- Laura Dahlmeier ist beim Bergsteigen im Karakorum-Gebirge tödlich verunglückt
- Das Gebirge gilt als anspruchsvoll, mit vielen Bergen über 8000 Meter Höhe
- Bergführer Dominik Müller kennt das Gebiet und erklärt, welche Gefahren lauern
Die ehemalige deutsche Biathletin Laura Dahlmeier ist beim Bergsteigen tödlich verunglückt. Sie war mit einer Seilpartnerin am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge unterwegs. Derzeit ist dort Hochsaison für Kletter- und Trekkingtouren, wie auch Dominik Müller weiß. Er ist Inhaber des Expeditionsveranstalters Amical alpin und Vorstandsmitglied im Deutschen Bergführerverband. Im Karakorum-Gebirge war er selbst schon unterwegs und organisierte dort Touren. Was das Gebiet so beliebt bei Alpinisten macht und was dort die Schwierigkeiten für Bergsteiger sind, erklärt Müller im Gespräch mit dieser Redaktion.
Waren Sie selbst mal auf dem Laila Peak?
Dominik Müller: Auf dem Laila Peak nicht, aber ich bin dort mehrmals vorbeigetrekkt. Ich war oft im Karakorum-Gebirge, ich war am Gasherbrum und Broad Peak (Berge im Karakorum-Gebirge mit mehr als 8000 Meter Höhe, anm. d. Redaktion). Wir haben dort über viele Jahre Touren und Expeditionen organisiert.
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Ist das Karakorum-Gebirge ein besonders anspruchsvolles Gebiet für Alpinisten?
Müller: Man kann nicht von einem ganzen Gebiet sagen, dass es schwierig oder anspruchsvoll ist. Es gibt einfache Routen und Wanderwege und schwere. Aber es ist wie bei uns in den Alpen auch: Du kannst einen einfachen Wanderweg nehmen, aber wenn du einen besonderen Gipfel besteigen möchtest, wird es schwierig.
Laila Peak: Die Route auf den Gipfel ist anspruchsvoll
Ist der Weg auf den Laila Peak eine schwierige Route?
Müller: Ja, das ist eher eine anspruchsvolle Route auf den Gipfel. Das ist eine mehrtägige Expedition.
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Braucht man eine gewisse Expertise, um sich diese Route zuzutrauen?
Müller: Ich weiß nicht, welche Route da gegangen wurde. Man braucht immer, egal was man macht, in den Bergen eine gewisse Expertise. Ob zum Wandern, zum Bergsteigen oder auf Expedition. Und Laura Dahlmeier hatte die mit Sicherheit. Sie hat bei uns die Ausbildung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin durchlaufen und mit Erfolg abgeschlossen. Das ist die höchste alpine Qualifikation, die man im kommerziellen Bereich erreichen kann. Die hatte sie.
Kannten Sie Laura Dahlmeier?
Müller: Persönlich nicht. Sie war Mitglied bei uns im Verband.

Karakorum-Gebirge: Sehr viele Berge auf engem Raum
Was sind die Besonderheiten des Karakorum-Gebirge? Was macht den Reiz aus?
Müller: Es ist landschaftlich nicht so lieblich wie Nepal, ist einfach trockener und hat dadurch auch seinen Reiz. Es gibt kein Gebiet auf der Welt wie in Pakistan, wo so viele Achttausender an einem Fleck sind. Und das mit wunderschönen Gipfeln, sehr abgelegen und manchmal eben schwer zu erreichen. Weil es eben so eine wahnsinnige Gebirgslandschaft ist. Es grenzt an China und an Indien aber von Pakistan ist es am einfachsten und am besten zu erreichen. Nepal hat das Everest-Gebiet, aber wenn man das vergleicht mit Pakistan, ist es noch gewaltiger mit deutlich mehr Bergen auf engem Raum.
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Und wie ist die Infrastruktur? Etwas für Fortgeschrittene?
Müller: Im Hushe-Tal gibt es eine Straße und über den Baltoro sind 70 Kilometer zu laufen, um an die Achttausender rund um den Berg K2 zu kommen. Über den Gondogoro La Pass kann man ins Hushe Valley queren. Als guter Läufer schafft man die Entfernung von Hushe bis ins Basislager am Fuße des Laila Peaks in einem langen Tag.
Wie lange würde es dauern, bis auf den Laila Peak zu gelangen?
Müller: Im alpinen Stil, wenn die Bedingungen des zulassen, bin ich in zwei bis drei Tagen am Gipfel. Aber da sprechen wir von der normalen Route bei besten Bedingungen. Mir liegen keine Informationen vor, was Laura Dahlmeier vorhatte und welche Route sie genommen haben. Es gibt viele Möglichkeiten, um an den höchsten Punkt des Berges zu kommen.

Bergsteigen in Pakistan: „Die Schwierigkeit ist, zwischen Felsen und Eis aufzusteigen“
Was ist genau die Schwierigkeit dort?
Müller: Die kombinierten Berge, wie auch am Mont Blanc oder auch im Himalaya. Die Schwierigkeit ist einfach, zwischen Felsen und Eis aufzusteigen, da braucht man gewisse Techniken und Können. Das hatte Laura als Bergführerin. Aber es kommt immer darauf an, für welche Route ich mich entscheide und wie gerade die Bedingungen sind. Beim Bergsteigen kann ich nicht rechts raus wie bei einem Marathon und es ist vorbei, sondern es ist erst vorbei, wenn ich wieder im Basislager zurück bin.
Benötigt man für die Besteigung des Laila Peak extra Sauerstoff?
Müller: Nein. Von der Höhe her geht das noch alles sehr gut ohne Sauerstoff.
Steinschlag war offenbar der Grund für den Unfall von Laura Dahlmeier. Ist die Gefahr im Karakorum-Gebirge besonders hoch?
Müller: Steinschlag haben wir in jedem Gebirge, das ist eine objektive Gefahr. Das haben wir überall auf der Welt, das hängt mit Temperatur, Bedingungen und Niederschlag zusammen und man kann das nicht ausschließen. Es ist immer lokal abhängig, es spielen ganz viele Faktoren hinein, das muss man abschätzen. Es bleibt immer ein Restrisiko.





