Pina Perrotta stand in ihrem Garten in Pozzuoli, im Herzen des Gebiets des Supervulkans nahe Neapel, als am Montag die Erde zitterte. Das Areal um die Phlegräischen Felder, die „brennenden Felder“, wurde von dem stärksten Erdbeben der letzten vier Jahrzehnten erschüttert, das eine Stärke von 4.6 erreichte. „Ich habe die Bäume im Garten wackeln sehen und dann einen lauten Knall gehört, als würde eine Bombe explodieren“, berichtete Perrotta gegenüber lokalen Medien.

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Zur Angst vor weiteren Beben gesellt sich dieser Tage eine weitere Befürchtung. Fabio Florindo, Präsident des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV), sprach vor der Kommission für hydrogeologische und seismische Risiken im Parlament in Rom von einer „nationalen Notlage“ – sowohl aus seismischer als auch aus vulkanologischer Sicht. Denn noch besorgniserregender als mögliche Erdbeben sind laut Florindo sogenannte „phreatische Explosionen“.

Explosionen am Supervulkan? „Können tödlich sein“

Was Florindo beschreibt, sind plötzlich auftretende Dampfexplosionen, die entstehen, wenn heißes vulkanisches Gas mit kaltem Grundwasser in Kontakt kommt. Diese Explosionen geschehen ohne Beteiligung von Magma, sind kaum vorhersehbar und können große Mengen an Gestein und Erde in die Luft schleudern – mit schweren Folgen. Besonders gefährdet sei das thermale Gebiet Pisciarelli unweit von Neapel, in dem aus Fumarolen derzeit Temperaturen von über 140 Grad Celsius gemessen wurden. Diese Zone ist stark zerklüftet und hat in der Vergangenheit bereits kleinere phreatische Explosionen erlebt.

Phlegräische Felder
Die Phlegräischen Felder bei Neapel: Direkt neben der italienischen Millionenstadt liegt ein Supervulkan. Direkt neben der italienischen Millionenstadt liegt ein Supervulkan. © picture alliance / dpa | Istinuto Di Vulcanologia

Obwohl derzeit keine Hinweise auf einen Magmaaufstieg vorliegen, warnt Florindo davor, die Lage zu unterschätzen. Die Bodenhebung in der Region – ein Zeichen vulkanischer Aktivität – liegt momentan bei etwa 1,5 Zentimetern pro Monat. In der Vergangenheit, etwa im Februar, wurden sogar 3 Zentimeter monatlich gemessen. Solange dieser Prozess anhält, seien weitere seismische Ereignisse sehr wahrscheinlich.

Modelle zeigen, dass im Falle einer Explosion vor allem das Gebiet zwischen Astroni und Agnano betroffen sein könnte – eine Zone, die auch bei früheren Ausbrüchen von pyroklastischen Strömen heimgesucht wurde. Zwar gibt es derzeit keine Hinweise auf das Öffnen neuer Eruptionsherde. Dennoch bereitet die Lage Experten Sorge: „Phreatische Explosionen geben keinen Voralarm. Sie geschehen sofort. Und sie können tödlich sein“, warnte Florindo vor der Kommission. Die Behörden rufen daher zu erhöhter Aufmerksamkeit und zur Kooperation bei Sicherheitsmaßnahmen auf.

Italiens plant Erdbeben-Sanierung für 260 Millionen Euro

In der Zwischenzeit zittert die Erde im Gebiet der Campi Flegrei weiter. Am Donnerstag wurde eine Erschütterung der Stärke 2.6 auf der Richterskala gemeldet. Laut Florindo könnten sich in der Region Erdbeben mit einer Stärke von bis zu 5.5 auf der Richterskala ereignen. Stärkere Beben seien aufgrund der geologischen Beschaffenheit zwar unwahrscheinlich, dennoch würde schon eine solche Magnitude ausreichen, um erhebliche Schäden zu verursachen – vor allem an bereits vorgeschädigten Gebäuden. Besonders problematisch sei dabei, dass viele Bewohner aus Angst vor Zwangsevakuierungen eine Überprüfung der Bausubstanz verweigern. Dabei könne selbst ein kleiner Schaden an tragenden Strukturen im Ernstfall zum Einsturz führen.

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Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni versucht, die antiseismischen Standards in der Region zu stärken. So verabschiedete die Abgeordnetenkammer einen Sonderplan für das Gebiet des Supervulkans. Damit sollen Gebäude erdbebensicher gemacht werden. 56 öffentliche Infrastrukturen sollen im Bereich der „Campi Flegrei“ (Phlegräische Feldern) innerhalb von drei Jahren angegangen werden. Dafür macht die italienische Regierung 260 Millionen Euro locker. Betroffen sind in erster Linie Schulgebäude, aber auch öffentliche Einrichtungen von nationaler Bedeutung, geht aus dem umfangreichen Plan hervor, den die Regierung entwickelt hat.