Über 50 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung soll jetzt auch Deutschland nachziehen: Die angehende Bundesregierung will eine deutsche Astronautin oder einen deutschen Astronauten zum Mond schicken. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Wir streben an, dass eine deutsche Astronautin oder ein deutscher Astronaut im Rahmen einer internationalen Mission zum Mond fliegt.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch soll es um mehr als das gehen. CDU, CSU und SPD betonen: „Raumfahrt ist eine Zukunfts- und Schlüsseltechnologie und auch für unsere Sicherheit und unsere militärischen Fähigkeiten zentral.“ Vor diesem Hintergrund bekommt das Thema nun erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ein eigenes Ministerium – für Technologie, Forschung und Raumfahrt. Zuständig: die CSU.

Raumfahrt im Koalitionsvertrag: CSU soll „Hightech-Ministerium“ führen

Ganz neu ist dieser Kurs nicht. Schon 2018 stellte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder seine Raumfahrtinitiative „Bavaria One“ vor – samt Logo mit Rakete und weiß-blauem Himmel. Damals wurde noch gewitzelt, doch der CSU-Chef verfolgte ein klares Ziel: Bayern sollte ein Zentrum für Raumfahrt und Luftfahrttechnologie werden. Jetzt ist diese Vision bundespolitisch verankert.

Mit dem neuen Ministerium will die CSU einen „echten Hightech-Schub“ für Deutschland anstoßen. Ein Parteisprecher betont gegenüber unserer Redaktion: „Mit dem neu geschaffenen Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gibt es erstmals ein echtes Hightech-Ministerium in Deutschland.“ Bayern sei mit der Hightech Agenda von Markus Söder bereits heute Vorreiter in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Fusionsreaktorforschung oder Raumfahrt.

„Dass die Kompetenzen dafür nun in einem eigenen Hightech-Ministerium gebündelt sind, hilft der gesamten Zukunfts-, Raum- und Luftfahrtbranche und insbesondere dem Standort Bayern.“ Auch sicherheitspolitisch sei der Ausbau strategischer Technologien zentral: Die CSU verweist auf die geplante Förderung von Verteidigungsforschung, Cybersicherheit sowie auf eine engere Zusammenarbeit von Bundeswehr, Wirtschaft und Wissenschaft.

The Exploration Company in Planegg, 2025
Im Juni soll diese Raumkapsel des bayerischen Start-Ups The Exploration Company auf Mission ins All gehen. © picture alliance / SZ Photo | Robert Haas

Deutschland hätte das Potenzial, eine führende Rolle zu übernehmen

„Ich finde es konsequent, die Raumfahrt nun im Ministeriumstitel sichtbar zu machen“, sagt Prof. Dr. Andreas Knopp, Professor für Satellitenkommunikationstechnologien und Sprecher des Forschungszentrums SPACE an der Universität der Bundeswehr München. „So wird sie ein Stück weit in die Regierungsverantwortung gehoben.“ In Frankreich sei das schon lange der Fall. Präsident Emmanuel Macron erklärte das Thema Raumfahrt in mehreren Reden zur nationalen Priorität und siedelte es im Élysée-Palast an. Anders in Deutschland: „Bei uns war Raumfahrt bisher ein Thema unter vielen. Jetzt wird es stärker zur Chefsache – das ist wichtig, um deutsche Unternehmen und Technologien auch auf europäischer Ebene zu positionieren.“

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Dabei hätte Deutschland längst das Potenzial, eine führende Rolle einzunehmen. Es ist nach Frankreich der zweitgrößte Beitragszahler der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Doch hat das Thema Raumfahrt in den vergangenen Regierungen eher eine Nebenrolle gespielt. Die letzten drei Bundesregierungen glichen lediglich die Inflation aus – anstatt gezielt zu investieren. Zuletzt kürzte die Ampelregierung den Etat sogar.

Technologie, Forschung und Raumfahrt: Ministerium soll Interessen bündeln

Auch die Organisation war bislang zersplittert. „Raumfahrtforschung war bisher von den Zuständigkeiten her oft schwierig“, erklärt Knopp. „Bei der Grundlagenforschung war das Ministerium für Bildung und Forschung eher zurückhaltend, da Raumfahrt als Thema für das Wirtschaftsministerium galt.“ Dieses hätte zwar eigene Förderkanäle gehabt, die aber stark auf die Industrie ausgerichtet gewesen seien. Mit dem neuen Ministerium sollen diese Interessen nun erstmals gebündelt werden.

