Es war ein Abend im Juni 2021, der weit über den Gardasee für Entsetzen gesorgt hatte: Ein Liebespaar wollte mit seinem kleinen Segelboot auf die andere Seite des Gardasees schippern. Dort kamen die beiden aber nie an. Das Boot, die Riva Aquarama „Orso“ mit zwei Münchnern an Bord, raste bei hoher Geschwindigkeit über das Holzboot der beiden Verlobten hinweg. Greta Nedrotti und Umberto Garzarella starben. Sie wurden nur 25 und 37 Jahre Jahre alt.

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Das Schockierende: Die beiden deutschen Manager fuhren weiter – ohne zu helfen. Vor Gericht erklärten sie, vom Zusammenstoß mit dem Boot nichts gemerkt zu haben. Zu vier Jahren und sechs Monaten wurde der Lenker des Schnellbootes, P. K., rechtskräftig verurteilt. Gegen den Inhaber des Bootes, den Münchner Unternehmer C. T., verhängte ein Berufungsgericht in der norditalienischen Stadt Brescia eine Strafe von zwei Jahren und elf Monaten. Die Strafen sind inzwischen rechtskräftig.

Tragödie am Gardasee: Verurteilter Deutscher will das Todesboot zurück

Jetzt fordert der Inhaber das seit dem Unfall beschlagnahmte Todesboot zurück. Mit seinen 300 PS gilt es als „Rolls-Royce“ der Motorboote. Der Fall beschäftigt jetzt die Justiz: Der Gerichtshof hat ein Gutachten angeordnet. Damit soll festgestellt werden, ob die „Orso“ Hinweise auf gefährliche Mängel aufweist: Denn die grünen und roten Positionslichter des Motorbootes waren angeblich nicht zugelassen. Der Gutachter soll klären, ob dies zum verhängnisvollen Unfall führte.

„Die Riva ist ein Wrack, es gibt keinen rechtlichen Grund, die Beschlagnahmung nicht aufzuheben“, sagt der Anwalt des Besitzers, Alessandro Silveri Gentiloni, gegenüber unserer Redaktion. Er erklärte sich zuversichtlich, dass das Gericht in Brescia dies ebenfalls so sehen werde. Der Prozess um den Tod des jungen Paares sei abgeschlossen, sein Mandant habe das Recht, sein Motorboot zurückzuerlangen, ein Juwel italienischer Nautik.

Gardasee-Unfall mit Luxusboot: Eltern der Toten befürchten Schlimmes

Das Boot der Luxusmarke Riva befindet sich zurzeit in einer beaufsichtigten Bootshalle am Gardasee. Sein Mandant warte inzwischen auch auf einen Beschluss eines Sondergerichts, das prüfen müsse, wie er seine Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verbüßen solle, erklärte Anwalt Silveri Gentiloni. Er hat beim Gericht einen Antrag auf Sozialdienst für seinen Klienten eingereicht. „Wir warten jetzt auf einen Beschluss. Mein Mandant hat volles Vertrauen in die italienische Justiz“, betonte der Anwalt.

Münchner Verurteilte will sein Luxusmotorboot Riva Aquarama „Orso“ zurück. Vor vier Jahren wurde damit das Holzboot eines Liebespaares gerammt.
Münchner Verurteilte will sein Luxusmotorboot Riva Aquarama „Orso“ zurück. Vor vier Jahren wurde damit das Holzboot eines Liebespaares gerammt.© Shutterstock / Greg V King | Greg V King

Anders sehen die Eltern der Todesopfer die Lage. Wie in italienischen Medien zu lesen ist, befürchtet die Familie von Greta Nedrotti, dass der Münchner, der das Motorboot zum Zeitpunkt des Unfalls fuhr, wieder ans Steuer zurückkehren könnte. Die Familie wirft außerdem dem Eigentümer des Bootes Missachtung im Umgang mit den Regeln der Navigation vor. In der Todesnacht sollen die Positionslichter des Bootes für Greta und Umberto nicht sichtbar gewesen sein, sodass sie keine Chance zum Ausweichen hatten. Der Bootsführerschein des Besitzers solle zudem eingezogen werden, fordern die Eltern.

In einer Urteilsbegründung erklärte Italiens Oberstes Gericht kürzlich, dass die Frage der Beschlagnahmung neu geprüft werden müsse. Es sei nämlich nicht klar, welche konkrete Rolle die fehlende Zulassung der Scheinwerfer beim Unfall gespielt habe. Die vorgeschriebenen grünen und roten Lichter für die Nachtfahrt waren nicht sichtbar, weil sich der Bug des Bootes anhob. Und nicht wegen eines zu schwachen Lichtkegels. Außerdem sei unklar, ob die Scheinwerfer der Riva unter normalen Fahrbedingungen, ohne angehobenen Bug, tatsächlich ungeeignet waren, das Motorboot sichtbar zu machen. Deshalb sei die Annahme einer „grundsätzlichen Gefährlichkeit“ der Riva als Begründung für die Beschlagnahme nicht ausreichend erklärt. Der Anwalt will die angebliche Gefährlichkeit des Bootes durch den Einbau neuer, zweifarbiger Positionsleuchten beseitigen lassen.

Unfallhergang am Gardasee: Behauptung der Deutschen schockiert

Nachdem die zwei Münchner das Holzboot des Liebespaares gerammt hatten, war Garzarella sofort an seinen schweren Verletzungen verstorben. Die Leiche seiner Freundin wurde später im Hafen von Portese geborgen. Die Manager begründeten ihre Fahrerflucht damit, dass sie von einem Zusammenstoß mit Treibholz ausgegangen seien.

Diese Tragödie hatte auch juristische Folgen: Kurz darauf wurde ein Gesetz verabschiedet, das Tötungsdelikte auf dem Wasser mit solchen auf der Straße gleichsetzt und die Strafen für betrunkene oder unter Drogeneinfluss stehende Fahrerinnen und Fahrer in Italien verschärft.

Im Garten des Palazzo Morgante an der Uferpromenade der italienischen Kleinstadt Salò stehen inzwischen zwei Trauerweiden, deren Zweige sich in Richtung des Wassers erstrecken, das Schauplatz des tödlichen Aufpralls wurde. Neben den Bäumen erinnert eine Gedenktafel an die „durch schwere Verstöße gegen das Schifffahrtsgesetz verursachten Todesfälle“.