diese Praxis als Teil einer gezielten Strategie der Einschüchterung gegenüber Familienangehörigen verschwundener Ukrainer.

Nach Angaben der Organisation sitzen derzeit mindestens 19 ukrainische Journalistinnen und Journalisten in russischer Haft – unter teils ebenfalls unbekannten Bedingungen.