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Dabei wird auch die Forschung organisatorisch vom Bildungsressort getrennt und in den neuen Bereich überführt. Dies mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, so Knopp, „zeigt aber meiner Ansicht nach: Man hat erkannt, dass wir technologisch aufholen müssen – auch in der Raumfahrt.“ Gleichzeitig dürften dabei Bildungsziele nicht aus den Augen verloren werden: „Zu hoffen bleibt allerdings, dass unsere Bildungsziele trotzdem ambitioniert und eng mit der Forschung verbunden bleiben, denn die Einheit von Forschung und Lehre ist und bleibt Wesenskern deutscher Universitäten“, so Knopp.

Wie der Ukraine-Krieg die Rolle der Raumfahrt verändert

Gerade im Bereich Raumfahrt ist das Aufholen jedoch wichtiger denn je. Denn sie gilt längst als sicherheitsrelevante Infrastruktur. „Wir müssen in der Forschung und Entwicklung massiv nachziehen“, sagt der Professor. Denn: Wer keine eigenen Satelliten und Startkapazitäten besitzt, ist im Ernstfall abhängig – und damit anfällig für geopolitische Spannungen. „Der Krieg in der Ukraine hat deutlich gemacht, wie wichtig diese Technologien sind“, so Knopp. „Und dass wir in Europa momentan nicht in der Lage sind, sie eigenständig im erforderlichen Umfang bereitzustellen.“

Wie verletzlich Europas Position ist, zeigt sich auch bei Raketenstarts: Viele wichtige EU- und ESA-Missionen – darunter auch militärische Aufklärungssatelliten der Bundeswehr – starteten zuletzt mit Raketen von Elon Musks Firma SpaceX. Der Grund: Die US-Technik ist zuverlässig – und unschlagbar günstig. Europa hingegen hinkt bei der Entwicklung vergleichbarer Systeme hinterher.

Eine Space-X-Rakete startet.
Die angehende Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD möchte zukünftig die Raumfahrtindustrie in Deutschland stärken.© AFP | Gregg Newton

Dass sich das nun ändern soll, hat vermutlich auch mit geopolitischen Entwicklungen zu tun. US-Präsident Donald Trump sowie SpaceX-Chef Elon Musk haben wiederholt signalisiert, dass sie auf internationale Kooperationen verzichten könnten – oder diese nur zu ihren Bedingungen fortführen. Die Zusammenarbeit mit Europa ist damit akut gefährdet. 

Raumfahrt in Deutschland: Das soll sich zukünftig ändern

Ziele, wie die im Koalitionsvertrag verankerte deutsche Beteiligung an einer Mondmission, seien in diesem Kontext zwar spannend. „Aber sie sind momentan nicht das Dringlichste“, sagt Knopp. „Im Zentrum steht heute die Sorge, dass wir ohne eine enge Zusammenarbeit mit den USA sicherheitsrelevante Fähigkeiten verlieren könnten.“ Dies betreffe insbesondere die Aufklärung und Kommunikation.  

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Hier setzt die neue Raumfahrtstrategie an. Deutschland soll laut Koalitionsvertrag gemeinsam mit der EU eigene Startkapazitäten aufbauen – etwa über eine Startplattform in der Nordsee – und den Trägerraketensektor stärken. Diese Initiativen sollen nicht nur die deutsche Raumfahrtindustrie fördern, sondern auch die Voraussetzungen schaffen, um Satelliten künftig von europäischem Boden aus ins All zu bringen.

Zudem plant die angehende Bundesregierung, sich stärker an der ISS-Nachfolgelösung, IRIS² (sicheres Satelliteninternet) sowie am Navigationssystem Galileo zu beteiligen. Auch „kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups“ sollen laut Koalitionsvertrag einfacher am Markt für Raumfahrtlösungen teilnehmen können. Dabei soll der Staat auch stärker als Kunde auftreten. Das Ziel: Deutschland als innovationsstarken Raumfahrtstandort etablieren.