Jeder 28. eines Monats gehört Annis Kindern. Da unternimmt sie „etwas Schönes“. Es ist der Versuch, dem Datum seinen Schrecken zu nehmen: Der 28. März 2026 war der Tag, an dem sie sterben sollten. Bei einem Messerangriff wurden die damals 38-Jährige aus Witten und ihre neunjährige Tochter lebensgefährlich verletzt. Ihr Sohn und Bruder (13) überlebte nicht. Und vor Gericht steht ein Mann, der der Familie näher nicht sein könnte: Annis inzwischen geschiedener Ehemann, der Vater ihrer Kinder.

Für Anni ist das noch immer am wenigsten zu fassen.
In der Nacht nach der Tat, als sie wach wurde mit all ihren frisch operierten Wunden, da fragte sie zuerst nach ihm. Die Freundin an ihrem Bett durfte nicht antworten. Wer als Verdächtiger festgenommen worden war, hat ihr erst später die Polizei gesagt. Anni erinnerte sich an einen rasenden Täter, dachte an einen unbekannten Räuber, nicht an ihren eigenen Mann: Der, glaubte sie, würde sich „ewig Vorwürfe machen, dass er uns nicht beschützen konnte“.
Der Fall
Die Tat am 28. März 2026 hat Menschen weit über das Ruhrgebiet hinaus betroffen gemacht: In Witten verletzte ein Messerangreifer eine Frau (38) und ihre 9-jährige Tochter lebensgefährlich; der 13-jährige Sohn starb. Als Tatverdächtiger wurde wenig später in der Nähe der Ehemann und Vater der Kinder, 40 Jahre alt, festgenommen. Nach Abschluss der Ermittlungen erhob die Bochumer Staatsanwaltschaft im Juni Anklage gegen ihn wegen des Verdachts des Mordes und des zweifachen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der Ankläger geht davon aus, dass der heute 41-Jährige mit der Tat seine Ehefrau für Kränkungen in der Ehe „bestrafen“ wollte. Er habe geplant, Frau und Kinder zu töten, um sich selbst zu befreien.


