Über Jahrzehnte stand Gerhard Delling (66) im Rampenlicht. Als Promi-Moderator begeisterte er Millionen Zuschauer. Nun aber richten sich die Scheinwerfer in einem Drama auf ihn: In Hamburg steht aktuell seine Lebensgefährtin, Steakhausketten-Erbin Christina Block, wegen des Verdachts der Entführung ihrer Kinder vor Gericht. Und auch Delling ist wegen Beihilfe angeklagt. Seine Aussage vor Gericht begann er mit den flapsigen Worten: „Normalerweise rede ich zweimal 45 Minuten. Heute soll es schneller gehen.“

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Dabei hatte der TV-Star mit dem breiten Lachen und der Gabe zur Schlagfertigkeit für seinen Ruhestand sicher andere Pläne. In Interviews erzählte er nach seinem TV-Abschied, dass er viel vorhabe und kein Typ fürs Herumlungern sei. „Ich bin nicht dafür geschaffen, mich den ganzen Tag in die Sonne zu legen“, sagte er einmal. Der einst gefeierte Sportmoderator hatte dann auch schnell erste Schritte Richtung Neu-Orientierung vorgenommen und konnte sich als Buchautor feiern lassen. So hätte es gut weitergehen können.
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Preise für Delling und Günter Netzer: Sie waren Kult im TV
Gerhard Delling, dieser Name hat immer noch eine gewisse Wucht. So ist sie eben, die gute, alte Fernsehzeit, in der vieles nicht einfach verschwindet, sondern in Erinnerung bleibt. Delling war ein Dino mit ausgesprochen jugendlichem Charme, was an dem bubenhaft Schalk aus himmelblauen Augen lag, aber auch an dieser Frisur, die so ein bisschen auf Matte gemacht war. Delling, ganz klar, war das Gesicht des Fernsehfußballs. Fast 400 mal hat er allein nur die ARD-„Sportschau“ moderiert.
Und dann wurde er sogar noch zum absoluten Kult. Und zwar zusammen mit der Fußball-Ikone Günter Netzer (80). Mit ihm lieferte er sich zwölf Jahre legendäre Sprüche-Feuerwerke, als das „TV-Ehepaar“ von 1998 bis 2010 die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf ihre ganz eigene Weise analysierte. Beispiel gefällig? Delling: „Sie haben auch die Spieler der Färöer-Inseln gesehen. Haben Sie auch dieses selbstbewusste Siegerlächeln bemerkt?“ Netzer: „Nö, ich hatte eigentlich festgestellt, dass die auch so Milchgesichter haben wie Sie.“
Für ihre kecken Bemerkungen, bei denen der Fußball bisweilen nur noch der Stichwortgeber für unterhaltsame Pointen war, wurden sie nicht nur von Millionen gefeiert, sondern auch mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Adolf-Grimme-Preis und dem Medienpreis für Sprachkultur.

