Es muss eine malerische Hochzeit gewesen sein. In Goult, einem Dorf in Südfrankreich, feierte eine Gesellschaft vergangenes Wochenende bis in die frühen Morgenstunden. Dann kamen die Killer. Mit schnellen Autos, vermummt und schwer bewaffnet, fuhren sie zu viert gegen 4.30 Uhr in der Nacht zum Sonntag vor, als die Feierenden gerade am Aufbrechen waren. Die Angreifer eröffneten das Feuer.

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Die Braut, die schon in einem Wagen saß, wurde von einer Kugel in den Kopf getroffen und starb auf der Stelle. Auch ihre 13-jährige Tochter wurde angeschossen, überlebte den Angriff jedoch.

Der Bräutigam, der zu einer marokkanischen Drogenbande gehören soll, überfuhr daraufhin einen Angreifer und tötete ihn dabei. Die drei anderen Täter ergriffen die Flucht. Zwei Männer wurden später nach einer Hubschrauberjagd von der Polizei gefasst.

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Frankreich war schockiert über den Überfall, der einem Gangsterfilm in nichts nachstand. Die herbeigeeilten Fernsehteams berichteten, wie eine Frau nach der Flucht der Täter als erste in die tödliche Stille geschrien hatte: „La mariée est morte!“ – Die Braut ist tot!

Frankreich: Brutaler Krieg der Drogenbanden fordert viele Tote

Was bei aller Tragik fast unterging: Es war nicht das erste Mal, dass eine Frau Opfer der brutalen Drogenkriege in Frankreich wurde. So wurde im Januar in Echirolles eine 16-Jährige namens Zora von einer Kugel schwer verletzt, als sie gegen 23 Uhr lediglich ihren Hund ausführte – und in eine Schießerei geriet.

Im Februar wurde in Korsika die Studentin Chloé im Wagen ihres Freundes, der Beziehungen zum Mafiamilieu der Mittelmeerinsel pflegen soll, mit mehreren Schüssen getötet.

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An einem Nachmittag im März geriet in Clermont-Ferrand eine ältere Frau in einen Schusswechsel, als sie ihre Enkelin in der Schule abholen wollte. Die 60-Jährige wurde am Hinterkopf von Bleischrott getroffen, überlebte aber. Ein junger Mann wurde ebenfalls verletzt.

Im April nahm ein schwarz vermummtes Kommando im südfranzösischen Nîmes ein Gebäude mit einer Kalaschnikow unter Beschuss. Die Ermittler fragen sich, ob es wohl um die Vorherrschaft über eine Drogenverkaufsstelle ging. Eine Bewohnerin wurde dabei jedenfalls durch mehrere Schüsse verletzt.

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Im Mai hatte eine 43-jährige Frau in Marseille weniger Glück: In einem der berüchtigten Nord-Quartiere wurde sie unter ungeklärten Umständen in der Nähe eines Drogen-Hotspots erschossen. Bekannt ist nur, dass sie mit ihrer Tochter, die dabei leicht verletzt wurde, von den Schüssen in ihrem Auto getroffen wurde.

Im Juni gab es eine ähnliche Attacke in Montélimar. Unbekannte schossen mit Kalaschnikow-Waffen auf ein Familienhaus. Einer der zehn Schüsse verletzte eine Frau. Die Ermittler gehen von einer „Vendetta“, also einem blutigen Racheakt, oder einem Einschüchterungsversuch feindlicher Drogenhändler aus.

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Die Polizei bestätigt: Seit Jahresbeginn geraten in Frankreich immer mehr Frauen mit oder ohne Migrationshintergrund ins Fadenkreuz der Dealer- und Mafiabanden. Aber es gab schon früher ähnliche Fälle. Der bekannteste davon ereignete sich im Jahr 2023. Socayna, eine 24-jährige Studentin, wurde in Marseille erschossen, als sie gerade ein Buch las. Sie wurde von einer Kugel getroffen, die durch eine Fassade drang, hinter der die Studentin saß. Vor dem Haus gerieten Bandenmitglieder in einen Schusswechsel. Socayna starb auf der Stelle.

Frauen in Frankreich werden gezwungen, Drogen in der eigenen Wohnung zu lagern

Warum immer mehr Frauen Opfer im Kugelhagel werden, ist nicht nur eine Frage der absurden Wahrscheinlichkeit, sich im heutigen Frankreich eine „balle perdue“, eine verirrte Kugel einzufangen. In den Gangs arbeiten auch zunehmend Dealerinnen. Wobei der Staatsanwalt von Marseille, Nicolas Bessone, vor kurzem zugab, es sei sehr schwierig zu wissen, wie aktiv diese Frauen mitgemacht hätten.

Viele werden gezwungen, als „nourrice“ (Amme), wie man sie im Milieu nennt, verschiedene Drogen in der eigenen Wohnung zu lagern. Andere betätigten sich aber sogar als Leiterinnen von Dealer-Orten.

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Feministinnen halten diese letzteren Fälle für verschwindend gering und erklären, Frauen seien die ersten Opfer des Drogenhandels – zumal dieser regelmäßig mit extremer häuslicher Gewalt einhergehe. Viele Partnerinnen von Dealern würden zudem von gegnerischen Gangs als Druckmittel, Rachewerkzeug oder zur Demütigung benutzt.

Caroline de Haas, Gründerin von NousToutes, einem Kollektiv gegen Gewalt an Frauen, wirft dem Innenminister Bruno Rétailleau vor, nicht genug für den Schutz von Frauen zu tun. Der konservative Minister warnte angesichts zunehmender Bandengewalt, an der auch Minderjährige beteiligt sind, das Land stehe an einem „Kipppunkt“. Die Polizei ist aber von dem ganzen Ausmaß der Drogengewalt schlicht überfordert.

Lokale Stellen agieren bereits entschlossener. In Marseille haben Frauenverbände auf der Grundlage eines bisher kaum angewendeten Gesetzes von 2021 erreicht, dass die Behörden die Villa eines verhafteten Kokain-Dealers beschlagnahmten. Die Villa wurde in einen Zufluchtsort für Frauen verwandelt.