Eine Gelegenheit, Umsätze zu machen oder sich persönlich zu bereichern, lässt US-Präsident Donald Trump niemals aus. Selbst, wenn dies bedeutet, dass er die Würde seines hohen Amts kompromittiert. Eine Ausnahme macht Trump nicht einmal für christliche Feiertage, einschließlich des diesjährigen Ostermontags. Erstmals in der Geschichte verkauft das Weiße Haus Eintrittskarten für den sogenannten „Easter Egg Roll“ an multinationale Konzerne.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Diese können dann einen Tag lang bei einem Kinderfest auf dem Südrasen des Weißen Hauses ihre Autos, Frühstückmüslis, Smartphones, Küchengeräte oder Sportklamotten bewerben. Rechtsexperten sprechen von einem klaren Gesetzesverstoß. Doch von Regeln oder Vorschriften hat sich Trump noch nie beirren lassen.
Der „Easter Egg Roll“, bei dem Kinder mit einem Löffel hartgekochte Eier vor sich herschieben, hat in Washington Tradition. Bis ins späte 19. Jahrhundert wurden die freundlichen Wettrennen um das schnellste Ei, das intakt die Ziellinie überquert, auf dem Gelände des Kapitols ausgetragen. Als die anschließenden Aufräumarbeiten aber zu teuer wurden, strich der Kongress das Event.
Eierlauf mit Beigeschmack
Der damalige Präsident Rutherford B. Hayes wollte die Tradition aber fortsetzen und bot dafür den weitläufigen Südrasen des Weißen Hauses an. Seit 147 Jahren mischen sich Präsidenten unters Volk, wechseln ein paar Worte mit Familien und Kindern und betonen in einer kurzen Ansprache die Bedeutung des Osterfests für Christen in aller Welt. Auf Plakaten und bemalten Ballons stehen typischerweise die wichtigsten Schulfächer und Sprüche, die Kinder animieren sollen, fleißig zu lernen.
Unter Trump wird die Traditionsveranstaltung aber einen anderen Beigeschmack haben. Denn bisher hatte der „American Egg Board“, der Dachverband der amerikanischen Eierproduzenten, die Veranstaltung subventioniert. Der Verein versteht es als seine „Mission“, die einschlägige Branche der heimischen Landwirtschaft zu unterstützen „und den Eierverkauf zu fördern“.
Einige Organisationen kritisieren die diesjährige Veranstaltung wegen der Knappheit an Hühnereiern als Folge der Vogelgrippe. So sind in vielen Supermärkten Eier seit Monaten nicht zu haben.
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Eier in den USA immer teurer
Dort, wo der Einzelhandel noch Vorräte hat, wurden die Preise auf bis zu 11 Dollar für ein Dutzend hochgeschraubt. Das wiederum ärgert Nancy Wilkens, Inhaberin eines Lebensmittelgeschäfts in einem Vorort von Baltimore, Maryland. „Meine Kunden können sich das nicht mehr leisten“, sagt sie. Dass nun Tausende hartgekochte Eier „für ein Spektakel im Weißen Haus verschwendet werden, bei dem Trump sich wieder in Szene setzen will, das ist einfach falsch“.
Dieses Jahr wird jedenfalls der „Egg Board“ zweite Geige spielen. Denn zum ersten Mal in der Geschichte können Sponsoren die Tickets kaufen, und billig sind sie nicht. Die Geldgeber können zur Markeninszenierung unter drei Paketen auswählen, die zwischen 75.000 und 200.000 Dollar kosten. Firmen, die sich für die teuerste Variante entscheiden, bekommen einen Ausstellungsstand und dürfen mit First Lady Melania an einem opulenten Frühstück teilnehmen.

Dazu kommen eine private Tour des Weißen Hauses, die Gelegenheit, mit Journalisten aus dem White House Press Corps zu sprechen und 150 Karten, die Sponsoren an Freunde, Familie und Mitarbeiter verteilen können.
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Erhält Trump eine Gewinnbeteiligung?
Zwar sollen die Erlöse der „White House Historical Association“ zufließen. Da die Einnahmen aber von Trumps Buchhaltern verwaltet werden, kursieren längst Gerüchte, wonach der Präsident zumindest eine „Gewinnbeteiligung“ einbehalten will. Von der Legalität ganz zu schweigen. Schließlich ist es streng verboten, den Regierungssitz zur Ausrichtung einer privaten Firmenveranstaltung zu nutzen.
Dabei wäre es nicht für Trump das erste Mal. Er nutzte den Rasen des Weißen Hauses bereits, um sich in einen roten Tesla zu setzen und für den Konzern seines Mega-Spenders Elon Musk zu werben.
Unterdessen reagieren Rechtsexperten mit ungläubigem Kopfschütteln auf die Kaltschnäuzigkeit des Präsidenten. Richard Painter war unter dem ebenfalls republikanischen Präsidenten George W. Bush als Rechtsanwalt im Weißen Haus tätig. Spezialisiert war der angesehene Jurist auf Ethikverstöße. Er hatte die Aufgabe, Mitarbeiter des Präsidenten entsprechend aufzuklären und somit rechtlich fragwürdigen Interessenkonflikten vorzubeugen.
„Präsident Bush hätte dieses Ansinnen, nämlich Sponsoren anzuwerben, postwendend blockiert, und wohl auch jeder andere Präsident außer Trump“, schimpft Painter. Er weist darauf hin, dass der Regierungssitz ein „Haus des Volkes“ ist und „kein Fußballstadion, wo es von bezahlten Firmenlogos und Schleichwerbung wimmelt“.

Trump-Regierung verweist auf Obama
Die Trump-Administration reagiert gelassen auf die Kritik. Stabsmitarbeiter des Präsidenten weisen darauf hin, dass sein erster Vorgänger Barack Obama sich auch nicht zu schade gewesen sei, um an der 1600 Pennsylvania Avenue private Geldgeber glänzen zu lassen. Er war während seines letzten Jahres im Amt Gastgeber der Tech-Messe „South by South Lawn“.
Die Veranstaltung, die von einem Popkonzert begleitet wurde, sollte ein modernes Replik des berühmten Musikfestivals „South by Southwest“ sein. Dort zögerte Obama nicht, die Sponsoren aufzulisten, bei denen sich der 44. Präsident individuell bedankte. Unter ihnen Hyatt Hotels, die Kaffeehauskette Starbucks, die Kaufhauskette Target und die traditionsreiche Publikation „National Geographic“.










