Carmen hat etwas erlebt, das kaum vorstellbar ist: Innerhalb von nur neun Monaten saß die Spanierin, die in den Medien nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, gleich zweimal in einem Zug, der in eine schwere Katastrophe verwickelt wurde. Beide Male überlebte sie unverletzt. Doch die Erlebnisse haben tiefe seelische Spuren hinterlassen.

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Im Januar dieses Jahres gehörte Carmen zu den Überlebenden des verheerenden Zugunglücks bei Adamuz in Andalusien. Damals kamen 46 Menschen ums Leben. Nur neun Monate später, am vergangenen Mittwoch, befand sie sich erneut in einem der Unglückszüge. Diesmal bei Urda in der Provinz Toledo, wo zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammenstießen. Mindestens 69 Menschen starben.

Bahnunglück in Spanien: Überlebende kämpfen mit seelischen Folgen

Dass Carmen auch diesmal körperlich unverletzt blieb, erfuhr die spanische Öffentlichkeit durch eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes. Die Helferin berichtete dem privaten Fernsehsender Cuatro von der jungen Frau. „Sie wurde nicht verletzt, ist aber seelisch sehr mitgenommen“, sagte sie. Carmen selbst wolle nicht vor die Kameras treten.

Carmen ist nicht die Einzige, bei der das jüngste Unglück Erinnerungen an eine frühere Bahnkatastrophe wachgerufen hat. Die Rotkreuzhelferin erzählte auch von einem Mann, der den Zusammenstoß bei Urda überlebt hatte. Sein Bruder, der ihn am Unglücksort abholen wollte, war vor 13 Jahren selbst unter den Verletzten eines schweren Zugunglücks bei Santiago de Compostela gewesen. Damals war nahe der Pilgerstadt in der nordwestspanischen Region Galicien ein Schnellzug entgleist. 80 Menschen kamen ums Leben.

Identifizierung der Opfer: Mehrheit Spanier, viele Touristen noch vermisst

Unterdessen schreitet die Identifizierung der Todesopfer von Urda voran. Bislang konnten Gerichtsmediziner 56 der 69 Toten identifizieren. Unter ihnen sind 54 Spanier sowie ein Franzose und ein Portugiese. Bei den übrigen 13 Opfern steht die Identität noch nicht fest. Angesichts der vorliegenden Vermisstenmeldungen gehen die Behörden davon aus, dass es sich überwiegend um ausländische Touristen handelt.

Nach dem Zugunglück werden noch vier US-Amerikaner, jeweils zwei Australier und Japaner sowie Staatsangehörige aus Argentinien, Kanada, Mexiko, Tschechien und Tunesien vermisst. Die spanischen Behörden arbeiten bei der Identifizierung eng mit den jeweiligen Herkunftsländern zusammen.

Die Arbeit der Gerichtsmediziner gestaltet sich schwierig. Einige Opfer wurden so schwer verstümmelt, dass ihre Identität nur mithilfe von DNA-Analysen zweifelsfrei festgestellt werden kann. Deshalb hat die Polizei die Angehörigen gebeten, Vergleichsproben zur Verfügung zu stellen. Auch am Wochenende waren Spezialisten mit Spürhunden an der Unglücksstelle im Einsatz, um nach menschlichen Überresten zu suchen. Das weitläufige Gelände wurde abgesperrt, damit keine möglichen Spuren verloren gehen.

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Am Samstag versammelten sich die Menschen in Urda zu einem Trauergottesdienst für die Opfer des Unglücks. Der Erzbischof von Toledo, Francisco Cerro Chaves, verlas dabei eine Beileidsbotschaft von Papst Leo XIV. Anschließend erklärte er, die Worte des Papstes hätten den Menschen neue Hoffnung geschenkt. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte unterdessen einen staatlichen Trauerakt für die Opfer der Zugkatastrophe an.