Die Sicherheitsfirma wirbt mit einem Menschen, der durch einen düsteren, dichten Wald schreitet. Oben, durch das Geäst der Blätter, blinzelt die Sonne. Darunter präsentiert die Firma ihren Slogan: „Integrität als Strategie“. Am Dienstag bekommen die Mitarbeiter des Unternehmens mit Sitz in Hamburg, Berlin und der Schweiz Besuch. Ermittler durchsuchen die Räume, allein in Hamburg über mehrere Stunden.

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Es ist ein weiteres Kapitel im Prozess um die entführten Kinder der millionenschweren Unternehmerin Christina Block. Ein Fall, der längst zu einem Geheimdienst-Thriller gewachsen ist. Nun gerät ein früherer Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Deutschlands Auslandsgeheimdienst, in den Fokus der Staatsanwaltschaft. Er steht laut den Ermittlern in Verbindung mit der Sicherheitsfirma. Den Namen nennt die Staatsanwaltschaft nicht.
- Sorgerechtsstreit: Psychologin über Fall Block – „Kinder stehen vor einem Dilemma“
- Gericht: Anwältin über Block-Prozess – „Kindesentführung passiert häufiger“
- Betroffene erzählt: Entführt von der Mutter– „Konnte nicht mal den Teddy mitnehmen“
- Block-Fall: Privatdetektiv packt über Methoden aus – „Observationen beginnen bei 500 Euro“
Laut Berichten verschiedener Medien und nach Information unserer Redaktion soll es sich um August Hanning (79) handeln. Neben ihm wird auch ein früherer, 64 Jahre alter und mittlerweile pensionierter Polizist des Hamburger Landeskriminalamts beschuldigt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: gemeinschaftliche, schwere Entziehung Minderjähriger sowie Anstiftung zum Besitz kinderpornographischer Schriften. Für eine Stellungnahme waren die Beschuldigten über die Sicherheitsfirma bisher nicht erreichbar. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Neue Erkenntnisse im Fall Block: Erster Entführungsversuch soll gescheitert sein
Polizisten durchsuchten insgesamt 13 Adressen, Wohnungen, Bürogebäude, nicht nur in Hamburg und Berlin, sondern auch in Brandenburg und in Nordrhein-Westfalen, wo der Ex-Geheimdienstler wohnt. Auch in der Schweiz gab es Durchsuchungen. Laut Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen gegen die beiden bereits seit diesem Frühjahr.
An einem Novembermorgen im Jahr 2022, so rekonstruierten es die Strafverfolger, sollen mutmaßliche Entführer den Kindern von Christina Block beim Haus ihres Vaters Stephan Hensel in Dänemark aufgelauert haben. Der angebliche Plan: die beiden auf dem auf ihrem Schulweg zu kidnappen. Oder, wie die Staatsanwaltschaft sagt, „deren Begleitung abzulenken und es der Kindesmutter auf diese Weise zu ermöglichen, sie in ein bereitstehendes Auto zu setzen und zurück nach Hamburg zu bringen“. Als Lohn für ihren Auftrag sollten die Tatverdächtigen „mehr als 100.000 Euro“ angeboten bekommen haben. Am Ende scheiterte der mutmaßliche Plan, weil der Vater „rechtzeitig verdächtige Personen an seinem Wohnhaus bemerkt und die dänische Polizei informiert hatte“, so die Staatsanwaltschaft.
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Bereits Ende August hatten mehrere Medien, darunter die „Bild“ und die „Zeit“ berichtet, dass gegen August Hanning im Fall Block ermittelt werde. Der Ex-BND-Chef wies dies stets zurück. „Ich habe mit der Entführung der Kinder von Christina Block nichts zu tun“, sagte er der „Bild“. Auch in der „Zeit“ hatte der Nachrichtendienstler eine Verwicklung in den Fall bestritten.
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen weiterer Vorwürfe
Doch die Vorwürfe gehen noch weiter: Der Ex-Geheimdienstler und der frühere LKA-Polizist sollen laut Staatsanwaltschaft gemeinsam mit Block und Mitarbeitern einer israelischen Sicherheitsfirma versucht haben, den Vater der zwei Kinder und Blocks früheren Ehemann sowie dessen Anwalt „durch wahrheitswidrige Vorwürfe aus dem Bereich der Pädophilie“ zu diskreditieren. Dazu soll laut Ermittlern eine Festplatte mit mehr als 500 kinderpornografischen Bild- und Videodateien auf dem Wohngelände des Kindesvaters platziert worden sein.
Das Material soll ebenfalls aus Israel stammen – und sich später als Fälschung herausgestellt haben. Christina Block soll der Polizei das Material übergeben haben. „Gegenstand der laufenden Ermittlungen“ sei darüber hinaus auch, ob die Beschuldigten an der erfolgreichen späteren Entführung der Kinder beteiligt gewesen seien.

Ein Ex-Geheimdienstler, ein früherer Polizist, israelische Sicherheitsleute – kaum ein Prozess in der deutschen Justizgeschichte ist so verworren wie der zu Christina Block und ihren Kindern. Am Ende ist es aber auch etwas, was deutsche Gerichte tausendfach in ihrem Alltag erleben: ein Sorgerechtsstreit. Einer, der offenbar auch mit Gewalt ausgetragen wurde. Beide machen sich gegenseitig Vorwürfe.
Seit Juli dieses Jahres ist Block angeklagt, die Entführung ihrer 2010 geborenen Tochter und ihres 2013 geborenen Sohns beauftragt zu haben. Sie waren laut Anklage in der Silvesternacht 2023/24 von mehreren Männern ihrem Vater gewaltsam entrissen und von Dänemark nach Deutschland gebracht worden. Laut einer dänischen Gerichtsentscheidung liegt das alleinige Sorgerecht inzwischen beim Vater.
Ein mitangeklagter Israeli hat im Prozess bereits gestanden
Mitarbeiter eines israelischen Sicherheitsunternehmens sollen die minderjährigen Kinder nach Deutschland entführt haben. Vier Tage nach der Rückholaktion wurden die Kinder auf Anordnung des Gerichts in Hamburg wieder zu ihrem Vater nach Dänemark gebracht. Stephan Hensel war bei der Entführung niedergeschlagen worden. Er sitzt seiner Ex-Frau im Prozess als Nebenkläger gegenüber.
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Ein mitangeklagter Israeli hat bereits im Prozess gestanden, in der besagten Silvesternacht gemeinsam mit weiteren Beteiligten die beiden Kinder gewaltsam aus der Obhut des Vaters in Dänemark entführt zu haben. Es sei aber nicht um eine Entführung gegangen, betonte der 36-Jährige. Der Chef der Sicherheitsfirma habe ihm erklärt, es gehe um eine Rettung der Kinder vor ihrem angeblich gefährlichen Vater, der seinen Sohn und seine Tochter manipuliere. Er habe das damals geglaubt. (mit afp)








