Vor knapp einem Jahr hörte Stacey (Name geändert) mitten in der Nacht dreimal die Alarmanlage ihres Teslas. Die Sydneysiderin hatte bis dahin bereits vier Jahre lang unter häuslicher Gewalt durch ihren damaligen Partner gelitten. Den Gerichtsunterlagen zufolge traute sie sich aus Angst, er könnte das Auto beschädigen, nicht nach draußen.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Am nächsten Morgen war das Auto äußerlich unbeschädigt – doch im Bordsystem war ein neues Profil mit der Bezeichnung „Kindersicherung“ aufgetaucht. Drei Tage später verfolgte sie ihr heute 50-jähriger Ex-Partner, wie die australische Ausgabe von „The Guardian“ berichtet, im Auto und schrie sie an: „Du dachtest, du kommst damit durch. Ich bin in deinem Auto. Ich bin in deinen Straßenkarten.“
Lesen Sie auch
Tesla-App gab Ex-Partner fast vollständige Kontrolle
In den kommenden Tagen wurde Stacey bewusst, dass dieses für sie unerreichbare Profil praktisch das gesamte Fahrzeug kontrollieren konnte – von der Klimaanlage über die Verriegelungen bis hin zu Fahrsperren, die bestimmten, wann der Wagen überhaupt einsatzbereit war. Zwischen dem 6. und 12. November 2025 veränderte der Mann die Temperatur im Innenraum immer wieder zwischen extremer Kälte und extremer Hitze.
Nach Aussage der Polizeiberichte konnte das Opfer „bestimmte Geschwindigkeiten nicht fahren“, und der Beschuldigte aktivierte bei mehreren Gelegenheiten den sogenannten „Valet-Modus“, wodurch die Geschwindigkeit plötzlich auf 40 km/h begrenzt wurde – eine erhebliche Gefahr im Straßenverkehr. Seit dem 1. November 2025 habe das Opfer „keine Kontrolle über sein Fahrzeug mehr gehabt“, wie es in den Unterlagen hieß. Nur der Beschuldigte hatte Zugang zur Fahrzeugsteuerung per App, was bei Stacey zu erheblichem Stress und Angst um ihre körperliche Sicherheit führte.
Zwei Jahre und drei Monate Haft für „Missbrauch“
Im September verurteilte das Gericht in Parramatta im Westen Sydneys den Mann zu zwei Jahren und drei Monaten Haft. Davon muss er mindestens 15 Monate verbüßen. Eine Woche vor dem eigentlich für August geplanten Prozess hatte er seine Schuld eingestanden. Der zuständige Richter Peter Feather beschrieb das Verhalten des Mannes als „Missbrauch“. Dieser habe über einen Zeitraum von vier Jahren stattgefunden, und es seien verschiedene Methoden eingesetzt worden, um Kontrolle auszuüben – darunter die Manipulation von Staceys Auto und erfundene Jobangebote, die Abhängigkeit schaffen sollten. Nach Ansicht des Richters handelte es sich um „ein System, das darauf abzielte, Macht und Gehorsam zu etablieren“.
Die Anklageschrift umfasste unter anderem acht Fälle von Stalking oder Nötigung, sechs Fälle einfacher Körperverletzung sowie zwei Fälle des Würgens ohne Zustimmung. Laut den Gerichtsakten hatte der Mann Stacey bereits 2020 gedroht, dass sie ihren damals zweijährigen Sohn nie wiedersehen würde, falls sie ihn verlässt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sie gewaltsam aus dem Auto gezogen und war mit ihrem Sohn allein im Auto weggefahren, nur um später zurückzukehren und sie erneut zu bedrohen. 2021 würgte er sie so stark, dass sie das Bewusstsein verlor: „Alles wurde still, und das Opfer wurde ohnmächtig“, so die Schilderung in den Dokumenten – Stacey habe geglaubt, sie werde sterben.
Gewalt gegen Frauen: Australische Expertin spricht von „nationaler Krise“
Der Fall ist nur ein Beispiel in einer Reihe von Vorfällen, die häufig sogar mit dem Tod enden. Laut dem Australian Institute of Health and Welfare (AIHW) hat etwa jede vierte Frau des Landes (27 Prozent) seit dem 15. Geburtstag körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch einen Partner erfahren müssen. 2025 verzeichneten die Behörden landesweit 133 Todesfälle im Kontext häuslicher und familiärer Gewalt, das macht 31 Prozent aller Tötungsdelikte im Land aus.
- Gewalt in Beziehung: Heikos Ehefrau misshandelt ihn fast täglich: „Ich war ihr egal“
- Trennung: Toxische Beziehung beenden: Expertinnen sehen nur eine Chance
- Toxische Eltern: Wenn Kindern nur noch der Kontaktabbruch bleibt
- Nach Trennung: Wenn der Ex-Freund zum Stalker wird: „Er wollte mich besitzen“
Im Schnitt wird in Australien wöchentlich eine Frau von ihrem jetzigen oder früheren Partner getötet. Nach aktuellen Zahlen für 2026 sind bereits 49 Frauen und 19 Kinder Opfer solcher Gewalttaten geworden. Kate Fitz-Gibbon, Professorin am Monash Gender and Family Violence Prevention Center, hatte in Medieninterviews bereits in den vergangenen Jahren auf das „erhebliche“ Ausmaß an Missbrauch, das Frauen und Kinder durch häusliche, familiäre und sexuelle Gewalt in Australien erleiden würden, hingewiesen. Im Interview mit dem australischen Sender ABC sprach sie sogar von einer „nationalen Krise“.








