Gagliano Aterno ist ein Bergdorf mit 250 Einwohnern in der süditalienischen Provinz L‘Aquila. Hier lebt seit drei Jahren Casey Harch, eine 30-jährige Frau aus New Orleans, die mit ihrem Lebenspartner Giovanni Castaldo (32) hergezogen ist. Casey möchte im Dorf eine Bäckerei mit Holzofen eröffnen und dort Kuchen und Pizza verkaufen. Giovanni ist Hydrologe und forscht im Bereich Wasserverschmutzung. „Wir haben uns entschlossen, unsere Hobbys in ein echtes Lebensprojekt zu verwandeln. Wir suchten einen Ort fernab vom städtischen Trubel und haben ihn hier gefunden“, sagte die US-Amerikanerin der römischen Tageszeitung „Il Messaggero“.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Casey und Giovanni sind kein Einzelfall. Auf der Suche nach Naturverbundenheit und einem einfacheren Lebensstil sind in den letzten drei Jahren fast 100.000 Menschen in italienische Berggemeinden gezogen. Das geht aus dem Bericht „Montagne Italia 2025“ hervor, der von der Union der italienischen Berggemeinschaften (UNCEM) veröffentlicht wurde.

Italienische Bergdörfer: „Die Menschen hier sind großzügig und herzlich“

In Gagliano Aterno hat das Paar ein günstiges und fruchtbares Umfeld für sein Lebensprojekt gefunden. Die Wohnung, in der Casey und Giovanni leben, ist günstig. „Wir haben genug Wasser für unseren Gemüsegarten, einen Wald voller Brennholz für den Ofen und vor allem ein Tal, das seit jeher dem Getreideanbau gewidmet ist. Die Menschen hier sind großzügig und herzlich. Mit dem Bürgermeister Lucio Santilli haben wir eine wunderbare Freundschaft aufgebaut. Er hat uns bei unserer Integration sehr unterstützt“, erzählt Casey, die inzwischen ein Sommerferienprogramm für Kinder ins Leben gerufen hat mit Kochkursen, Gartenarbeit und Englischunterricht.


Anbindung und Internet: Italienische Bergdörfer werden modernisiert

An der Spitze der Bergkommunen mit Bevölkerungszuwachs stehen Gemeinden in der Emilia-Romagna, der Toskana und Trentino-Südtirol, wie die Studie zeigt. Laut dem Bericht erkennen viele Italiener inzwischen neue Chancen für ein Leben in den Bergen. Denn die insgesamt 3.471 Berggemeinden, die 48,8 Prozent der Landesfläche umfassen, haben in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Die Infrastruktur und Dienstleistungen haben sich verbessert: Mit Mitteln aus dem EU-finanzierten Wiederaufbauprogramm für die Zeit nach der Pandemie wurden zahlreiche neue Kindergärten gebaut.

In einigen Regionen wurden auch die Anbindung an den Verkehr optimiert, wodurch viele abgelegene Gebiete heute deutlich besser erreichbar sind. Auch das Breitbandinternet, das noch vor zehn Jahren ein großes Problem darstellte, ist inzwischen flächendeckend ausgebaut – was Homeoffice und digitales Lernen erheblich erleichtert. „Es gibt Anzeichen für eine Trendumkehr, die von der Politik erkannt werden müssen“, erklärte Marco Bussone, Präsident des UNCEM.

Natur und Entschleunigung: Berggemeinden locken Touristen

Immer mehr Berggemeinden schließen sich zusammen, um gemeinsame Projekte zu entwickeln, mit denen vor allem jüngere Generationen in die Dörfer gelockt werden sollen. So entstehen Programme zur Bekämpfung des Klimawandels und zum grünen Übergang. Umweltfreundlicher Tourismus könnte für diese Dörfer zum Magneten werden. Das weiß auch Anastasia Laganá. Die 35-Jährige aus Florenz hat mit ihrem Partner Giacomo Gori die Stadt verlassen, um nach Vallo di Nera zu ziehen.

Das kleine Dorf liegt in der grünen mittelitalienischen Region Umbrien, aus der ihre Großeltern stammten. Anastasia hat damit begonnen, das Haus ihrer Großmutter umzugestalten, um eine Ferienwohnung daraus zu machen. „Hier haben wir eine menschlichere Lebensdimension gefunden. In der Stadt ist alles viel komplizierter. Selbst ein Besuch bei Freunden muss Tage im Voraus organisiert werden. Außerdem gibt es zu viel Lärm und Kriminalität“, berichtet Laganá.

Auch interessant: „Wasser unglaublich klar“: Schönster Strand der Welt liegt in Italien

Der Winter können im Bergdorf zwar lang sein, doch Anastasia und Giacomo haben ihren Lebenswandel nicht bereut. Sie arbeiten mit anderen jungen Leuten zusammen, um das Dorf für Besucher, die Ruhe und frische Luft suchen, attraktiver zu machen. Sie sind sich sicher, dass Berggemeinden viel Wachstumspotenzial haben. Vor allem wegen des Klimawandels werden sie bei Touristen immer beliebter. Das Dorf ihrer Großmutter ist für Anastasia jetzt zur neuen Heimat geworden.