Da hat sich US-Präsident Donald Trump wohl verrechnet. Nachdem er gegen China einen zusätzlichen Zoll von 34 Prozent verhängt hatte, bot der US-Präsident der chinesischen Regierung gönnerhaft Verhandlungen an: Er wollte für den Verkauf des chinesischen Kurzvideodienstes TikTok einen Zollnachlass gewähren. Doch Peking ignorierte die Offerte und schlug am Freitag zurück: Auf alle aus den USA importierten Waren werden nun ebenfalls zusätzliche Zölle in Höhe von 34 Prozent fällig, am 10. April geht es los, kündigte das chinesische Finanzministerium an.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Zudem führt China Exportkontrollen für sieben seltene Erden ein, darunter das bei der Magnetresonanztomografie genutzte Gadolinium sowie das in Elektrogeräten verwendete Yttrium. Schließlich reicht Peking auch noch Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) gegen die US-Importzölle ein. Nach zwei Tagen Bedenkzeit setzt China jetzt auf demonstrative Entschlossenheit. Denn auf die während des „Liberation Day“ verhängten Zölle von 34 Prozent gegen das Reich der Mitte kommen ja bereits bestehende Zölle von 20 Prozent. Auf Chinas sozialen Medien nahmen es zwar viele User mit Humor: „Wenn er könnte, würde Onkel Trump auch Zölle gegen die Sonne verhängen“, lautet ein viel geteilter Kommentar auf der Online-Plattform Weibo. Aber die Regierung erklärt, China werde seine Rechte und Interessen entschlossen schützen, Trumps Entscheidung werde „aufs Schärfste“ verurteilt.

Trumps verschafft der chinesischen Staatsführung ungewollt Rückenwind

Tatsächlich hat Trump China am stärksten ins Visier genommen, doch schlussendlich den gesamten asiatischen Raum mit seiner Zoll-Tirade zutiefst geschockt. Denn es traf auch traditionelle US-Alliierte wie Japan (24 Prozent), Südkorea (26 Prozent) und sogar Taiwan (32 Prozent).

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In Taipeh bezeichnete man die als Zölle als „bedauerlich“ und „höchst unangemessen“. Südkoreas amtierender Präsident Han Duck Soo rief eine Notfallsitzung ein: „Da sich die Lage angesichts der Realität eines globalen Zollkrieges sehr ernst gestaltet, muss die Regierung alle ihr zur Verfügung stehenden Kapazitäten mobilisieren, um diese Handelskrise zu überwinden“, sagte er.

Doch es ist offensichtlich, dass Trumps erratische Handels- und Außenpolitik ungewollt der chinesischen Staatsführung massivem Rückenwind verschafft. Tokio und Seoul suchen bereits merklich den Austausch mit Peking, um sich angesichts der US-Zölle stärker zu koordinieren. Noch vor wenigen Monaten wäre eine solche Annäherung undenkbar gewesen.

Doch kurz- und mittelfristig dürften die Maßnahmen die wirtschaftliche Entwicklung Chinas sehr wohl empfindlich abbremsen. Allerdings hat sich Xi Jinping seit Jahren bereits auf dieses Szenario vorbereitet: Mit atemberaubender Geschwindigkeit versucht er, die Volksrepublik technologisch autark zu machen, neue Märkte im globalen Süden zu erschließen – und auch die eigene Bevölkerung auf einen „langen Kampf“ einzuschwören.

Denn die Botschaft der Parteiführung lautet: Im Systemkampf gegen die von den USA angeführte Weltordnung werden schwere Jahre folgen. Schlussendlich jedoch wird die chinesische Nation als Gewinner aus diesem Konflikt hervorgehen.

Und je stärker Trump den Chinesen Steine in den Weg legt, desto stärker entfacht dies auch Patriotismus und Resilienz. Die jüngsten Erfolge von Huawei, BYD und DeepSeek zeugen bereits jetzt davon.