Trotz des Friedensabkommens mit der Guerilla Farc bleibt Kolumbien von anhaltender Gewalt geprägt. Mindestens 18 Menschen sind am Donnerstag bei zwei Angriffen in verschiedenen Teilen Kolumbiens ums Leben gekommen, wie die Behörden mitteilten. In der Region Antioquia im Norden wurden demnach zwölf Polizisten getötet, als eine Drohne einen Polizeihubschrauber abstürzen ließ. Im Süden des Landes riss eine Autobombe in der Stadt Cali sechs weitere Menschen in den Tod. Die Regierung macht Splittergruppen der ehemaligen Farc-Guerilla für die Anschläge verantwortlich.

Drohnenangriff und Autobombe: 18 Tote bei Angriffen

Angreifer hätten in der Region Antioquia eine Gruppe „bedrängt“, die mit der Vernichtung von Kokapflanzen beauftragt gewesen sei, teilte ein Polizeibeamter der Nachrichtenagentur AFP mit. Mit Gewehren und einer Drohne hätten sie einen Hubschrauber der Einsatzkräfte angegriffen, welcher daraufhin abstürzte. In Onlinediensten verbreitete Aufnahmen zeigten einen Hubschrauber im Anflug auf ein Gebiet. Es folgen eine Explosion und der Absturz des Hubschraubers. Zwölf Polizisten wurden dabei getötet und drei weitere verletzt, wie der Gouverneur von Antioquia, Andrés Julián Rendón, auf einer Pressekonferenz sagte.

Explosion in Kolumbien
Soldaten der Luftwaffe stehen hinter einem Absperrband in Cali.© Sebastian Marmolejo/LongVisual v | Sebastian Marmolejo

Die Polizei, das Verteidigungsministerium sowie Kolumbiens Präsident Gustavo Petro machten zunächst das Kartell Clan del Golfo für die Angriffe verantwortlich. Verteidigungsminister Pedro Sánchez dementierte dies jedoch später und erklärte im Onlinedienst X, dass nach jüngsten Informationen der Polizei eine Splittergruppe der Guerillaorganisation EMC unter Führung eines Kommandeurs mit dem Decknamen „Calarca“ hinter dem Vorfall stehe.

Die EMC spaltete sich von der Farc ab, nachdem diese 2016 in einem Friedensabkommen mit der Regierung ihre Waffen niedergelegt hatte. Die EMC lehnt das Friedensabkommen ab.

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Augenzeugen berichten: „Es gab so viele Verletzte“

Zuvor war bereits in der Stadt Cali im Südwesten Kolumbiens eine Autobombe explodiert. Dabei wurden den Behörden zufolge mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 60 weitere Menschen verletzt. Ziel des Anschlags war offenbar ein Luftwaffenstützpunkt.

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Nach Angaben der Polizei wurde der Sprengkörper nahe einer Militärflugschule gezündet. In den Onlinenetzwerken verbreitete Aufnahmen zeigen einen brennenden Lastwagen, mehrere beschädigte Fahrzeuge und zahlreiche zerbrochene Fensterscheiben sowie mehrere am Boden liegende Menschen, die von Rettungskräften versorgt werden. Auch brennende Fahrzeuge und in Panik davonrennende Menschen sind zu sehen. Mehrere Gebäude und eine Schule wurden evakuiert. Zeugenaussagen zufolge waren unter den Toten zivile Opfer.

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„Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, als etwas in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts explodierte“, sagte ein 65-jähriger Augenzeuge AFP. „Es gab so viele Verletzte“, fügte er hinzu.

Der Bürgermeister von Cali, Alejandro Eder, verbannte nach dem Vorfall große Lastwagen aus der Stadt, um weitere Explosionen von Autobomben zu verhindern, und setzte eine Belohnung von 10.000 Dollar (rund 8565 Euro) für Hinweise zur Tat aus. Verteidigungsminister Sánchez machte EMC für den Angriff verantwortlich.

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Ermordung eines Präsidentschaftskandidaten: Farc-Gruppe unter Verdacht

Zuletzt hatte der Tod des Präsidentschaftskandidaten Miguel Uribe in Kolumbien für Entsetzen gesorgt. Der konservative Senator war vor zwei Monaten bei einem Wahlkampfauftritt in der Hauptstadt Bogotá angeschossen worden und später an den Folgen des Attentats gestorben. Der kolumbianische Geheimdienst macht die Segunda Marquetalia, eine Splittergruppe der ehemaligen Farc-Guerilla, für die Ermordung Uribes verantwortlich.

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Das Attentat lösten Befürchtungen bei vielen Menschen in dem südamerikanischen Land aus, dass es zu einer Gewaltspirale wie in den 1980er und 1990er Jahren kommen könnte, als bewaffnete Angriffe der Drogenkartelle und Morde an Politikern zum Alltag gehörten.

Vom Kampf für Ideologien zum Geschäft mit Kokain

Viele der bewaffneten Gruppen Kolumbiens, die einst auf linken oder rechten Ideologien basierten, sind heute Drogenkartelle, die sich durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren. Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt und verzeichnete 2023 eine Rekordfläche von 253.000 Hektar Kokapflanzen. Die Regierung von Petro treibt einen Plan zur freiwilligen Vernichtung der Pflanzen durch die Bauern voran, der ihnen wirtschaftlichen Anreize bietet.

pau/AFP