Entsetzen und Trauer spiegeln sich in den Gesichtern von König Felipe und Königin Letizia. Schweigend und ganz in Schwarz gekleidet stehen sie am Dienstagmittag an der Unglücksstelle, an der sich zwei Tage zuvor die Zugkatastrophe ereignete. Zudem besuchten sie die Rettungsleitstelle und bedankten sich bei den Bewohnern des nahegelegenen Dorfs Adamuz, dessen Einwohner, nur mit Taschenlampen ausgerüstet, die ersten Helfer am Unfallort waren. Am Rathaus in Adamuz wie in ganz Spanien hängen die Fahnen noch bis Donnerstag auf Halbmast – als Zeichen der nationalen Trauer.

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Auch zwei Tage nach dem Unglück arbeiten Feuerwehrleute und Spezialisten weiter an der Bergung von Todesopfern. Am Dienstag wurden Schwerlastkräne in Stellung gebracht, um zwei umgestürzte Waggons anzuheben, unter denen noch weitere Tote vermutet werden. Inzwischen hat sich die Zahl der Todesopfer auf 42 erhöht. Mehr als 100 Personen waren bei dem Unglück verletzt worden, 39 von ihnen befanden sich am Dienstag noch im Krankenhaus.
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Unter den Toten könnten sich nach Angaben des Außenministeriums in Berlin auch Deutsche befinden. „Leider müssen wir davon ausgehen, dass sich deutsche Staatsangehörige unter den Betroffenen befinden. Über die Anzahl gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben. Unser Konsulat in Málaga und unsere Botschaft in Madrid stehen mit den örtlichen Behörden im Austausch, um eine Aufklärung der Identitäten der Opfer zu betreiben.” Einer der in den Unfall verwickelten Züge kam aus Málaga an der Costa del Sol – eine Hochburg des Tourismus, in der auch mehr als 10.000 deutsche Residenten gemeldet sind.

Das Unglück ereignete sich am Sonntagabend in Südspanien gegen 19.45 Uhr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Córdoba und Madrid, nahe dem andalusischen Dorf Adamuz. Der aus Málaga kommende Zug der privaten Bahngesellschaft Iryo entgleiste mit seinen hinteren Wagen; diese gerieten auf das Nachbargleis.
Genau 20 Sekunden später näherte sich aus der Gegenrichtung ein Zug der staatlichen Bahn Renfe aus Madrid Richtung Huelva. Diese 20 Sekunden seien zu wenig Zeit gewesen, um eine Notbremsung einzuleiten, weder durch den Lokführer des zweiten Zuges noch durch das automatische Sicherheitssystem. Dieses System stoppe normalerweise den Zug, wenn es ein Hindernis auf dem Schienenweg erkenne, erklärte der Chef der staatlichen Bahngesellschaft Renfe, Álvaro Fernández Heredia.
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Beide Züge waren mit etwa 200 Kilometern pro Stunde gefahren. Der Zusammenprall war so gewaltig, dass von einigen Zugwaggons nur noch „ein Knäuel aus Metall“ geblieben sei, sagte Andalusiens Regionalpräsident Juanma Moreno. Auch deswegen sei die Bergung aller Opfer eine „harte, komplexe und sehr schwierige Aufgabe“. Bisher konnte erst ein Teil der Toten eindeutig identifiziert werden. Bei einigen Opfern sei es sehr schwer, die Identität festzustellen, sagte Moreno.
Die junge Spanierin Lola Beltrán hatte eigentlich auch einen Sitzplatz in einem der völlig zerstörten Zugwagen gebucht. Sie rettete ihr Leben dadurch, dass sie kurz vor dem Unfall in einen anderen Waggon wechselte, um neben einer Freundin zu sitzen. Deswegen kam sie mit dem Schrecken davon. „Ich fühle mich wie neu geboren“, berichtete sie im spanischen Fernsehen.
Inzwischen nahmen auch polizeiliche Ermittler und Bahnexperten ihre Arbeit auf, um herauszufinden, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Dabei entdeckten die Spezialisten auch einen Schienenbruch an der Unglücksstelle. Könnte dies die Katastrophe verursacht haben?

Ursache des Zugunglücks noch unklar: Minister bittet um Geduld
Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente rief dazu auf, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Alle Hypothesen seien offen, man müsse die Untersuchung abwarten. „Dass es einen gebrochenen Schienenstrang gibt, stützt keine These mehr als eine andere.“ Nach bisherigen Erkenntnissen seien kurz zuvor noch mehrere Züge problemlos über diesen Abschnitt gefahren.
„Die entscheidende Frage ist, ob die Schiene den Zug zum Entgleisen brachte – oder ob die Schiene erst durch das Entgleisen zerstört wurde“, sagte Puente. Berichte über mögliche Baumängel wies der Minister zurück. Die Strecke sei im Mai vergangenen Jahres vollständig erneuert worden. Nach Expertenangaben könnte theoretisch auch ein Problem an einem der Zugräder zum Entgleisen geführt haben.
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Nach Angaben der Regierung wird die Unglücksstrecke, die Spaniens Hauptstadt Madrid mit Südspanien verbindet, noch Tage gesperrt bleiben. Nach Abschluss der Bergungsarbeiten müssen Gleise, Signaltechnik und Oberleitungen repariert werden. Eine provisorische, einspurige Wiedereröffnung der Strecke, die unter anderem die andalusischen Städte Málaga, Córdoba, Sevilla und Huelva mit Madrid verbindet, ist eventuell kommende Woche möglich. Mit einer vollständigen Wiederaufnahme des Verkehrs ist wohl erst im Februar zu rechnen.
Die Tragödie ist das schwerste Zugunglück seit über zehn Jahren in Spanien. 2013 waren 80 Menschen nahe der Pilgerstadt Santiago de Compostela umgekommen, nachdem ein Schnellzug mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Kurve gegangen und entgleist war.
Spanien hat das größte Hochgeschwindigkeitsnetz Europas. Die Schnellbahngleise mit einer Länge von insgesamt 4000 Kilometern verbinden die Ballungszentren des Landes und erlauben stellenweise Geschwindigkeiten von über 300 Kilometern pro Stunde.










