Vollmundige Versprechen gehören bei US-Präsident Donald Trump zur Tagesordnung. Nach der Verkündung von Einfuhrzöllen gegen fast alle Handelspartner sagte er vorletzte Woche, dass diese langfristig gut für die Wirtschaft seien. „Firmen werden in den USA neue Fabriken bauen, in der Heimat produzieren und Millionen neue Jobs schaffen!“, gelobte der 47. Präsident. Auch würde es auf diesem Wege gelingen, „ausländischen Regierungen und Schummlern, die unsere Jobs gestohlen und unsere Fabriken ausgeplündert haben“, das Handwerk zu legen. Die Rede anlässlich der Unterzeichnung des Zoll-Dekrets war zugleich eine Kampfansage an alle Wirtschaftspartner, die gegenüber den USA einen Handelsüberschuss haben. Im Fadenkreuz befinden sich vor allem China, die EU sowie die direkten Nachbarländer Kanada und Mexiko.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Logik war nachvollziehbar, zumindest in der Theorie: Wer in den USA produziert, ob es Autos, Computer-Chips, Spielzeuge, Stahl, Möbel oder Textilien sind, „der muss Null Zölle zahlen, Null!“. Damit glaubt Trump, der seit Jahrzehnten abbröckelnden US-Industrie neues Leben einhauchen zu können. Peter Navarro, der leitende handelspolitische Berater des Präsidenten, wird konkreter. „Unser langfristiges Ziel ist es, bei Fabriken im mittleren Westen, die kaum noch fertigen, die Produktion bis zur 100-prozentigen Auslastung hochzufahren“.
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Trumps Zölle lassen in den USA Verbraucher und Unternehmer zittern
Der Optimismus, den Trump versprüht, teilen aber nur die wenigsten Experten. Und auch Unternehmen, die profitieren sollen, bleiben skeptisch. Besonders irritiert sind Inhaber von Klein- und Mittelbetrieben. Isaac Larian, der Geschäftsführer der kalifornischen Firma „MGA Entertainment“, verkauft einige der beliebtesten Spielzeuge in den USA. Sein Sortiment besteht überwiegend aus chinesischen Importen. „Allmählich werde ich richtig sauer“ sagte Larian, der im vergangenen November für Trump gewählt hatte.
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Sein Unternehmen hat in nur zwei Wochen mehr als 10 Millionen Dollar an Zöllen gezahlt. Für die Puppen und andere Spielwaren, die MGA selbst herstellt, wollte er eine neue Fabrik in Ohio bauen und dort 700 Mitarbeiter einstellen. „Diese Pläne habe ich nun aber auf Eis legen müssen“, stellt der Unternehmer mit resigniertem Kopfschütteln fest.
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„Kann sein, dass ich meine gesamte Belegschaft entlassen muss“
Noch nervöser ist Sarah McDonald, Inhaberin von „Out There Outfitters“ in Pennsylvania. Ihr Laden verkauft Outdoor-Bekleidung. „Die Zölle waren eine Botschaft an so ziemlich jeden Kleinbetrieb in Amerika, dass wir den Laden dicht machen können“. Verwirrt ist McDonald sowohl über die Höhe der Zölle als auch die Unvorhersehbarkeit des Präsidenten, der mal Abgaben verkündet, sie dann aber plötzlich wieder aussetzt. „Bei dieser Unsicherheit kann es sein, dass ich meine gesamte Belegschaft, das sind 15 Mitarbeiter, entlassen muss“, sagt die Ladeninhaberin.
Das hohe Maß an Verunsicherung betrifft aber nicht nur Unternehmer. Auch die Verbraucher, deren Ausgaben In den USA mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmachen, fühlen sich bedroht. Der angesehene Index der Verbraucherstimmung der University of Michigan verlor seit Ende vergangenen Jahres mehr als 30 Prozent seines Werts. Befragte Haushalte rechnen demnach aufgrund der Zölle sowohl mit schlechteren Jobaussichten als auch empfindlichen Preiserhöhungen. In den kommenden 12 Monaten glauben sie sogar, dass die Inflationsrate von derzeit weniger als 3 Prozent auf 6,7 Prozent steigen wird. Zudem signalisiert der Index des Verbrauchervertrauens des Forschungsinstituts Conference Board, dass Konsumenten nun fest mit einer Rezession rechnen.
News aus den USA
Ökonomen: USA haben sich zur Dienstleistungsgesellschaft entwickelt
Unterdessen schätzen Ökonomen die Chancen auf eine „Re-Industrialisierung“ der US-Wirtschaft aus strukturellen Gründen pessimistisch ein. Sie weisen darauf hin, dass die USA seit über einem halben Jahrhundert langsam aber unaufhaltsam von einer Industrienation zu einer Dienstleistungsgesellschaft mutiert sind. Schließlich arbeitete Anfang der siebziger Jahre jeder vierte berufstätige Amerikaner in der Industrie. Ob bei den damaligen „Big Three“ Autoherstellern GM, Ford und Chrysler, als Stahlkocher in Pennsylvania, beim Pharmakonzern Johnson and Johnson oder in der Lebensmittelindustrie.
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Heute hingegen sind nur noch 8 von 100 erwerbstätigen US-Bürgern in der Industrie beschäftigt. Die drei führenden Arbeitgeber – an der Zahl der Mitarbeiter gemessen – waren Anfang 2025 öffentliche Schulen, Krankenhäuser und Fast-Food Restaurants. Zusammen beschäftigen sie mehr als 18 Millionen Menschen. Zu den verbleibenden Branchen unter den Top 10 zählen ausschließlich Dienstleister. Unter anderem Arbeitsvermittler, Universitäten, Supermärkte und Consulting Firmen.

Wunsch nach politischer Stabilität
An diesem Trend, davon sind Ökonomen fest überzeugt werden auch die Zölle nichts ändern. Zwar wird die heimische Produktion damit „belohnt“, dass die Unternehmen keine Importzölle zahlen müssen. „Das allein wird aber Firmen, die heute noch im Ausland fertigen, keineswegs ausreichen, um Fabriken in den USA bauen“, sagt Mark Zandi, Chefvolkswirt bei Moody‘s Analytics. Er nennt als Hauptgründe die politische Volatilität und die mangelnde Planungssicherheit unter der Trump-Administration. „In einem so unsicheren Umfeld werden sich nur wenige Unternehmen veranlasst sehen, um ihre Produktion in die USA zu verlagern“, ist Zandi überzeugt. Trumps Traum von einer „Wiedergeburt der US-Industrie“ und einem Boom am Arbeitsmarkt könnte sich also als Illusion erweisen.














