Indonesien erlebt eine der schlimmsten Brandsaisons seiner Geschichte: Von Januar bis September verbrannten nach Satellitenauswertungen von Nusantara Atlas 1,9 Millionen Hektar Land, 38 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2019. Die Auswirkungen sind weit über die Grenzen des südostasiatischen Inselstaates bemerkbar: Singapur atmet seit Wochen gesundheitsschädliche Luft, deutlich länger bereits als die 15 Tage während der starken Brände im Jahr 2015.

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Am 18. Oktober sprang der Schadstoffindex im Westen der Stadt auf 230 – ein sehr ungesunder Wert. Zeitweise galt Singapur laut IQAir sogar als die am stärksten verschmutzte Stadt der Welt. Die Singapurer „Straits Times“ nannte die aktuelle Situation bereits „die schwerste Smogkrise der Region“ seit mehr als einem Jahrzehnt.

In Teilen des indonesischen Kalimantans färbte der Rauch den Himmel in ein apokalyptisches Orange, Nasa-Bilder zeigen hohe Kohlenmonoxidwerte über ganz Südostasien. Auch Malaysia und die Philippinen sind betroffen, Schulen mussten geschlossen werden, Flüge fielen aus.

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Gesundheitsministerium warnt: 283.000 akute Atemwegsinfektionen in zwei Monaten

Das indonesische Gesundheitsministerium zählte zwischen dem 18. August und dem 13. Oktober mehr als 283.000 akute Atemwegsinfektionen in den betroffenen Gebieten. „Die Luft, die unser grundlegendstes Recht sein sollte, ist zu einer Bedrohung geworden“, sagt Frans DS Sani Lake, Direktor der von Misereor unterstützten Organisation JPIC Kalimantan.

„Was uns am meisten Sorgen bereitet, sind die Kinder, besonders die unter Fünfjährigen“, berichtet die Aktivistin Agnes. „In diesem Rauch sind sie am anfälligsten für Husten, weitere Atemwegserkrankungen, Übelkeit und Kopfschmerzen.“ Luftreiniger können sich viele Familien kaum leisten. Kleinbauern trifft es doppelt: Nach der langen Dürre erschweren nun Rauch und eingeschränkte Mobilität ihre Ernte und bereiten Probleme für den Transport und Verkauf von Nahrungsmitteln.

Waldbrände in Singapur: Zuschüsse für Behandlung von Erkrankungen

In Singapur hat ein Student inzwischen sogar schon eine Website gebaut, die die Feinstaubbelastung in eine Summe von Zigaretten umrechnet. „Wie viel Smog hast du heute geraucht?“, fragt der sogenannte Haze Tracker den User der Seite. Zudem griff der Stadtstaat auf sein Gesetz gegen grenzüberschreitenden Smog zurück und forderte zehn indonesische Unternehmen auf, Konzepte zur Brandverhütung und -bekämpfung vorzulegen.

Die Einwohnerinnen und Einwohner können wegen des anhaltenden Smogs durch die indonesischen Waldbrände inzwischen sogar Zuschüsse für die Behandlung von Erkrankungen beantragen, die von der schlechten Luft ausgelöst wurden, wie beispielsweise Asthma oder Bronchitis.

Waldbrände in Indonesien
25.10.2026, Indonesien, Ogan Ilir: Feuerwehrleute spritzen Wasser, um einen Waldbrand zu löschen, der ein Torfmoorgebiet in Ogan Ilir verwüstet.© Muhammad Hatta/AP/dpa | Muhammad Hatta

Auch in Teilen Indonesiens sind Menschen inzwischen auf die Straße gegangen, um für eine verstärkte Brandbekämpfung zu demonstrieren und um ein härteres Vorgehen gegen verantwortliche Firmen zu fordern. Und auch für die Tierwelt ist die Lage inzwischen dramatisch: Die Weltnaturschutzunion IUCN warnte bereits, dass die Feuer auch in Gebieten auf Borneo wüten würden, in denen über die Hälfte der Orang-Utan-Population der Insel lebt. Bis zum 8. Oktober rettete Indonesien laut der lokalen Agentur Antara 290 Wildtiere vor den Feuern, darunter knapp 50 Orang-Utans.

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El Niño: Experten stellen gefährliche Prognose auf

Dass sich die Feuer so schwer löschen lassen, liegt am Boden des Gebiets. Zwischen 17 und 23 Prozent der verbrannten Fläche sind Torfland. Dieses Land ist normalerweise zu feucht zum Brennen, doch Entwässerungsgräben, unter anderem für Palmölplantagen, haben den natürlichen Schutzmechanismus zerstört. Trocknet der Torf aus, verwandelt sich ein gewaltiger Kohlenstoffspeicher plötzlich in eine Quelle von Treibhausgasen. Die Glut kann über Monate weiterschwelen, selbst wenn es bereits wieder regnet.

Die Aussichten auf Besserung sind gering: Die australische Wetterbehörde rechnet sogar damit, dass der derzeit vorherrschende El Niño erst im November oder Dezember seinen Höhepunkt erreichen und bis ins Frühjahr 2027 anhalten wird. Dabei beziffert das Peterson Institute for International Economics den globalen Schaden schon jetzt auf fast eine Billion US-Dollar an direkten Erstverlusten.

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Denn Südostasien ist bei Weitem nicht die einzige betroffene Region: Der Panamakanal musste bereits Durchfahrten wegen Wasserknappheit begrenzen, Peru stoppte seine Sardellenfischerei und die Zuckerpreise haben wegen Ernteausfällen in Indien und Thailand angezogen. Über fünf Jahre könnte sich dies auf mindestens 7,2 Billionen Dollar ausweiten, falls internationale Institutionen nicht rasch handeln.

Waldbrände in Indonesien
Rauch steigt aus Waldbränden auf, die ein Torfmoorgebiet in Ogan Ilir verwüsten (Luftaufnahme mit einer Drohne).© Muhammad Hatta/AP/dpa | Muhammad Hatta

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JPIC Kalimantan mahnt allerdings, die Brände nicht allein auf das Wetter zu schieben: Mangelhaft kontrollierte Konzessionen, vor allem für Palmöl, seien eine der zentralen Ursachen. Verantwortlich für die Brände sei meist der Mensch. Obwohl Brandrodung in Indonesien verboten ist, ist die Methode für viele Bauern nach wie vor billiger als der Einsatz von Baggern. Auch in diesem Sommer kam es bereits zu Dutzenden Festnahmen.