Spargel gilt als gesundes Gemüse. Dass Extrakte daraus auch den Schlaf verbessern könnten, ist dagegen weniger bekannt. Eine neue systematische Übersichtsarbeit im „British Journal of Nutrition“ liefert Hinweise darauf, dass entsprechende Nahrungsergänzungsmittel die Schlafqualität verbessern könnten. Auch bei Angstzuständen und bestimmten kognitiven Fähigkeiten fanden Forscherinnen und Forscher erste positive Effekte.

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Die Ergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Die ausgewerteten Studien waren meist klein und von kurzer Dauer. Außerdem untersuchten sie nicht den Verzehr von Spargel als Gemüse, sondern konzentrierte Präparate. Ob eine Portion Spargel auf dem Teller ähnlich wirkt, lässt sich daraus nicht ableiten.

Schlafprobleme: 16 Studien analysieren Auswirkungen bei 503 Personen

Für die Übersichtsarbeit werteten Forscher der britischen Universität Reading gemeinsam mit zwei Wissenschaftlern des japanischen Unternehmens Amino Up insgesamt 5927 Veröffentlichungen aus. Nach der Prüfung blieben 14 Artikel mit 16 Studien und insgesamt 503 Teilnehmenden übrig. Die untersuchten Gruppen waren sehr unterschiedlich: Sie reichten von jungen, gesunden Erwachsenen über Taxifahrer und Schichtarbeiter bis hin zu älteren Menschen mit Demenz.

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Auch die Präparate unterschieden sich. Häufig kam ein patentierter, enzymbehandelter Extrakt aus Spargelstängeln namens ETAS zum Einsatz. Andere Studien untersuchten Spargelpulver oder Lebensmittel mit Spargelextrakt. Die wohl deutlichsten Hinweise fanden die Forscher beim Thema Schlaf. Zehn der 16 Studien untersuchten entsprechende Effekte. In mehreren Studien berichteten Teilnehmende von einer besseren Schlafqualität, längeren Schlafzeiten oder einem erholsameren Aufwachen. Allerdings verbesserten sich nicht in jeder Untersuchung alle gemessenen Schlafparameter.

Spargelextrakt sorgt für weniger Alb­träume und besseres Aufwachen

Besonders Menschen, die bereits Schlafprobleme hatten, schienen von den Präparaten zu profitieren. In einer einwöchigen Studie mit 18 Männern berichteten diejenigen, die Spargelextrakt einnahmen, unter anderem von weniger Träumen und Albträumen. Außerdem wachten sie eher zu der Zeit auf, zu der sie aufstehen wollten.

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Eine weitere Untersuchung betrachtete eine Kombination aus Spargel­extrakt und GABA. Der Botenstoff kommt natürlicherweise im Gehirn vor und ist an der Regulation von Nervenzellaktivität beteiligt. Ein verbesserter Tiefschlaf wurde in dieser Studie nur bei der Kombination der beiden Stoffe beobachtet – nicht bei GABA allein. Gemessen wurde der Schlaf mit einem Fitnessarmband. Daraus lässt sich allerdings nicht sicher ableiten, welchen Anteil der Spargelextrakt an dem Ergebnis hatte. Dafür müssten größere Studien die Kombination mit ihren einzelnen Bestandteilen vergleichen.

Hinweise auf Effekte für Gedächtnis und Stimmung

Neben dem Schlaf untersuchten sieben Studien Gedächtnis, Aufmerksamkeit und weitere geistige Fähigkeiten. Besonders auffällig war eine einjährige Untersuchung mit 30 älteren Erwachsenen, die leichte kognitive Beeinträchtigungen hatten. Die Teilnehmenden, die täglich 1000 Milligramm Spargelextrakt erhielten, schnitten bei bestimmten Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit besser ab als die Placebogruppe.

Eine andere Studie mit älteren Menschen mit Demenz fand dagegen nach zwölf Wochen keinen messbaren Vorteil bei kognitiven Tests. Allerdings wurden weniger Unruhe und depressive Verstimmungen beobachtet. Weil sich die Studien unter anderem bei den Teilnehmenden, der Dosierung und der Dauer unterschieden, lassen sich die Ergebnisse nur eingeschränkt vergleichen. Bei jüngeren, gesunden Erwachsenen waren die Resultate ebenfalls uneinheitlich. Einige Untersuchungen stellten Verbesserungen bei Reaktionszeiten oder Aufmerksamkeit fest, andere fanden keine Veränderungen.

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Zudem gab es Hinweise darauf, dass Spargelpräparate Angstzustände und depressive Symptome lindern könnten. Die Ergebnisse waren jedoch nicht durchweg positiv. In einer längerfristigen Studie verbesserten sich Angst und Depression beispielsweise nur bei Teilnehmenden mit leichteren Beeinträchtigungen.

Welche Rolle spielt Spargel im Körper?

Warum Spargelextrakt solche Effekte haben könnte, ist bislang nicht abschließend geklärt. Spargel enthält unter anderem Polyphenole, pflanzliche Stoffe mit antioxidativen Eigenschaften. Die Forscher diskutieren außerdem das sogenannte Hitzeschockprotein 70, kurz HSP70. Es hilft Zellen dabei, mit Stress umzugehen und Schäden an Proteinen zu begrenzen.

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In Laborversuchen erhöhte Spargelextrakt den HSP70-Spiegel in gezüchteten Zellen. Auch in einer einjährigen Studie mit älteren Erwachsenen mit beginnenden kognitiven Beeinträchtigungen wurde hierbei ein Anstieg beobachtet. Versuche mit Mäusen lieferten darüber hinaus Hinweise darauf, dass HSP70 mit weniger Angst und geringeren Gedächtnisproblemen nach Schlafmangel zusammenhängen könnte. Dabei erhielten die Tiere das Protein jedoch direkt – nicht Spargel.

Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?

Die Übersichtsarbeit weist selbst auf mehrere Einschränkungen hin. Viele der einbezogenen Studien hatten nur 10 bis 60 Teilnehmende und dauerten höchstens etwa einen Monat. Drei Untersuchungen kamen ohne Vergleichsgruppe aus. Zudem waren die Teilnehmenden überwiegend männlich, und die verwendeten Präparate unterschieden sich deutlich.

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Auch die Finanzierung ist relevant: Das japanische Unternehmen Amino Up beteiligte sich an der Finanzierung der Übersichtsarbeit im Rahmen der Forschung eines Doktoranden. Einer der beteiligten Unternehmensmitarbeiter stand zudem als Mitautor von mindestens drei der 16 einbezogenen Studien auf der Autorenliste. Das macht die Ergebnisse nicht automatisch ungültig, sollte bei ihrer Einordnung aber berücksichtigt werden.

mkx