Auch Langzeitkarrieren gehen irgendwann zu Ende, so ist das nun einmal im Leben. Am Montagnachmittag steht FDP-Chef Christian Lindner neben seinem Generalsekretär Marco Buschmann in der Berliner Parteizentrale und bereitet sich darauf vor, Privatmann zu werden.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Bei der Bundestagswahl am Sonntag erlebten die Liberalen ein Debakel, sie werden im neuen Parlament nicht mehr vertreten sein. Noch am Wahlabend kündigte Lindner an, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen. Es soll aber ein geordnetes Verfahren geben. Für Mai ist ohnehin ein Bundesparteitag mit Vorstands- und Präsidiumswahlen geplant. Bis dahin bleibt der alte Vorsitzende geschäftsführend im Amt.

Ein Reporter will wissen, ob Lindner demnächst in Elternzeit gehen werde. Und überhaupt: Wann denn das Kind geboren wird, das er und seine Frau erwarten. Und ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.
Antwort Lindner: „Ich bin jetzt Privatmann. Da bin ich nicht verpflichtet, Ihnen zu meinen familiären Verhältnissen Auskunft zu geben.“
FDP-Chef: Der Kampf um die Deutungshoheit geht weiter
Ein anderer Fragesteller will wissen, ob der scheidende Parteichef ausschließen könne, noch in diesem Jahr in die Privatwirtschaft zu wechseln. Antwort: Auch dazu könne und wolle er nichts sagen. „Ich habe jedenfalls zur Stunde keine konkreten Pläne. Aber ich werde Ihnen auch nicht den Gefallen tun, irgendetwas auszuschließen.“
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Christian Lindner ist 46 Jahre alt. Er war schon Bundesminister und etliche Jahre Parteichef, Fraktionsvorsitzender, Abgeordneter, zeitweise auch FDP-Generalsekretär. Seine politische Laufbahn neigt sich nach einem Vierteljahrhundert dem Ende zu. Seine berufliche Laufbahn geht bestimmt weiter, in welcher Form auch immer. Für ein Leben als Frührentner ist er zu jung und zu ehrgeizig.
Das ist die persönliche Seite, die mit der Wahlniederlage der Liberalen verbunden ist. Die politische Seite ist eine andere. Und hier befinden sich Lindner und seine Leute nach wie vor im Kampf um die Deutungshoheit.
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Am Montag sagt der scheidende Parteichef einige Sätze, die er in ähnlicher Form bereits am Wahlabend formuliert hat: Es sei richtig gewesen, dass die FDP im Herbst auf das Aus der Ampel-Koalition zugesteuert habe. „Die Neuwahlen waren für das Land wichtig, selbst wenn wir als Freie Demokraten einen hohen Preis gezahlt haben.“
Christian Lindner hat sich verzockt
Man kann das als Versuch werten, aus dem Scheitern doch noch eine Heldengeschichte zu machen: Lindner stand elf Jahre lang an der Spitze der Freien Demokraten. Er war die Partei, er führte sie 2017 aus der außerparlamentarischen Opposition zurück in den Bundestag und vier Jahre später in die Regierung. Jetzt sind die Liberalen wieder ganz unten. Sie werden auf absehbare Zeit keine Rolle mehr spielen in der Bundespolitik. In den Ländern sind sie vielerorts ohnehin längst abgemeldet.
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Lindner hat sich verzockt, indem er auf das Ende der Ampel-Koalition hinarbeitete. Nach Lage der Dinge bekommt Deutschland nun wieder eine Große Koalition, dieses Mal mit knapper Mehrheit. Die extreme Rechte ist im Bundestag stark wie nie zuvor. All das geschieht in außenpolitisch turbulenten Zeiten. So viel Chaos war noch nie. Lesart Lindner: Wir Liberale haben dem Land einen großen Dienst erwiesen.
Wie es jetzt weiter geht in der FDP und wer die Scherben zusammenfegen muss, ist unklar. Die Personaldecke in der Partei ist dünn. Zwei jüngere Partei-Promis vom sozialliberalen Flügel haben schon abgewunken, sie wollen Lindner nicht nachfolgen. Es handelt sich um FDP-Vizechef Johannes Vogel (42) und Fraktionsvize Konstantin Kuhle (36). Auch Generalsekretär Marco Buschmann (47), bis zum Ampel-Aus Justizminister, hat keine Ambitionen: Er kündigte am Montag ebenfalls an, sein bisheriges Amt zur Verfügung zu stellen.
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FDP in der Krise: Müssen jetzt die Alten ran?
Womöglich müssen deshalb die Alten ran: Parteivize Wolfgang Kubicki, der in Kürze 73 wird, erwägt nach eigenen Angaben eine Kandidatur um den Vorsitz. In der Wahlnacht hatte er noch seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Am Montag sagte er dann, er sei von vielen Parteimitgliedern und Unterstützern gebeten worden, die FDP-Führung zu übernehmen.
Im Gespräch ist überdies Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die im März ihren 67. Geburtstag feiern wird. Die Verteidigungsexpertin sitzt seit 2024 im Europäischen Parlament und ist eine der wenigen Frauen, die es in der Partei zu etwas gebracht haben. Noch am Wahlabend sagte Strack-Zimmermann dieser Redaktion: „Ich stehe voll und ganz hinter der FDP und werde dort Verantwortung übernehmen, wo es notwendig ist und gewünscht wird.“ Die FDP-Landesvorsitzenden sollten den Prozess zur Auswahl einer neuen Parteiführung steuern.

Lindner und Buschmann jedenfalls reden am Montag bereits über ein Comeback der Liberalen. Anders als 2013, als die Partei das erste Mal aus dem Bundestag flog, habe sie heute viel mehr Mitglieder und sei finanziell solide aufgestellt. „Am Geld wird der Wiederaufstieg der FDP nicht scheitern.“ Dann kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen.