Delling brachte Rudi Völler gegen sich auf: „Soll den Gottschalk ablösen“
Auch die berühmte Wutrede von Teamchef Rudi Völler ging auf das Duo zurück. Es war der 6. September 2003, als Völler nach dem 0:0 in der EM-Qualifikation gegen Island im Gespräch mit Moderator Waldemar Hartmann explodierte. „Ich weiß, meine beiden Jungs von der ARD, der Günter und auch Herr Delling – das ist natürlich eine schöne Sauerei, was der so sagt. Das muss ich einfach mal so sagen“, polterte der Teamchef. Hartmann fragte, was er genau meint. Völler erklärte aufgebracht: „Immer diese Geschichte mit dem Tiefpunkt und noch ’nem Tiefpunkt, dann gibt’s noch mal ’nen niedrigeren Tiefpunkt. Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören.“ Und Völler wütete weiter und weiter und schob was von „Käse“ nach und: „Da soll der Delling doch zu ,Wetten, dass..?‘ gehen und den Gottschalk ablösen.“
Nein, kein „Wetten, dass..?“, dafür Sportschau, Fußball-Live-Übertragungen, Olympische Spiele – es gab wenig, was Delling nicht moderiert hatte. Und Sport war auch etwas, das ihn in seiner Zeit danach weiter begleitete, wenn auch auf andere Weise: Nach seinem Abschied erzählte er in einem Interview, dass er es schätzt, auch als Rentner in Bewegung zu bleiben. Richtig Spaß mache ihm die neue Trend-Sportart Paddel-Tennis. „Ein großartiger Sport für Alt und Jung, Männer wie Frauen.“ Fern
Fernsehmoderator wurde für seinen Debütroman gefeiert
Neben Lust an der Ballsportart entwickelte er auch seine Leidenschaft am Schreiben weiter. Immerhin hatte der gebürtige Rendsburger schon in Jugendjahren als Freier Mitarbeiter bei der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung mit dem Schreiben Erfahrung gesammelt. Und sein Romandebüt „Ella & Co. KG“ begeiterte Leser wie Kritiker.
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Es ist eine Geschichte aus der Nachkriegszeit, die Geschichte der 18-jährigen Ella, die plötzlich allein im Leben steht und sich nicht beirren lässt. „Eine kraftvolle, feinfühlige und humorvolle Familiengeschichte, die den Geist der Wirtschaftswunderzeit lebendig werden lässt“, so lobten ihn die Medien. Und es ist die Geschichte seiner Familie, seiner Großmutter, zumindest in Anlehnung, wie Delling sagte. Für ihn war dieses Besinnen auf seine Wurzeln ungeheuer wichtig. „Man muss wissen, wo man herkommt“, sagte er gern. Aber er verwies auch darauf, dass Ella nicht seine Großmutter war. „Vieles ist frei erzählt“.
Er hatte den Roman während der Corona-Monate geschrieben, „eine perfekte Zeit für diese einsame Arbeit“, so Delling im Interview mit dpa. Eigentlich, sei der auch gar nicht der Typ, der so viel von sich preis gibt. Lieber frage er andere. Und das konnte er einfach unvergleichlich gut. Delling gab seinen Gästen stets das Gefühl, sich wirklich für sie zu interessieren. Seine Fragen hatten nicht dieses typische schablonenhafte Abgefrage. Er wollte tatsächlich etwas über den Menschen erfahren.
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Delling gab 2021 Beziehung zu Christina Block bekannt
Wortwitzig, aufmerksam und zugewandt – wer einen solchen Ruf genoss, wuchs schnell auch über den Sport hinaus: Und so wurde Delling 1993/94 zudem Moderator der „NDR-Talkshow“, moderierte auch die Sendung „DAS – Gäste auf dem Roten Sofa“, die „ARD-Sportgala“ und entwickelte für den NDR Formate wie „Schlagzeile Sport“ und die „Sportclub Stars“ oder 1996 das Talk-Feature Format „Mensch Leute“.
Delling war zweimal verheiratet und hat drei Töchter. Tochter Katharina berichtet als Reporterin zum Beispiel für n-tv regelmäßig aus Großbritannien. Mit seiner zweiten Ehefrau, der Fernsehjournalistin Isabelle Delling (geb. Dreiss), die ebenfalls beim NDR arbeitete, war er von Juni 2003 bis Ende 2014 verheiratet.
Im Juli 2021 gab Delling seine Beziehung zu Christina Block bekannt. Anlässlich der neuen Liebe sagte er gegenüber „Bunte“, was er in einer Partnerschaft schätze: „Offenheit, Klarheit, Selbstbewusstsein und natürlich Liebe. Alles andere mag vielleicht bequem sein, aber irgendwann merkt man, dass das nicht authentisch ist. Da kommt irgendwann Langeweile auf.“ Vielleicht wäre ihm die jetzt sogar ganz lieb.








