Für die Bevölkerung bedeutete es gefühlt endlose Sekunden des Schreckens: Das Gebiet rund um den sogenannten Supervulkan der Phlegräischen Felder südwestlich von Neapel in Italien ist am Montag vom stärksten Erdbeben der vergangenen 40 Jahre erschüttert worden. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) gab die Stärke mit 4,6 an.

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Das von Wissenschaftlern sogenannte Hypozentrum (Erdbebenherd) lag im Meer vor Neapel. Nach dem ersten Erdbeben um 12.47 Uhr am Montag folgte vier Minuten später ein Nachbeben der Stärke 2,2. Berichte über Schäden gibt es bislang nicht. Die Präfektur Neapels kündigte im Laufe des Nachmittags eine Pressekonferenz an.
Erdbeben bei Neapel: Anwohner berichten von der Angst
„Es waren lange Augenblicke puren Terrors“, berichtete eine Anwohnerin auf Facebook. Vor allem ältere Menschen und Mütter mit Kindern rannten in Angst auf die Straße. Die Erschütterung wurde von der Bevölkerung in einem weitläufigen Gebiet registriert. Dieses umfasst unter anderem die Hafenstadt Pozzuoli, die Gemeinde Bacoli sowie die neapolitanischen Bezirke Fuorigrotta und Bagnoli.

Die Phlegräischen Felder, ein Gebiet mit hoher vulkanischer Aktivität, werden seit geraumer Zeit von Erdbeben heimgesucht. Zumeist handelt es sich um kleine und kaum spürbare Erschütterungen, die die Erdkruste in dem Areal schwächen. Seit elf Jahren gilt für das Gebiet die Alarmstufe Gelb, die Bewohner zur Vorsicht aufruft. In den vergangenen Monaten kam es jedoch auch zu stärkeren Erdstößen.
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„Das Beben ereignete sich im Meer, es war das stärkste, das in Bacoli je gespürt wurde. Die Bürger sind besorgt wegen der Stärke des Ereignisses. Es gibt keine Personenschäden, aber es kam zum Einsturz eines Felsvorsprungs. Wir fordern dringend den Beginn der Sicherungsarbeiten an den Küstenhängen, zusätzliche Mittel und auch eine verstärkte Überwachung auf See“, erklärte der Bürgermeister der Stadt Bacoli, Josi della Ragione, gegenüber unserer Redaktion. Bacoli befindet sich im Herzen der Phlegräischen Felder.
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Die italienische Regierung stellte im Februar dieses Jahres 184 Millionen Euro für das Gebiet um den Supervulkan bei Neapel bereit. Damit sollen 50 Projekte im Gebiet der Phlegräischen Felder finanziert werden, um so die Auswirkungen der ständigen Erdbeben auf Gebäude und Infrastruktur in der Gegend zu verringern.
„Ein Erdbeben der Stärke 4,6 bezeugt, dass der Druck unter der Erdkruste zugenommen hat“, warnte etwa Giuseppe De Natale, Vulkanologe beim INGV, gegenüber italienischen Medien. De Natale gilt als einer der angesehensten Vulkanologen in Italien. Seit Jahrzehnten beobachtet der Wissenschaftler die Entwicklungen im Gebiet des Supervulkans.
Die „Campi Flegrei“, die Phlegräischen Felder, sind kein Vulkan wie etwa der Vesuv, der bei seinem Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. Pompeji in Schutt und Asche legte. Stattdessen schlummert die Gefahr im Boden: Die „brennenden Felder“ nehmen ein etwa 160 Quadratkilometer großes Areal aus zahlreichen Kratern ein, das zu weiten Teilen unter der Meeresoberfläche liegt. Hier hebt und senkt sich immer wieder die Erde – ein Phänomen, das Fachleute „Bradyseismus“ nennen, was so viel bedeutet wie „langsames Erdbeben“, und das auf die unterirdischen Magmabewegungen zurückgeht. Wenn die Magmakammern sich mit dem zähflüssigen Gesteinsbrei füllen und wieder leeren, verursacht das Erdbeben. Insbesondere das jüngste Beben gilt unter Experten als Anzeichen für eine erhöhte vulkanische Aktivität im Großraum Neapel.







