Eigentlich überrascht in der Ukraine niemanden mehr, was russische Kriegsverbrechen betrifft – auch nicht drei Jahre nach Beginn der Vollinvasion. Denn das, was in Städten wie Butscha, Isjum oder Mariupol geschah, hat die ganze Welt gesehen. Und doch erschüttert der Fall der Journalistin Wiktorija Roschtschyna derzeit das gesamte Land. Sie arbeitete lange für das renommierte ukrainische Medium „Hromadske“ und berichtete intensiv über Konflikte in und außerhalb der Ukraine. Später ist sie in russischer Gefangenschaft ums Leben gekommen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Ursprünglich hätte Roschtschyna bereits im September vergangenen Jahres im Rahmen eines Gefangenenaustauschs in die Ukraine zurückkehren sollen – doch das geschah nicht. Drei Wochen später erhielt ihre Familie die Nachricht von ihrem Tod. Erst im Februar wurde ihre Leiche in die Ukraine überführt – in einem Beutel, der als Behältnis für die sterblichen Überreste eines unbekannten Mannes deklariert war.
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Ukraine-Krieg: Journalistin stirbt in russischer Gefangenschaft – der Leiche fehlten Augen, Gehirn und Teil des Kehlkopfs
Wie ein internationales Journalistenteam – darunter die „Ukrajinska Prawda“, der „Guardian“ und die „Washington Post“ – nun recherchiert hat, fehlten der Leiche mehrere Organe: unter anderem die Augäpfel, das Gehirn und ein Teil des Kehlkopfs. Außerdem war das Zungenbein gebrochen. Die genaue Todesursache konnten ukrainische Ermittler bisher nicht klären. Dass Roschtschyna in Gefangenschaft gefoltert wurde und wahrscheinlich daran starb, gilt jedoch als nahezu sicher.
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Expertinnen und Experten vermuten, dass die Entnahme der Organe dem Zweck diente, Spuren einer Strangulation zu beseitigen. Eine forensische Untersuchung der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft stellte jedenfalls „Anzeichen von Folter und grausamer Behandlung“ fest. Dokumentiert wurden unter anderem Abschürfungen, Blutungen, eine Verletzung im Nackenbereich und mögliche Spuren von Elektroschocks. Roschtschynas Haare waren abrasiert.

Ukrainische Journalistin recherchierte in der Region Saporischschja
Im Sommer 2023 war die Journalistin nach Russland gereist, um über die Zustände in den russisch besetzten Gebieten zu berichten. Sie hielt sich unter anderem in Berdjansk und Enerhodar auf – beide Städte liegen im okkupierten Teil der Region Saporischschja.
Enerhodar, wo sich das derzeit von Russland kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja befindet, war der letzte Ort, an dem sie in Freiheit gesehen wurde. Dort bemerkte Roschtschyna, die mit 16 Jahren als Journalistin zu arbeiten begonnen hatte, dass sie verfolgt wurde. Eine Zellengenossin berichtete später, Roschtschyna habe kurz vor ihrer Festnahme eine Drohne über sich gesehen.
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Journalistin wog nur noch 30 Kilogramm
Zunächst wurde sie einige Tage in Enerhodar festgehalten, dann in eine Industriezone in Melitopol gebracht – ebenfalls in der Region Saporischschja. Der Ort ist dafür bekannt, dass Russland dort Gefangene interniert. Dort soll Roschtschyna mehrere Monate lang gefoltert worden sein. Dabei war sie selbst in die Region gekommen, um explizit zu Foltergefängnissen in den besetzten Gebieten zu recherchieren.
In kritischem Zustand wurde sie schließlich in ein Gefängnis im russischen Taganrog verlegt, nahe der ukrainischen Grenze in der Region Rostow. Zu diesem Zeitpunkt wog sie nur noch 30 Kilogramm. Im Juni 2024 wurde sie kurzzeitig in ein Krankenhaus eingeliefert – kehrte jedoch binnen weniger Wochen ins Gefängnis zurück.
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Wiktorija Roschtschyna durfte noch mit ihren Eltern telefonieren
Im September durfte sie erstmals mit ihren Eltern telefonieren. „Papa, Mama, ich liebe euch. Macht euch bereit für ein Wiedersehen. Mir wurde versprochen, dass ich im September zu Hause sein werde“, sagte sie – es waren die letzten Worte, die ihre Eltern von ihr hörten. Am darauffolgenden Tag fand ein Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine statt. Roschtschyna kehrte jedoch nicht zurück.
Am 10. Oktober erhielt ihr Vater ein Schreiben des russischen Verteidigungsministeriums, in dem der Tod seiner Tochter bestätigt wurde. Obwohl eine DNA-Analyse die Übereinstimmung der gefundenen Leiche mit Roschtschynas DNA zu 99,999 Prozent belegt, weigern sich ihre Eltern, den Tod ihrer Tochter zu akzeptieren. Sie fordern eine erneute Untersuchung. Doch es gibt kaum Hinweise darauf, dass die 27-jährige Journalistin noch am Leben ist.

















![DIESES FOTO WIRD VON DER RUSSISCHEN STAATSAGENTUR TASS ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. [RUSSIA, LUGANSK PEOPLE'S REPUBLIC - JULY 29, 2026: A serviceman from the military commandants office of the Lugansk People's Republic performs an air defence duty to protect the airspace of the Lugansk People's Republic. Alexander Reka/TASS] Air defence in Lugansk People's Republic, Russia](https://img.sparknews.funkemedien.de/412741926/412741926_1785999935_v16_9_1200.jpeg)



