Der Vatikan, der kleinste Staat der Welt, ähnelt einer absoluten Monarchie. Der Papst vereint die höchste legislative, exekutive und judikative Gewalt – er ist Staatschef und zugleich Oberhaupt der katholischen Kirche. Kein Wunder, dass in diesen Tagen, an denen Papst Leo XIV. wegen eines bösartigen Lungentumors im Gemelli-Klinikum behandelt wird, die Frage der Machtverhältnisse im Vatikan die Öffentlichkeit beschäftigt. Denn eins steht fest: Für das Papstamt gibt es keine Stellvertretung.

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Daher stellt sich die Frage: Wie läuft es weiter im Vatikan, wenn ein Papst länger ausfällt? Wichtige Audienzen mit Staatsoberhäuptern oder Regierungschefs sind bereits bis zum 20. Oktober abgesagt worden. Ob der Papst eine im November geplante mehrtägige Reise nach Lateinamerika antreten wird, ist durchaus fraglich. Erwartet wird, dass Leo XIV. in der vorerst auf eine Woche veranschlagten Erholungsphase die Weltkirche vom Krankenzimmer aus regiert.
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Vatikan: Papst Leo XIV. regelt Amtsgeschäfte aus dem Krankenhaus
Erzbischof Paolo Rudelli, seit April als Substitut im Staatssekretariat so etwas wie die Nummer drei im Vatikan, kann dem Kirchen- und Staatsoberhaupt dringliche Ernennungen und Dekrete im Krankenhaus zur Unterschrift vorlegen. Da Leo XIV. der erste Papst mit Smartphone-Kompetenz ist, könnte er zudem mehrere Angelegenheiten, die keine päpstliche Unterschrift erfordern, auch per Mail oder Messengerdienst regeln.
In den 18 Monaten von Leos Pontifikat haben sich innerhalb der Kurie einige Persönlichkeiten herauskristallisiert, denen der Papst besonders vertraut. Auf sie richten sich in der aktuellen Situation die Blicke. Dies gilt vor allem für den US-Kardinal Kevin Joseph Farrell. Er leitet nicht nur den Bereich (Dikasterium) für Laien, Familie und Leben, sondern ist auch Camerlengo, also Kardinalkämmerer. Der Camerlengo spielt bei der Wahl eines neuen Papstes eine zentrale Funktion.
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Der neue Dekan des Kardinalskollegiums, der aus Manila stammende Philippiner Luis Antonio Tagle, gilt aufgrund seiner Erfahrung als einer der Vertrauten, die dem Papst ihre Einschätzungen unmittelbar vermitteln können, berichten Vatikan-Insider.
Dagegen scheint Kardinal Pietro Parolin, der vatikanische Staatssekretär, an Einfluss zu verlieren. Der 71-jährige Italiener besetzte den Posten auch unter Leos Vorgänger Franziskus. Der US-Papst pflegt eher ein besonders enges Verhältnis zu Erzbischof Paul Richard Gallagher, dem Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten. Beide kennen sich seit längerer Zeit und verstehen sich auch sprachlich besonders gut.

Finanzen: Papst Leo will mehr US-Bindung und weniger Spenden aus Deutschland
Ein zentrales Thema des Pontifikats sind die Finanzen des Vatikans. Leos Linie gilt als klar: mehr Unterstützung aus den USA, weniger Abhängigkeit von Deutschland. Da der weitere Verlauf des strittigen Reformprozesses „Synodaler Weg“ in der Bundesrepublik schwer abzusehen sei, solle die Abhängigkeit von deutschen Spenden verringert werden. Leos persönliches Engagement für die wirtschaftlichen Belange des Vatikans hat zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Präsidenten der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA), dem Salesianer Giordano Piccinotti, geführt, berichten Insider.
Hohes Ansehen beim Papst genießt auch der italienische Erzbischof Filippo Iannone. Seine Ernennung zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe zählt zu den wichtigen Personalentscheidungen seines bisherigen Pontifikats. Der Krankenhausaufenthalt des Papstes ist eine erste Bewährungsprobe für die neue Leitung der Vatikan-Kommunikation. Die US-amerikanische Journalistin und Managerin Maria Montserrat Alvarado tritt ihr Amt zwar erst am 1. November an, arbeitet sich aber bereits seit Monaten in ihre künftigen Aufgaben ein.
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Daher gilt es als möglich, dass Alvarado schon Einfluss auf den Umgang mit Informationen über den gegenwärtigen Aufenthalt des Papstes im Gemelli-Klinikum genommen hat. Unklar ist, ob der mit 71 Jahren noch vergleichsweise junge Leo XIV. – so wie mehrere seiner Vorgänger – bereits zu Beginn seines Pontifikats beim Kardinalstaatssekretär eine sogenannte „bedingte Rücktrittserklärung“ hinterlegt hat. Sie träte dann in Kraft, wenn der Papst dauerhaft handlungsunfähig wäre. In diesem Fall hätte Kurienkardinal Tagle, der Ranghöchste im Kardinalskollegium, die Aufgabe, die Kardinäle aus aller Welt nach Rom zusammenzurufen, um einen neuen Papst zu wählen.













