Kreatin ist vor allem bei sportlich aktiven Menschen beliebt. Als Nahrungsergänzungsmittel steigert es die körperliche Leistungsfähigkeit bei kurzen, intensiven Belastungen und unterstützt den Muskelaufbau. Neue Studienergebnisse legen jetzt nahe, dass Kreatin auch für die Gehirnforschung interessant sein könnte. Es gibt Hinweise darauf, dass es auch Nervenzellen vor den Folgen einer Darmentzündung schützen könnte.

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Forscher aus Spanien haben bei Nagetieren mit Darmentzündungen beobachtet, dass eine tägliche Kreatingabe Schäden an Nervenzellen verringerte und die Funktion bestimmter Gehirnzellen verbesserte. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Brain, Behavior, and Immunity“ erschienen.

Ob sich daraus ein Nutzen für Menschen ergibt, ist allerdings noch offen. Bisher wurden die Untersuchungen nur bei Ratten durchgeführt. Doch die Erkenntnisse klingen vielversprechend. Unter anderem berichtet die Online-Plattform „Science Alert“ darüber.

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Kreatin mindert mögliche Nervenschäden im Hirn

Im Fokus der Untersuchung stand der Hippocampus. Diese Hirnregion spielt vorrangig für Lernen und Gedächtnis eine wichtige Rolle. Frühere Studien an Ratten hatten bereits gezeigt, dass eine Darmentzündung mit verstärkten Entzündungsprozessen im Hippocampus in Verbindung stehen kann, berichtet „Science Alert“. In der neuen Untersuchung gingen die Forscher der Frage nach, ob sich dort auch Schäden an Nervenzellen und Störungen ihrer Funktion beobachten lassen, und ob Kreatin diesen Prozessen entgegenwirken kann.

Dafür erhielten einige Ratten Trinkwasser, dem Kreatin zugesetzt worden war. Die tägliche Dosis betrug ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Zehn Tage später löste das Forscherteam bei den Tieren Symptome einer Darmentzündung aus. Die Kreatingabe wurde bis zum Ende der Untersuchung fortgesetzt.

Anschließend beobachteten die Forscher, wie sich die Darmentzündung auf den Hippocampus auswirkte und welche Veränderungen bei den Tieren mit Kreatingabe auftraten. Auch Ratten, die Kreatin erhielten, aber keine Darmentzündung entwickelten, wurden berücksichtigt.

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Studie: Kreatin verringerte Schäden an Nervenzellen

Bei den Ratten mit Darmentzündung konnten die Forscher Schäden und Funktionsstörungen an Nervenzellen im Hippocampus feststellen. Bei den Tieren, die zusätzlich Kreatin erhielten, stellte sich der Kreatingehalt in dieser Hirnregion wieder her. „Die Supplementierung stellte den Kreatinspiegel im Hippocampus wieder her, bewahrte die neuronale Integrität und normalisierte die beeinträchtigte Erregbarkeit“, schließen die Autoren in der Studie.

Die Wirkung fiel bei männlichen Ratten deutlicher aus als bei weiblichen. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass die Darmentzündung bei den männlichen Tieren offenbar stärkere Schäden im Gehirn verursachte. Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass sich Entzündungsprozesse bei männlichen und weiblichen Tieren unterschiedlich auf das Gehirn auswirken.

Bei Ratten, die Kreatin erhielten, aber keine Darmentzündung hatten, veränderte sich der Kreatingehalt im Hippocampus dagegen nicht signifikant.

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Warum Kreatin für das Gehirn wichtig sein könnte

Kreatin ist eine natürliche Substanz, die der Körper selbst herstellt und zusätzlich über die Nahrung aufnimmt. Bei einer üblichen Mischkost nehmen Menschen laut „Science Alert“ täglich etwa ein bis zwei Gramm Kreatin auf. Der Körper speichert den Stoff überwiegend in den Muskeln, er kann aber auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden und von Gehirnzellen aufgenommen werden.

Dort spielt Kreatin eine Rolle für den Energiehaushalt der Zellen. Das Gehirn benötigt viel Energie, unter anderem damit Nervenzellen Signale verarbeiten und weiterleiten können. Welche Wirkung Kreatin im zentralen Nervensystem unter verschiedenen Bedingungen genau entfaltet, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Die neue Untersuchung knüpft an frühere Forschung derselben Gruppe an. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Forscher bei Nagetieren Hinweise darauf gefunden, dass Kreatin Darmentzündungen und damit verbundene Schäden im Darm verringern kann. Die aktuelle Studie erweitert diesen Forschungsansatz um mögliche Auswirkungen auf den Hippocampus.

„Aus klinischer Sicht erweist sich die Kreatinsupplementierung als eine wirksame, ergänzende und präventive Strategie“, so das Fazit des Forschungsteams unter der Leitung der Neurophysiologen Alejandro Ruiz-Calero und Maria Ortego-Domínguez an der Universität Sevilla in Spanien. Es stelle den Kreatingehalt im Hippocampus wieder her, erhalte die neuronale Integrität und normalisiere die neuronale Erregbarkeit.

Was die Ergebnisse für Menschen bedeuten

Die Befunde erlauben noch keine Aussagen darüber, ob Kreatin Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen vor Gehirnschäden wirklich schützen kann, da die Untersuchung bis jetzt nur an Ratten durchgeführt wurde. Ob die beobachteten Effekte auch beim Menschen auftreten, müssen weitere Studien klären.

Zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zählen unter anderem Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Bei aktiven Krankheitsschüben berichten Betroffene mitunter von Konzentrationsproblemen, Gedächtnisstörungen und sogenanntem Brain Fog. Die neue Studie zeigt jedoch nicht, dass Kreatin diese Beschwerden bei Menschen lindern könnte.

Kreatin bleibt damit vor allem ein gut untersuchtes Nahrungsergänzungsmittel im Sportbereich. Seine mögliche Rolle beim Schutz des Gehirns ist ein Forschungsfeld, in dem erste Ergebnisse aus Tierversuchen weitere Fragen aufwerfen aber noch keine abschließenden Antworten liefern.