Was einst als naturbelassenes Paradies für Alpinisten galt, hat sich heute zu einem der größten Touristenmagneten in Südtirol entwickelt: Die Seceda ist einer der Urlauber-Hotspots der Dolomiten. In der Hochsaison stürmen täglich Tausende Gäste auf den Gipfel in Gröden, um einen Schnappschuss vor einer atemberaubenden Bergkulisse zu ergattern. Doch dabei hinterlassen sie Spuren, die für die Menschen in der Region immer mehr zum Ärgernis werden. Erste Einheimische nehmen das Problem selbst in die Hand.
Urlaub in Südtirol: Drehkreuz sorgt für Verblüffung bei Wanderern
Der Wanderweg auf der italienischen Seceda wird seit einigen Tagen von einem Drehkreuz samt Ticket-Automat versperrt. Dieser wurde von einem empörten Bauer, Georg Rabanser, aufgestellt. Der Wanderweg, der durch Rabansers Grundstück verläuft, ist zwar öffentlich, doch die Gäste würden nicht auf diesem bleiben, klagt der Bauer. „Wir haben mehrmals Zäune aufgestellt. Diese werden einfach eingerissen oder man klettert drüber“, ärgert sich Rabanser gegenüber lokalen Medien.
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„Die Gäste zertrampeln die Wiese und richten starke Schäden an. Zudem liegt überall Müll, den wir als Eigentümer entsorgen können“, protestiert der Bauer. Die Touristen würden gar nicht reagieren, wenn man sie darauf aufmerksam macht, dass sie sich auf privatem Grund befinden. So habe er sich entschieden, zur Eigeninitiative zu greifen und ein Drehkreuz samt Geldautomat vor dem Wanderweg aufzustellen.
Wer Rabansers Grundstück für einen Schnappschuss auf der Seceda passieren will, benötigt ein Ticket. Der Bauer spricht von „Provokation“. „Wir wollten auf das Problem aufmerksam machen. Der Ticket-Automat wurde zwar installiert, war aber nur für zwei Stunden aktiv“, erzählt er. Doch die Provokation hat gereicht, um eine heiße Diskussion zu entfachen. Wie es nun weitergehen soll, ist unklar. In der Gemeinde St. Christina will man prüfen, ob der Geldautomat überhaupt rechtens ist.
Italiens Urlaubsregion zieht täglich Tausende Wanderer an
Die Seceda sorgt jedoch nicht nur wegen des Drehkreuzes für Diskussionen. „Wir sind am Limit“, klagen Umweltschützer. In einem neu veröffentlichten Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert, sind Hunderte Menschen zu sehen, die in einer schier endlosen Schlange unter der sengenden Sonne darauf warten, in die Seceda-Seilbahn einzusteigen. Das Video nährte weitere Diskussionen über den Massentourismus in der Region.

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Um den Ansturm einigermaßen in den Griff zu bekommen, wird der motorisierte Zugang zu den wichtigsten Südtiroler Gipfeln inzwischen strenger geregelt. Bis zu 8.000 Menschen tummeln sich in der Hochsaison an den markanten Felstürmen der Drei Zinnen – jeden Tag. Wer nicht einen mehrstündigen Fußmarsch zurücklegen will, erreicht den „Hotspot“ über eine Mautstraße, die zur Auronzo-Hütte auf 2.333 Metern auf der Südseite der Zinnen führt.
Die Auffahrt mit dem Privatwagen ist in diesem Jahr erstmals nur mit vorab gebuchtem Parkplatz und einer erhöhten Gebühr von 40 Euro (zuvor 30 Euro) möglich. Diese Maßnahme sei notwendig, um „die motorisierte Aggression gegen die Dolomiten“ einzuschränken, beklagen Bürgerverbände. Eine umweltfreundlichere Alternative ist ein Shuttle-Bus, der von Ende Mai bis 12. Oktober zwischen Toblach und der Auronzo-Hütte verkehrt. Die öffentliche Linie, deren Betreiber das Land Südtirol ist, wird vom lokalen Mobilitätskonsortium (MoKo) geführt.
Hoteliers in Sorge: „Sind nicht für Einschränkungen“
Die Hoteliers beobachten die Diskussion über den Massentourismus mit großer Sorge. „Aus unternehmerischer und verbandspolitischer Sicht sind wir nicht für einschränkende Maßnahmen“, sagt Manfred Pinzger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbands (HGV). Doch auch Pinzger sieht ein, dass die Hotspots geregelt werden müssen.
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„Situationen wie an der Seceda werfen ein falsches Licht auf die gesamte touristische Situation im Land“, sagt er gegenüber Journalisten. Denn es gebe Destinationen in Südtirol, in denen das Maximum des Vertretbaren bereits erreicht sei, so Pinzger. „Und dann gibt es Destinationen, die Möglichkeiten zur Entfaltung haben und in denen sich niemand über zu viel Tourismus beschwert. Man kann nicht das ganze Land über einen Kamm scheren.“




