Am Ende sollte Sebastian Hotz nicht Recht behalten. „Wir sehen uns in Handschellen wieder“, sagte der 29-jährige Comedian vor Beginn seines Prozesses vor dem Berliner Amtsgericht am Mittwoch feixend. Doch Richterin Andrea Wilms entschied anders und sprach den als „El Hotzo“ bekannten Influencer vom Vorwurf der Billigung einer Straftat frei. „Ihr Post war straflose Satire und auch klar als solche zu erkennen“, befand sie.

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Staatsanwalt Marc-Alexander Liebig hatte zuvor eine „massive Gefährdung des öffentlichen Friedens“ durch Hotz angemahnt und eine Geldstrafe von 6000 Euro gefordert. „Jetzt ist Schluss mit witzig sein“, kommentierte der ehemalige Angeklagte – lächelnd und in einem etwas zu weit sitzenden Anzug – im Anschluss gewohnt bissig. „Ich werde wieder Betriebsfachwirt.“

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Scharfzüngige Satire, geschmackloser Scherz oder Aufruf zu Attentaten auf ausländische Würdenträger? Wo genau zwischen diesen Polen eine Aussage des Influencers Hotz im vergangenen Juli einzuordnen war, beschäftigte die Berliner Justiz schon seit einem Jahr. Der 29-jährige Podcaster, einst Liebling auch linearer Medien, um ein jüngeres Publikum anzusprechen, hatte sich auf der sozialen Plattform X kontrovers zum Attentat auf Donald Trump geäußert. Der heutige US-Präsident war am 13. Juli 2024 mitten im Wahlkampf um das Präsidentenamt auf einer Veranstaltung im Bundesstaat Pennsylvania von Schüssen verletzt worden.

„El Hotzo“ wetterte gegen Donald Trump

Hotz, auf X 740.000 Follower und auf Instagram 1,3 Millionen Abonnenten stark, verglich in einem nächtlich abgesetzten Post die Schüsse auf Trump, der am Ohr getroffen wurde, während zwei weitere Menschen ums Leben kamen, mit dem „letzten Bus“ und kommentierte: „Leider knapp verpasst.“ Ergänzend schrieb der 29-Jährige: „Ich finde es absolut fantastisch, wenn Faschisten sterben.“ 

Im Grunde nicht ungewöhnlich für Hotz, der als „El Hotzo“ seit Jahren zynische Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen verfasste. „Deutschland ist bekannt für schlechte Witze und viele Faschisten“, sagte Hotz am Mittwoch vor Gericht. „Ich wollte immer gegen beides ankämpfen.“ Das gelinge ihm mal mehr, mal weniger gut, gab er zu.

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Bis zu zwanzig Posts am Tag setzte der 29-Jährige zu seinen Glanzzeiten ab und scharte dadurch eine treue Fan-Gemeinde um sich. Lange schien es für den gebürtigen Oberfranken und Wahl-Berliner in diesem Sinne nur nach oben zu gehen - gefragter Kommentator und Interviewpartner in den Leitmedien, beliebter Influencer und Podcaster auf seinen Kanälen, Romanautor und Co-Moderator der Sendung „Theoretisch cool“ auf dem RBB-Sender Radio Fritz.

Knapp 50 Strafanzeigen gegen Sebastian Hotz

Beim Trump-Post vor einem Jahr schien Hotz allerdings früh selbst einen Shitstorm in den Online-Medien gewittert zu haben. Die umstrittenen Beiträge löschte er schon eine Viertelstunde nach Veröffentlichung. „Weil er sich den schönen Sommertag nicht versauen wollte“, wie er am Mittwoch sagte.

Durch Re-Posts vor allem aus der rechten Szene kam es allerdings trotzdem zu knapp 50 Strafanzeigen gegen ihn, unter anderem von FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki, damals Vizepräsident des Deutschen Bundestags. Der RBB beendete prompt die Zusammenarbeit beim Jugendsender Fritz. Der Post sei nicht mit den Werten des Senders vereinbar, hieß es damals.

Sebastian Hotz als Opfer einer „rechten Empörungswelle“

Die Anwältin des Comedians, Carolin Lütcke, sprach hingegen von einer rein satirischen Äußerung, die durch eine „Empörungswelle“ und eine rechte Kampagne gegen den „linksgerichteten El Hotzo“ aufgebauscht worden sei. „Die Staatsanwaltschaft täte gut daran, sich in diesen Zeiten nicht vor den Karren jeder Empörungswelle auf X spannen zu lassen“, so Lütcke.

Die Aussage ihres Mandanten möge zwar ein schlechter Witz gewesen sein, aber es bleibe eben ein schlechter Witz und kein Aufruf zu Straftaten, der die öffentliche Ordnung hätte gefährden können. Es sei zudem aufgrund der Überspitzung und des absurden Vergleichs Trumps mit einem Verkehrsmittel klar erkennbar gewesen, dass es sich um Satire auf dem geschäftlichen Account einer bekannten Kunstperson gehandelt habe. Satire werde in Zeiten sozialer Medien eben nicht nur in Fernsehshows zum Besten gegeben, so Lütcke.

Der Deutsche Journalisten-Verband hatte sich schon im Vorfeld über den Strafprozess empört und eine Einstellung verlangt. Tatsächlich hatte das Amtsgericht im März zunächst entschieden, das Verfahren gegen Hotz nicht zu eröffnen. Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt, weshalb es nun doch zum Prozess kam. Die Behörde sah den Tatbestand der Billigung einer Straftat weiterhin als erwiesen an.

Nicht die erste Kontroverse um „El Hotzo“

Dabei blieb Staatsanwalt Liebig auch am Mittwoch. Bei „El Hotzos“ Post handele es sich um eine Form der Hasskriminalität, die ein Klima schaffe, in dem heimtückische Mordversuche wie der auf Trump gut geheißen würden - zumal in einer erhitzten gesellschaftlichen Atmosphäre, in der sich die Gewalt gegen Politiker und staatliche Würdenträger auf einem Höchststand befinde. Derartige Aussagen seien nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. „In Deutschland darf man vieles sagen, aber nicht alles“, so Liebig. „Satiriker stehen nicht über dem Gesetz.“

Das würde wohl auch Richterin Wilms unterschreiben. Dennoch konnte sie in dem Post des sichtlich erleichterten Influencers schlussendlich keine Strafbarkeit erkennen. Für Hotz endet damit eine ein Jahr andauernde Hängepartie, die ernsthafte berufliche Konsequenzen für ihn hatte.

Dabei ist es nicht sein einziger Skandal. Im Dezember 2024 hatte der Influencer hitzige Diskussionen in den sozialen Medien ausgelöst, als er nach Vorwürfen seiner Ex-Freundin Untreue, Lügen und Manipulationen in seiner Beziehung eingestand. Was folgte, war eine mehrmonatige Pause auf den sozialen Plattformen. Eine Pause, die nun allerdings schon seit längerem wieder vorbei ist. Nach der Urteilsverkündung postete er auf X das Symbolbild eines Menschen, der seine Ketten sprengt. Ein Schelm., wer Böses dabei denkt.