Nach einem mutmaßlich gezielten Angriff mit einem Auto steht Australien unter Schock: Die Parlamentsabgeordnete Helen Haines hat beide Beine verloren. Die 65-Jährige war am Montag vor ihrem Wahlkreisbüro in Wangaratta im Bundesstaat Victoria von einem Geländewagen erfasst worden. Ihr Zustand sei kritisch, aber stabil, sagte ihr Ehemann Phil Haines am Mittwoch vor dem Krankenhaus in Melbourne, in dem sie behandelt wird.

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Die Ärzte hatten zunächst versucht, das rechte Bein der Politikerin zu retten. Nachdem das linke Bein bereits kurz nach dem Vorfall amputiert worden war, mussten die Chirurgen am Mittwoch auch das rechte Bein entfernen. Das berichteten unter anderem der britische Sender BBC und die Zeitung „The Guardian“.
„Sie lebt, und das ist für uns das Wichtigste“, wird ihr Ehemann zitiert. Helen Haines stehe ein langer und schwieriger Weg der Genesung bevor. Zugleich betonte Phil Haines, dass ihre geistige und körperliche Verfassung im Übrigen Anlass zur Hoffnung gebe. Seine Frau sei eine entschlossene Kämpferin, die mit Unterstützung ihrer Familie alles versuchen werde, um sich zu erholen.
Mutmaßlicher Täter soll erneut auf die Politikerin zugefahren sein
Der Vorfall ereignete sich am Montagnachmittag vor dem Wahlkreisbüro der Abgeordneten in Wangaratta, nordöstlich von Melbourne. Nach Angaben der BBC wurde Haines von einem weißen Toyota Land Cruiser erfasst. Passanten griffen ein, um den mutmaßlichen Täter aufzuhalten. Die Politikerin wurde anschließend mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus nach Melbourne geflogen und notoperiert.
Der 43-jährige Brendan Nugent wurde noch am Tatort festgenommen. Australiens Premierminister Anthony Albanese bezeichnete das Geschehen kurz nach dem Vorfall als mutmaßlich gezielte Tat. „Das war kein Unfall.“ Innenminister Tony Burke zufolge soll der Fahrer den Wagen zurückgesetzt haben, um Haines ein weiteres Mal anzufahren. Ermittler stellten bei ihm ein Messer sicher. Die Ermittlungen zu dem genauen Ablauf und den Hintergründen dauern an.
Am Mittwoch musste sich Nugent vor einem Gericht in Wangaratta verantworten. Ihm werden unter anderem gefährliches Fahren mit schweren Verletzungen als Folge, vorsätzliche schwere Körperverletzung und das Zufügen von Schaden an einem Amtsträger des australischen Bundes vorgeworfen. Hinzu kommen Anklagen im Zusammenhang mit dem Anbau und Besitz von Cannabis, wie BBC berichtet.
Der Beschuldigte beantragte keine Freilassung gegen Kaution und bleibt in Haft. Sein nächster Gerichtstermin ist für Februar angesetzt. Nach Angaben der Polizei sind weitere Anklagepunkte möglich. Auch ein möglicher Vorwurf des versuchten Mordes steht laut BBC im Raum. Das Motiv der Tat ist bislang nicht geklärt.
Die Familien kannten sich seit Jahren
Der Fall sorgt auch deshalb für Bestürzung, weil die Familien der Politikerin und des Beschuldigten offenbar seit Langem miteinander verbunden waren. Die Angehörigen von Nugent erklärten laut BBC, sie seien seit vielen Jahren mit Helen Haines befreundet. Sie bezeichneten den mutmaßlichen Angriff als erschütternd und unbegreiflich.
Am Wahlkreisbüro der Politikerin legten zahlreiche Menschen Blumen nieder. Politiker unterschiedlicher Parteien äußerten sich betroffen. Premierminister Albanese würdigte Haines als äußerst engagierte Abgeordnete, die wegen ihrer Intelligenz und Integrität über Parteigrenzen hinweg respektiert werde.
Auch Australiens Außenministerin Penny Wong sprach laut BBC von einem erschütternden und zutiefst verstörenden Angriff. Der Regierungschef des Bundesstaates Victoria, Ben Carroll, erklärte, der Vorfall lasse ihn ernsthaft daran zweifeln, ob die Grundprinzipien der Demokratie ausreichend geschützt würden.
Wer ist Helen Haines?
Helen Haines vertritt seit 2019 den Wahlkreis Indi im australischen Bundesparlament. Bei den Wahlen 2022 und 2025 wurde sie wiedergewählt. Sie gehört keiner der großen Parteien an und setzt sich unter anderem für Klimaschutz und bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen ein.
Haines stammt aus dem Südwesten des Bundesstaates Victoria. Sie wuchs auf einem Milchviehbetrieb auf und absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester und Hebamme. Später übernahm sie die Leitung eines kleinen Krankenhauses in Chiltern. Daneben erwarb sie einen Masterabschluss im Bereich Public Health und promovierte in medizinischer Wissenschaft, wie die BBC unter Berufung auf ihre Biografie berichtet. Mit ihrem Mann Phil ist sie seit fast 40 Jahren verheiratet. Das Paar hat drei Kinder und zwei Enkelkinder.
Angriff verschärft Debatte über Sicherheit von Politikern
Die mutmaßliche Attacke hat in Australien eine erneute Diskussion über die Sicherheit von Abgeordneten ausgelöst. Nach Angaben der BBC nehmen Bedrohungen, Belästigungen und Einschüchterungsversuche gegen Politiker und deren Mitarbeiter zu. Innenminister Burke verwies auf einen Anstieg entsprechender Meldungen im Haushaltsjahr 2025/26.
Die australische Bundespolizei erklärte laut BBC, im Durchschnitt werde nahezu wöchentlich eine Person wegen Drohungen gegen hochrangige Amtsträger oder deren Mitarbeiter angeklagt. Einen persönlichen Polizeischutz für sämtliche 226 Mitglieder des Bundesparlaments zu gewährleisten, würde erhebliche Ressourcen erfordern. Deshalb werde der Schutzbedarf anhand der jeweiligen Funktion und der konkreten Gefährdung beurteilt.
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Nach dem Angriff auf Haines wurden Abgeordnete über die aktuelle Sicherheitslage informiert. Mehrere Politiker berichteten laut BBC, dass sie sich im öffentlichen Raum zunehmend unsicher fühlten und ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt hätten.










