Zusammenfassung
- Ksenija Petrowa, eine hochqualifizierte Bioinformatikerin an der „Harvard Medical School“, sitzt in den USA in Abschiebehaft, nachdem sie Froschembryonen und Petrischalen nicht korrekt deklariert hat.
- Die Inhaftierung von Petrowa wirft ein Schlaglicht auf die verschärften Einwanderungskontrollen unter der Trump-Regierung, die auch hochqualifizierte Wissenschaftler betreffen.
- Petrowas Fall ist Teil eines größeren Trends, bei dem russische Staatsbürger, die in den USA Zuflucht suchen, zunehmend Schikanen und langen Haftzeiten ausgesetzt sind.
So hat sich die junge Bioinformatikerin Ksenija Petrowa ihre Rückkehr in die USA nicht vorgestellt: Am 16. Februar kam sie von einer privaten Reise aus Frankreich zurück, reiste am Logan-International-Airport in Boston ein. Zurück zur Arbeit am ‚Kirschner Lab‘ der ‚Harvard Medical School‘. Dort betreibt sie Zellforschung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Was nach der Gepäckkontrolle geschah, das wirft ein Schlaglicht auf den derzeitigen Abschiebewahn der Vereinigten Staaten unter US-Präsident Donald Trump. Ksenija Petrowa ist keine illegale Migrantin, sie hatte ein gültiges US-Visum als Wissenschaftlerin. Im Gepäck fand der Zoll keine Waffen oder Drogen, sondern Proben von Froschembryonen und Petrischalen. Leon Peshkin, ihr Chef an der Medical School, hatte sie gebeten, die Proben von einem französischen Wissenschaftler abzuholen und mitzubringen. In ihrer schlampig ausgefüllten Zollerklärung vergaß Petrowa, die Proben zu erwähnen und wurde erwischt. Normalerweise kostet ein derartiges Versehen 500 Dollar Strafe – doch nun sitzt die junge Russin in Abschiebehaft.
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Trump Abschiebewahn trifft die Harvard-Wissenschaftlerin am Flughafen
Noch am Flughafen wurde Ksenija Petrowa festgenommen, kam zunächst in eine Haftanstalt für Migranten in Vermont und wurde dann nach Lousiana verlegt. Dass sie eine hoch qualifizierte Wissenschaftlerin ist, „die Beste, die ich in 20 Jahren in Harvard je gesehen habe“, wie ihr Chef sagt, das nutzte ihr nichts. Das US-Heimatschutzministerium bestätigte Petrowas Inhaftierung, sie habe „wissentlich gegen das Gesetz verstoßen“, indem sie versucht habe, nicht deklarierte Froschembryos und Petrischalen durch den Zoll zu „schmuggeln“.
Laut ihrer Kollegin Cora Anderson ist Ksenija Petrowa in einer Zelle mit 80 anderen Frauen untergebracht. Unter menschenunwürdigen Bedingungen. Und wartet dort auf ihr Gerichtsverfahren. Immerhin hat sie einen Rechtsanwalt, er unterstützt sie vor Gericht und bei der Beantragung eines neuen Visums. Klar, sagt ihr Anwalt Gregory Romanovsky, es sei „ihr Fehler“ gewesen. Dem US-Zoll- und Grenzschutz wirft er vor, sie durch den Entzug ihres Visums „bestrafen“ zu wollen. Zudem sei es „ziemlich wahrscheinlich“, dass sie im Falle einer Abschiebung nach Russland eine lange Gefängnisstrafe erhalten würde.
Wahrscheinlicher wäre eine Abschiebung nach Frankreich, Petrowa hat ein gültiges Schengen-Visum. Doch auch nach Russland könnte sie abgeschoben werden. Und dort droht ihr in der Tat ein Strafverfahren. Zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine postete sie auf ihrer Facebook-Seite mehrere Links zu Antikriegsvideos und unterschrieb eine Petition, in der sie Russlands Präsidenten Wladimir Putin zum Rücktritt aufforderte.
In den USA haben etwa 120.000 russische Staatsbürger seit 2022 Zuflucht gesucht
Ksenija Petrowa ist nicht aus Russland geflohen. Sie hat als Wissenschaftlerin ihre Karrierechance in den USA wahrgenommen, ist in Havard hochgeschätzt. Doch der Verdacht liegt nahe: In die Fänge der US-Behörden ist sie geraten, weil sie Russin ist.
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Knapp 120.000 russische Staatsbürger hätten seit 2022 Zuflucht in den USA gesucht. Das berichtet die Zeitung „Moscow Times“. Oppositionelle, aber auch queere Menschen, die sich in ihrer Heimat nicht mehr sicher fühlen. An den US-Grenzen sind sie zunehmend Schikanen ausgesetzt. Die 26-jährige Galina Kaplunowa aus Sankt Petersburg zum Beispiel. Sie floh mit ihrem vierjährigen Kind und ihrer Mutter. In Russland hatte Kaplunowa für die Antikorruptionsstiftung des verstorbenen Kremlkritikers Alexej Nawalny gearbeitet, wurde bei Demonstrationen der Opposition festgenommen.
Über Mexiko wollte sie als Asylsuchende in die USA einreisen, so die „Moscow Times“. Sie registrierte sich und wartete 36 Tage auf ihren Termin – relativ kurz, verglichen mit anderen Asylbewerbern. Dann sei Galina zu einem Gespräch mit dem US-Grenzschutz vorgeladen worden. Der Schock folgte. „Es war fast Mitternacht, und mein Kind schlief in meinen Armen, als mir ein Beamter ein Papier reichte, auf dem stand, dass ich in ein Internierungslager gebracht werden sollte“, berichtet Galina. „Ich sah den Beamten an und sagte: ‚Ich kann jetzt nicht gehen, ich habe ein Kind‘. Aber er teilte mir mit, dass mein Kind in der Obhut der US-Einwanderungs- und Zollbehörde bleiben würde.“

Zwei Monate blieb Galina Kaplunowa in Haft. Dann durfte sie ihren Sohn, der in der Zwischenzeit bei einer Pflegefamilie war, wieder in die Arme schließen. Die beiden konnten in den USA bleiben. „Sobald sie die Grenze überquert haben, werden viele russische Antragsteller monatelang in Einwanderungszentren festgehalten, während sie auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warten – ein Trend, der sich in den letzten Monaten offenbar verstärkt hat“, so die ‚Moscow Times‘.
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Die junge Wissenschaftlerin Ksenija Petrowa ist nach wie vor in Haft. Ihre Kollegin Cora Anderson schreibt, dass sie möglicherweise ein neues Arbeitsvisum bekommen könnte. Ihr Anwalt hat mehrere Petitionen eingereicht, zudem einen Antrag auf Freilassung auf Bewährung, der am 14. März abgelehnt wurde, sowie einen Asylantrag und eine Anfechtung des Visumswiderrufs. Petrowas Freunde und Kollegen haben eine Spendenkampagne organisiert, zur Deckung vor allem ihrer Anwaltskosten. Über 40.000 Dollar sind angeblich bislang eingegangen. Für den 7. Mai ist Petrowas Vorverhandlung angesetzt. Und das alles wegen ein paar Froschembryonen. Und einer schlampig ausgefüllten Zollerklärung.








