Er ist das, was man einen Shooting-Star nennt. Jordan Bardella, Jahrgang 1995, hat die Rechtsextremen bei der Europawahl in Frankreich zum wahren Höhenflügen geführt. Jetzt, mit der Verurteilung seiner politischen Ziehmutter Marine Le Pen, wird Bardella neue Bedeutung zukommen. Sie hat nicht gerade wenig EU-Geld veruntreut und ist dafür nun – vorübergehend – für unwählbar erklärt worden. Ihre politische Karriere dürfte damit ein Ende nehmen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Pflichtschuldig wütete ihr Zögling nach der Urteilsverkündung über die „Hinrichtung der Demokratie“, die dieses Urteil bedeuten soll. Dabei dürfte er sich insgeheim die Hände reiben – denn Le Pen hat ihn, den Vorsitzenden des rechtsextremen Rassemblement National (RN), bereits als möglichen Ersatz für die Präsidentschaftswahlen 2027 vorgeschlagen.

Bardella punktet bei den Jungen

Gelernt hat Bardella eigentlich nichts – außer Politik. Schon als Jugendlicher verteilte er in den Vororten von Paris Flugblätter für den rechtsnationalistischen „Front national“, wie die Partei von Marine Le Pen damals noch hieß. Er bat um einen Termin bei ihr. Angeblich habe sie sein politisches Talent sofort erkannt und konsequent gefördert. Mit 23 Jahren saß er schon im Europa-Parlament.

Und es dauerte nicht lange, da war er ihr Stellvertreter, dann selbst Parteivorsitzender. Jetzt könnte der Sprung in den Élysée-Palast gelingen; Bardella würde dann zum jüngsten Präsidenten Frankreichs werden. Bislang hält der Amtsinhaber Emmanuel Macron den Titel.

Bei Bardella, - groß, schlank, gutaussehend, schlagfertig und stets freundlich - zählt der Auftritt ganz offenbar mehr als der Inhalt. Jedenfalls bei seinem Stammpublikum, den Jungwählern. Bei ihnen konnte er vor der Europawahl vor allem punkten.

Genau das war das Ziel, das Le Pen im Auge hatte. Bardella sollte die Wählerbasis ausbauen. Sie hatte vor allem die jungen Menschen, die Arbeiter und auch die Zu- und Einwanderer der zweiten und dritten Generation im Auge. Der damals 28-Jährige schien dafür bestens geeignet. Ihm wurde nichts geschenkt. Er lebte als Einwandererkind mit italienischen sowie algerischen Wurzeln in einer Sozialbausiedlung des Pariser Vororts Drancy. Er machte ein glänzendes Abitur, brach sein Geschichtsstudium aber später ab.

Mariner Le Pen und ihr „Ziehsohn“ Jordan Bardella, der erfolgreiche Spitzenkandidat der rechtsextremen Partei „Rassemblement National“.
Mariner Le Pen und ihr „Ziehsohn“ Jordan Bardella, der erfolgreiche Spitzenkandidat der rechtsextremen Partei „Rassemblement National“.© dpa | Thomas Padilla

Frankreich: Bardella spricht viel über Migranten, die sich nicht intergrieren wollen

Er machte Wahlkampf mit seiner Herkunft und betonte immer wieder, wie gut er die Probleme der Vorstädte aus eigener Erfahrung kenne. Seine Mutter war alleinerziehend, sie habe trotz ihrer Arbeit in einem Kindergarten oft Schwierigkeiten gehabt, die monatlichen Kosten zu decken. Weil er selbst Einwanderkind sei, könne er auch sagen, dass Frankreich ein Problem mit der ungebremsten Zuwanderung von Menschen habe, die sich nicht integrieren wollten. Das sei bei seinen Großeltern ganz anders gewesen. Die „submersion migratoire“ (Migranten-Überschwemmung), wie er es nennt, war bei den Europawahlen 2024 sein Lieblingsthema.

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Wer viel über ihn liest, erfährt auch, dass sein Vater als Unternehmer erfolgreich war, seinem Sohn das Reisen ermöglichte und auch den Umzug in eine bessere Gegend. Wahlkampf macht er damit allerdings nicht.

Bardella verkörpert einen neuen Typ rechtsnationaler Politiker. Er wirkt sympathisch und seriös und holt die jungen Franzosen dort ab, wo sie sind: in den sozialen Netzwerken. Fernsehdebatten sind für ihn von gestern. Er macht Videos und postet fleißig. Allein auf TikTok hat er eine Fangemeinde von 1,2 Millionen Followern, außer Präsident Macron kann ihm keine andere politische Persönlichkeit da das Wasser reichen.

Seine Wahlkampftermine waren eher Pop-Konzerte als Informationsveranstaltungen. Mit hämmernder Musik und Lichtshow marschierte er bei einem seiner letzten Wahlkampf-Auftritte in der RN-Hochburg Hénin-Beaumon auf die Bühne.  „Jordan, Jordan“ rief die Menge – es war ein überdurchschnittlich junges Publikum. Und da einige Mädchen im Saal „Jordan, wir lieben dich“ kreischten, lauteten die ersten Worte seiner alle drei Minuten von rhythmischem Klatschen unterbrochenen Rede: „Ich liebe euch auch!“

Führt Frankreich nach rechts: Jordan Bardella, der erst 28-jährige Chef der rechtsextremen Partei Rassemblement National (RN).
Führt Frankreich nach rechts: Jordan Bardella, der erst 28-jährige Chef der rechtsextremen Partei Rassemblement National (RN).© AFP | STEPHANE DE SAKUTIN

Frankreich: Rechtsextremer Bardella hat eine junge Fangemeinde

Immer wieder hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor der Europawahl davor gewarnt, dass von den Rechtsextremisten eine Gefahr für Frankreich und Europa ausgehe. Doch als Bürgerschreck taugte Bardella nicht. Der Frexit (Ausstieg Frankreichs aus der EU) und die Wiedereinführung des Franc wurden aus dem RN-Programm gestrichen.

Man ist jetzt, so nennt es die Partei, für ein Europa der Nationen und man will die EU von innen verändern. Le Pen versucht, die Partei vom extremrechten Rand zu lösen. Sie wollte im vierten Anlauf endlich Präsidentin Frankreichs werden. Bardella sollte ihr dabei helfen; treu ergeben hat er kaum Fehler gemacht.

(mit P.H.)