Die Einwohner der „Phlegräischen Felder“ (Brennende Felder), dem Gebiet des „Supervulkans“ bei Neapel in Süditalien, kommen nicht zur Ruhe. Am Freitag wurde ein Erdbeben der Stärke 4,0 mit Epizentrum in der Nähe von Dazio, zwischen Pozzuoli und dem westlichen Stadtgebiet von Neapel, verzeichnet. Das Beben war in Neapel, Süditaliens größter Metropole, und in den umliegenden Gemeinden deutlich spürbar. Viele Menschen flüchteten in Panik auf die Straßen.

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Auf die stärkere Erschütterung folgten einige Nachbeben, wie das italienische Institut für Geologie und Vulkanologie (INGV) berichtete. Das Epizentrum lag in geringer Tiefe von circa 2,5 Kilometern, was die starke Wahrnehmung erklärt. Der öffentliche Nahverkehr wurde vorsorglich unterbrochen, um die Infrastruktur zu kontrollieren. Im Bahnverkehr kam es daher zu erheblichen Behinderungen. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Nord-Süd-Achse kam vorübergehend zum Erliegen.

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Keine größeren Schäden – doch Schreck in der Bevölkerung ist groß

Es gab jedoch keine Berichte über Opfer oder größere Schäden, der Schreck unter der Bevölkerung ist dennoch groß. „Dieses Erdbeben kam mir viel stärker vor als all die anderen. Die Bücherregale und die Lampen wackelten. Ich habe mich zur Tür gestürzt und wollte hinaus, doch ich war vor Schreck wie gelähmt. Zum Glück gab es keine größeren Schäden“, berichtet Rosa Vicinanza aus Neapel. Sie gehört einer Facebook-Gruppe an, in der Anwohner der „Phlegräischen Felder“ bei Erdbeben Informationen und Eindrücke teilen.

Bis zum 100 Kilometer von Neapel entfernten Küstenort Gaeta wurde das Erdbeben diesmal klar gespürt. Die Bevölkerung der Phlegräischen Felder lebt inzwischen in ständiger Alarmbereitschaft. Der Zivilschutz in Neapel und Umgebung unterstützt Menschen, die aus Angst auf die Straße laufen und vorübergehend nicht in ihre Wohnungen zurückkehren wollen.

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Vulkanforscher besorgt über andauernde seismische Aktivitäten

Die Phlegräischen Felder, ein Gebiet mit hoher vulkanischer Aktivität, werden seit einiger Zeit immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Meistens sind es kleine, kaum spürbare Erschütterungen, die die Erdkruste in diesem Gebiet schwächen. Seit elf Jahren gilt für das Gebiet die Alarmstufe Gelb, die zur Vorsicht aufruft. In den vergangenen Monaten kam es jedoch wiederholt zu stärkeren Erdstößen. Am 30. Juni wurde ein Erdbeben der Stärke 4,6 gemeldet, das stärkste der letzten 40 Jahre. Francesca Bianco, Direktorin der Abteilung Vulkane des Instituts INGV, äußerte sich gegenüber den Medien besorgt: „Für uns ist dies ein erneuter Beweis für die Verschärfung einer sogenannten bradyseismischen Krise, deren treibende Kraft nach wie vor die Anhäufung von Spannungen in der Erdkruste aufgrund der unaufhörlich fortschreitenden Hebung ist“.

Bradyseismus ist ein geologisches Phänomen, das langsame vertikale Hebungen oder Senkungen der Erdoberfläche beschreibt – meist in vulkanisch aktiven Gebieten. Laut einer im Herbst 2024 publizierten Studie steigen seit einigen Jahren Magma und Gase aus einer großen Magmakammer in rund acht Kilometer Tiefe in höher gelegene Gesteinsschichten. Durch den starken Druck hebt sich der Boden des ganzen Gebiets an, was zu Spannungen in der Erdkruste führt, die sich dann in sogenannten Schwarmbeben entladen. Insofern sei das neue Beben nicht überraschend gekommen, meinen Experten.

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Boden über dem Supervulkan hebt sich immer schneller

Die Geschwindigkeit, mit der sich der Boden über dem Supervulkan hebt, hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt: Statt wie zuvor um etwa 1,5 Zentimeter pro Monat hebt sich die Erde im betroffenen Gebiet nun um etwa drei Zentimeter. Insgesamt hat sich die Erdoberfläche bereits um über zwei Meter angehoben.

NameCampi Flegrei (Phlegräische Felder)
LageWestlich von Neapel, Italien
TypSupervulkanische Caldera
Bedeutende EruptionenCampanian Ignimbrite (vor 39.000 Jahren), Neapolitan Yellow Tuff (vor 15.000 Jahren)
Größe 13 km breit
Historische BedeutungZwei massive Eruptionen führten zum Kollaps der Caldera

Im Februar stellte die italienische Regierung 184 Millionen Euro für das Gebiet um den Supervulkan bei Neapel bereit. Damit sollen 50 Projekte in der Region der Phlegräischen Felder finanziert werden, um die Auswirkungen der ständigen Erdbeben auf Gebäude und Infrastruktur zu mindern.